Manuel Marinelli  segelte  für die Amazonas-Kampagne ein Monat mit der Rainbow Warrior am Amazonas Fluss.

Ich habe ihn bei seinem Kurzaufenthalt in Wien getroffen und er hat mir von seinen Erfahrungen und Erlebnissen im Herzen des Amazonas erzählt.

Du warst ein Monat an Bord der Rainbow Warrior – was hat diese Tour von den anderen Schiffstouren unterschieden?

M: Besonders unterschiedlich war das Schiffsleben an Bord. Wir sahen grün statt blau, was sehr schön ist. Wir segelten auf einem Fluss und nicht am Meer und es waren sehr viel mehr Menschen an Bord als sonst, sodass die Leute am ganzen Schiff verteilt in Hängematten schliefen. Außerdem wird mal nicht nur englisch geredet, sondern portugiesisch. Oder man verständigt  sich mit Händen und Füßen. Wir waren viel mehr draußen und gingen öfter an Land. Nachdem man ja direkt von Land umgeben ist, ist es leicht, irgendwohin zu fahren. Wir besuchten kleine Dörfer, Schulen, Städte zum Einkaufen, aber auch illegale Rodungen und flogen mit dem Greenpeace Flugzeug über den Regenwald.

Wie seid ihr von lokalen Leuten aufgenommen worden?

M: Das war von Region zu Region sehr unterschiedlich! In Manaus – der letzten Hafenstadt flussaufwärts des Amazonas, die wie erreicht haben, waren die Leute sehr interessiert. Wir hatten irre viele Besucher an Bord – mehr als in New York. Bei den kleinen indigenen Gemeinden im Wald war bei unseren Besuchen immer hellauf Begeisterung. Greenpeace hatte in den letzten Jahren mitgeholfen, dort Schutzgebiet aufzustellen. Unser Schiff gibt ihnen Hoffnung. In Santarem – der Hochburg des Soja-Anbaus wars eher fraglich, wie sicher ein Landgang wäre…

Was war dein persönlicher Highlight in der Amazonaskampagne?

M: Mein persönlicher Highlight war unser Besuch einer Schule mitten im Regenwald. Das war gewaltig schön - wo die kleinsten Kinder bis jungen Erwachsenen lernen, wie sie vernünftig mit dem Wald leben und diesen vermarkten können, ohne das sensible Ökosystem zu stören.

Ist das die Möglichkeit den Wald nachhaltig zu schützen?

M: Ich denke, dass die Menschen vor Ort immer der Schlüssel zum Schutze des Waldes sind. Im Wald ist das gleich wie bei den Meeren. Die großen Konzerne, die von irgendwoher kommen, haben keinen Bezug zum Wald. Sie holen sich das raus, was für sie wertvoll ist und walzen alles drum herum nieder. Die Einheimischen brauchen den Wald, aber sie brauchen ihn nicht zum Spazieren gehen und Aussicht genießen, sie leben vom Wald. Wenn der Wald weg ist, dann sterben sie. Dementsprechend gut passen sie drauf auf. Das ist das gleiche wie große Schleppnetzfischereien – die vor den kleinen Inseln des Pazifiks herumschippern. Die kleinen Fischer auf den Inseln verhungern…


Haben die Leute vor Ort die Möglichkeit Einspruch zu erheben?

M: Das ist der Knackpunkt. Der einzelne kleine Stamm ist winzig. Das sind Kommunen von 200 bis 300 Menschen. Eines der Greenpeace-Projekte war es, die Stämme zusammenzuführen. Diese einmal zu einer großen lauten Stimme zusmammenzutrommeln und ihnen eine hörbare Stimme zu geben, die sie dann in der Hauptstadt der Politik vorbringen können. So haben wir es auch bei den Pazifikinseln mit den Fischern gemacht. Das sind die einzigen Menschen, die wirklich auf ihren Wald aufpassen werden. Das ist der Schlüssel.

Als du mit dem Greenpeace Flugzeug mitgeflogen bist, wie wirkte der Regenwald von oben auf dich?

M: Der Regenwald ist unglaublich, eine riesige Fläche wie das Meer, nur in einer anderen Farbe. Aus der Nähe kannst du einzelne, Mammutbäume erkennen, die zehn bis zwanzig Meter aus dem geschlossenen Blätterdach herausragen. Und dann siehst du plötzlich braune Kahlschläge, mit Autoreifenspuren und gefällten Baumstämmen. Da hast du dann den direkten Vergleich – so könnte es aussehen - und das ist wunderschön - und so wird’s aussehen – und das ist trauriger als alles andere!

Im Amazonas ist der Transport und die Anbauflächen billigst bis gratis. Bei der Größe Wald ist es schwierig diesen zu überwachen. In Brasilien gibt es keine Behörden, die das könnten – es steht nicht mal ein Flugzeug zu Verfügung. Greenpeace hat eines in Manaus von einem Millionär geschenkt bekommen, mit dem sie regelmäßig Überflüge machen zum Dokumentieren. Eine eigene Abteilung zeichnet und aktualisiert die Karten des Amazonas. Die Piloten erzählen, dass rund um die neugebauten Straßen (BR 163) im Wochentakt neue Löcher – großteils illegal – entstehen. Diese Löcher sind Rinderfarmen, binnen Kürze siedeln sich dann neue Schlachthöfe an, für kurze Transportwege und so wird immer mehr und mehr abgeholzt.

Ihr habt auch illegale Waldrodungen besucht – was macht Greenpeace, wenn sie solche entdeckt?

M: Wenn wir von der Luft kahle Einschläge entdecken, werden die GPS Daten genommen und die Stelle am Landweg aufgesucht. Die Hölzer, die man dort findet, sind mit kleinen gelben Täfelchen markiert, mit einem Nummerncode, der gibt die Holzart an. Wir haben während der Amazonastour vier Plätze aufgesucht, an drei fanden wir auch Holz markiert, das auf der roten Liste steht. Davon haben wir dann die gelben Marken mitgenommen, ein paar Holzproben dazu und als „Crime“ markiert. Beim Umweltgipfel in Rio sollen diese Hölzer präsentiert werden.

Denn in unserer Amazonas-Kampagne geht’s ja nicht nur um Waldschutz, es geht ganz besonders um Klimaschutz. Jetzt ist der Kipppunkt da, wenn weiter geholzt wird, dann ist alles vorbei. Dann kann der Regenwald nicht mehr seine Schutzfunktion als Lunge der Erde aufrecht erhalten. Das viele CO2 kann dann vom Wald nicht mehr gebunden werden. Deshalb brauchen wir unbedingt eine Null Abholzung – „desmatamento zero“ wie es im portugiesischen heißt.