17G

Diese Frage wurde mir von euch gestellt... Eigentlich ist sie ziemlich leicht zu beantworten, aber irgendwie auch doch nicht, denn wirklich vorstellen mag ich mir das sicher nicht! Wenn es keine Fische mehr gibt, wäre so ziemlich das gesamte Ökosystem im Meer zusammengebrochen.

Etwas Quallen-Ragout gefällig? Der kanadische Fischereiexperte Dr. Daniel Pauly warnte schon vor Jahren, dass unsere Kinder & Enkel nur noch Quallen und Plankton essen werden, wenn der Raubbau am Meer sich fortsetzt. Und dass es immer mehr Quallen-Plagen gibt, lässt sich jetzt schon bei einem Mittelmeer-Urlaub feststellen...

Das Leben im Ozean weist eine unglaubliche Vielfalt an Formen und Größen auf - vom mikroskopisch kleinen Plankton bis zum größten Wal. Doch viele Arten wurden oder werden durch zerstörerische menschliche Eingriffe an den Rand des Aussterbens gebracht. Immer wenn sich in so einem 'Ökosystem' plötzlich ein Baustein verändert, dann hat das meist weitreichende Folgen... ein Dominostein bringt die anderen ins Kippen. Das kann auch ein ganz kleiner Teil sein, der plötzlich weitreichende Veränderungen hervorruft - kennt ihr den "Schmetterlinsgeffekt", bei dem ein Flügelschlag eines Schmetterlings einen Sturm auslösen kann? Im Meer passiert das genauso, außer, dass wir da erst nach langer Zeit überhaupt merken, was eigentlich los ist... Dafür gibt es inzwischen einige Beispiele: vor Neufundland hat vor 25 Jahren die massive Überfischung und das kommerzielle Aussterben des Kabeljaus dafür gesorgt, dass jetzt plötzlich Unmengen von Krabben die Region besiedeln.

Gigantische Schiffe mit modernster Ausrüstung können Fischschwärme heute schnell und zuverlässig orten. Diese industriellen Fischereiflotten haben die ökologischen Grenzen der Ozeane gesprengt. 90 Prozent der großen Fische - also Haie, Tunfische, Kabeljau, Rochen etc. - sind schon aus unseren Meere verschwunden - weggefischt! Ist eine größere Fischart ausgerottet, beginnt die Jagd auf die nächstkleinere Art und so weiter... bis eben nur noch Plankton und Quallen unsere Meere besiedeln.

Daher muss sich grundlegend ändern, wie wir mit unseren Ozeanen umgehen. Und eigentlich ist das wirklich ganz einfach: Dazu müssten die Regierungen nur 40 Prozent unserer Weltmeere als Schutzgebiete ausweisen und eine nachhaltige Fischerei in den restlichen 60% der Meere vorschreiben! Damit eben nicht passiert, dass es keine Fische mehr gibt. Ich stehe jedenfalls absolut nicht auf Quallen-Ragout mit Planktonsoße!! :-o

Antje Helms, Greenpeace-Meeresexpertin