Eine gute Nachricht für Bulgarien. Ein Verbot für Schiefergasbohrungen. Vorgestern war noch von einem temporären Moratorium die Rede, gestern wurde es verboten. Somit ist Bulgarien das zweite europäische Land, das Fracking landesweit verbietet. Frankreich hat bereits im Juni 2011 als erstes Land weltweit ein Verbot von Fracking ausgerufen. "Non au gaz de schiste" hat die Bevölkerung mit Demonstrationen gefordert.

Jetzt folgt Bulgarien. In den Niederlanden gibt es seit Oktober 2011 ein landesweites Moratorium für Schiefergasbohrungen. In allen drei Ländern ist der Widerstand der Bevölkerung dafür verantwortlich. Im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, sowie im schweizerischen Kanton Freiburg hat sich der Widerstand der Bevölkerung auch durchgesetzt und ein Moratorium erreicht. In Österreich hat die OMV zwei Probebohrungen im Weinviertel angekündigt. Noch bevor der Energiekonzern die Bevölkerung über das Vorhaben informiert, hat sich eine Bürgerinitiative gegen Schiefergasbohrungen gegründet.

Warum überhaupt der Widerstand?

Fracking beschreibt im Allgemeinen die Förderung von Schiefergas. Im genaueren Sinne sind damit aber die erzeugten Risse im Gestein, sogenannte fracs, gemeint. Diese Risse werden in tausenden Metern Tiefe geschaffen und mit Sand gefüllt, damit sie sich nicht gleich wieder schließen. Um an das in Mikroporen eingeschlossene Schiefergas heranzukommen, wird ein Wasser-Chemikaliengemisch mit Hochdruck in das Gestein gepresst. Man spricht von Millionen Litern Wasser und Tausenden Litern Chemikalien pro Bohrung, die teilweise als gesundheitsschädlich, krebserregend und erbgutschädigend eingestuft werden.

Ein großer Teil dieses Wasser-Chemikaliengemisches, das in das Gestein gepresst wird, kommt mit dem Gas zurück an die Oberfläche und muss entsorgt werden. Dieses Abwasser ist mit Schwermetallen, Radionukliden und Kohlenwasserstoffen kontaminiert. Diese Stoffe kommen natürlich im Boden vor, stellen aber ein Risiko dar, wenn sie mit dem verschmutzten Wasser an die Oberfläche strömen.

Da das Schiefergas in tiefen Gesteinsschichten liegt, verläuft eine Schiefergasbohrung durch wasserführende Gesteinsschichten und Grundwasserhorizonte. Entsteht während der Bohrung ein Leck, kann es zur Grundwasserverschmutzung kommen. Außerdem wurden in der Nähe von Fracking-Gebieten in Großbritannien und den USA häufigere Erdbeben gemessen. Die benachbarte Bevölkerung klagt über Trinkwasserverschmutzung, Risse in Hausmauern, Lärm und brennendes Leitungswasser durch den Gasaustritt. In einem Dokumentationsfilm aus den USA gelingt ein Versuch, mit dem Feuerzeug das Wasser aus dem Wasserhahn anzuzünden. Hohe Methanemissionen machen dies möglich.

Die OMV behauptet, bei Ihren Bohrungen im Weinviertel auf Chemikalien verzichten zu wollen. Andere Energiekonzerne versuchen das aber schon länger – bisher ohne Erfolg. Deshalb ist es mehr als fraglich, ob die OMV da Erfolg haben wird, wo andere seit Jahren scheitern.
Neben den vielen lokalen Eingriffen in die Umwelt ist die Schiefergasbohrung eine weitere Belastung für unser Klima. Schiefergas ist, genauso wie Erdöl oder Erdgas, ein fossiler Energieträger, der mit viel Aufwand an die Oberfläche gepresst wird. Die CO2- und Methanemissionen, die während der Schiefergasbohrung und bei Verwendung des Schiefergases entstehen, haben große Auswirkungen auf die Treibhausgasbilanz.

Die Energieszenarien von Greenpeace zeigen, dass man das Schiefergas überhaupt nicht braucht. Mit einer vernünftigen Energiepolitik können wir guten Gewissens auf das Schiefergas verzichten. Wir müssen nur erneuerbare Energien forcieren. Nicht nur auf Papier, sondern in die Tat umsetzen.