Montag morgen wurde die eigentliche Jahrestagung der 61. IWC eröffnet, mit Mandolinenorchester und einer Rede des portugiesischen Umweltministers. An diesem Tag trugen im Wesentlichen die IWC-Wissenschaftler, die bereits in den letzten drei Wochen getagt haben, ihre neuesten Forschungsergebnisse in Sachen Wale vor. Dabei herausgekommen ist ein 108-Seiten-Bericht. Ein Highlight darin ist für mich der Versuch festzustellen, wie viele Zwergwale es in der Antarktis gibt – zeigt es doch, wie wichtig es ist, den japanischen Forschungswalfang sofort zu stoppen!

Seit 2000 veröffentlicht die IWC keine Schätzung für den von Japan bejagten Zwergwal-Bestand im Südpolarmeer – zu unsicher waren die Hochrechnungen. Dieses Jahr wurden der IWC neue Berechnungen präsentiert, die allesamt die gleichen Daten benutzt hatten: Japanische Wissenschaftler berechneten 1, 2 Mill. Zwergwale für 1985-1991 und 688.000 Wale für 1991-2001; australische Forscher rechneten (mit den gleichen Daten) 747.000 Wale für 1985-1991 bzw. 461.000 Wale für 1991-2001 hoch. Die IWC hätte wohl beide Zahlen für sich als gültige Schätzung akzeptiert – würden die Zahlen nicht so unterschiedlich ausfallen! Die antarktischen Zwergwale gehören zu den am besten untersuchten Walbeständen. Somit wissen wir immer noch nicht, wie viele Zwergwale es da draußen wirklich gibt.

Was mir zu denken gibt, ist, dass beide Berechnungen einen Rückgang aufzeigen. Beweise dafür gibt es nicht, aber genug um sich wirklich um die Zwergwale in der Antarktis Sorgen zu machen. Außerdem zeigt uns dieser kleine Ausflug in die Welt der IWC-Forscher, wie schwierig es ist, die Bestände von Walen korrekt zu schätzen. Wenn dies bei einer der best untersuchten Walarten der Fall ist, wie sieht es dann erst mit den Schätzungen für andere Walarten und Walbeständen aus? Und wenn nicht einmal die IWC weiß, wie viele Zwergwale es im Südpolarmeer gibt, wie kann Japan jedes Jahr mehrere Hundert dieser Tiere zur Tötung freigeben? Übrigens: 30% der 680 von Japan in der letzten Saison getöteten Wale waren schwanger - macht 680 getötete Wale plus 200 Kälber! Man kann nicht laut genug eine Ende dieses kommerziellen Walfangs unter dem Deckmantel der Forschung fordern!

Antje Helms, Greenpeace-Meeresexpertin