Sie ist die starke Frau des grünen Widerstandes in unserem östlichsten Greenpeace-Büro Europas: Denitza Petrova bestreitet für unseren Atom-Eingreiftrupp in Bulgarien die aktivistischen Angelegenheiten auf politischer Ebene, setzt sich für Erneuerbare Energien und für die Rettung des Klimas ein. Eigentlich würde sie sich am liebsten in ein Passivhaus in die Wälder und Berge Bulgariens zurückziehen. Stattdessen ist die 33-jährige mehr als aktiv und erklärt mir wortgewaltig und wild gestikulierend die verzwickte Situation in Bulgarien, wo seit mehr als 24 Jahren ein Atomkraftwerk in Bau ist –  Belene.

Eine Industrieruine, die eigentlich für nichts mehr zu gebrauchen scheint.
Seit Jahren führt Greenpeace Bulgarien eine Kampagne gegen dieses atomare Wahnsinnsprojekt. Mit Denitza, die im Jahr 2005 zu Greenpeace gestoßen ist, hat die Umweltschutzorganisation starke Unterstützung bekommen. Mittlerweile jagt eine Gerichtsverhandlung die nächste, Russland stellt Forderungen in Millionenhöhe für speziell für Belene konstruiertes technisches Equipment, welches jedoch nie zum Einsatz kam. „Es ist ein Affentheater“, konstatiert sie ernüchtert. Obwohl in Bulgarien am 23. Oktober 2011 Präsidentschaftswahlen stattfinden werden, wird das Thema Atom keine Rolle spielen. Die Verstrickungen der bulgarischen Mafia mit Medien und russischen Industrielobbyisten sind zu tiefgehend und stark.

Für mich klingt es mehr nach der Tragödie eines Landes, das noch immer Millionen in Medienpropaganda für Atomkraft steckt und dessen Bevölkerung diese Technologie selbst nach der Katastrophe von Fukushima nur zu einem geringen Teil in Frage stellt. Tragisch lethargisch schien sich auch die Stadt Belene ihrer Bestimmung ergeben zu haben, wie ich feststellen musste, als ich im Sommer 2010 am Donauradweg daran vorbeistrampelte. Ein wirklich düsterer Ort.

Wie wichtig daher, mutige Menschen wie Denitza als Teil von Greenpeace inmitten des Geschehens zu wissen, die durch ihren kühnen Einsatz in Bulgarien die Lobbyfront ein wenig aufweicht und wachrüttelt. Wie sie zu Greenpeace kam?  „Es war eine total verrückte Schiffstour“, erzählt sie mir lachend, „Ein Greenpeace–Schiff war damals auf der Donau unterwegs, um den Menschen in Bulgarien von Klimawandel und ihren grünen Ideen zu erzählen.“ Die Soziologie-Studentin konnte sich dem Bann dieser Idealisten, die bei Regen und Wind barfuß auf Deck umherliefen, nicht entziehen. Sie begann sich für Greenpeace zu engagieren, zuerst ehrenamtlich, seit Mai 2011 als Campaignerin.

Seither arbeitet sie mit Institutionen, ist bei Konferenzen dabei, trifft sich mit PolitikerInnen und versucht sie für alternative Energien zu gewinnen. Am wich-tigsten und sinnvollsten ist für sie die Arbeit mit Kindern. „Wenn Kinder nicht mit spätestens zehn Jahren eine Sensibilisierung für die Natur erfahren haben, ist es zu spät“, ist sie der Meinung. Und genau das sei auch etwas, was falsch laufe in Bulgarien. „Hier wird den Schülern im Biologieunterricht antiquiertes Wissen mit lateinischen Fachnamen beigebracht. Aber die Liebe und Begeisterung für den Schutz der Natur, den lernen sie nirgendwo“, erzählt mir Denitza. Irgendwann, ja irgendwann möchte sie sich auch darum wieder kümmern und wie früher mit Kindern im Wald herumstreifen, um ihnen zu zeigen – sie selbst erleben lassen - wie wunderbar und vor allem schützenswert die Natur ist.

Was du tun kannst? Zum Beispiel mit deinen Kindern die Energie und Umweltwoche besuchen.