und der Löwe fürchtet sich!

 Auf der Vollversammlung der Bayer-Aktionäre in Düsseldorf wurde Gehirnwäsche vom Feinsten betrieben. Eine riesige Halle mit Platz für bis zu 5.000 Aktionäre leuchtete in den Bayer-Farben Grün und Blau. Security-Personal wohin das Auge reicht. Mild stimmende Musik berieselte uns, während wir die aufgestellten Schautafeln über die großen Errungenschaften des Bayer-Konzerns betrachteten. Die Gentechnik wird auf den Tafeln eigenartiger Weise nicht erwähnt. Vielleicht aus Bedenken, für ein Produkt kritisiert zu werden, welches selbst ihre eigenen Aktionäre nicht auf dem Teller haben wollen? Bayer spricht stattdessen von dem wachsenden Hungerproblem der Menschheit und wie wichtig das Engagement von Bayer in diesem Sektor sei, während ihr Logo überall von den Wänden strahlt.

Nachdem wir unser Gepäck von einem Scanner durchleuchten ließen, erwartete uns in der Halle eine ganze Armee von Securitiy Personal. Ich suchte den Stand, wo ich mich in die Rednerliste eintragen lassen konnte. Auf meinem Weg dorthin flüsterte an jeder Tür ein "SecurityMann" in sein Funkgerät: Achtung, er kommt, die Leute von Greenpeace sind da! An der nächsten Tür wieder das Gleiche bis wir schließlich das Rednerpult an der anderen Seite des Gebäudes erreichten. Wir konnten uns ein Lachen nicht verkneifen.

Nachdem sich der Vorstand, abgekapselt hinter Absperrungen, über die tollen Leistungen seines Teams und des gesamten Konzerns ausließ und wir unsere Langeweile mit Kaffee bekämpften, war es dann nach einigen Stunden endlich soweit. Ich konnte endlich hinter das Rednerpult, um dem Vorstand und den versammelten Aktionären "reinen Reis" über die eigentlichen Pläne von Bayer einzuschenken. (die Rede auf: http://www.greenpeace.at/news_gen_090512.html)

Nach etwa 2 Stunden bekamen wir Antwort vom Vorstandsvorsitzenden, Herrn Werner Wenning:

Das Ergebnis:

1. Bayer akzeptiert die Ergebnisse des Weltagrarberichtes nicht! sehr interessant, setzt Bayer sich hier über die Wissenschaft hinweg? (Der Bericht wurde in Auftrag von UNO und Weltbank von über 400 Experten erstellt. Kam zu dem Ergebnis, dass Gentechnik keine entscheidende Rolle zur Lösung der Hungerproblematik beitragen wird.)

2. Bayer will den Reis in Europa nicht vermarkten! Klingt zunächst gut, ist aber leider eine Null-Aussage von gefinkelten PR-Leuten, die hinter der Bühne unermüdlich für den Herrn Wenning die Antworten auf unangenehme Fragen geschrieben haben. Denn: wenn Bayer das Saatgut erst einmal an US-Bauern verkauft, diese dann anbauen und wiederum die Ernte an die Händler verkaufen und diese an die Supermärkte, dann landet der Reis am Ende doch auf dem europäischen Markt.
Außer natürlich, wenn Bayer erst gar kein Saatgut verkauft. Die Aussage zeigt aber, dass sich der Löwe offenbar vor den kritischen europäischen Konsumenten fürchtet. Deshalb will Bayer in Europa auch die Zulassung, damit Verunreinigungen nicht mehr als illegal gelten, wie es beim letzten Reis-Skandal von Bayer aus dem Jahre 2006 geschehen ist. Wenn der Reis nicht mehr als illegal gilt, dann wird auch niemand über Verunreinigungen berichten. So scheint die Strategie von Bayer zu sein. Unsere sieht anders aus.

3. Dass der Reis Glufosinat enthält und dieses Unkrautvernichtungsmittel schädlich für unsere Gesundheit ist, konnten selbst gefinkelte PR-Menschen nicht wegreden. Deshalb entschied sich Bayer zu diesem Thema einfach zu schweigen.

So viel von der Vollversammlung von Bayer, wie es weitergeht, erfahrt ihr wieder hier.

Philipp Strohm Greenpeace, Gentechnik-Experte