Es ist ein Herbsttag wie aus dem Bilderbuch – herbstlich orange-rot verfärbte Blätter im Wiener Prater säumen die Brücke der Wiener Stadtautobahn A22. Über mir donnert der langsam vor sich hin stotternde Verkehr. Lastwagen an PKW, zähflüssig stauend, wie jeden Tag. Unter der Verkehrslawine düse ich auf meinem Fahrrad in dreifacher Geschwindigkeit dahin und kann mir ein Lächeln nicht verkneifen. Wahre Freiheit gibt’s eben doch nur am Fahrradsattel.

Ich will zur Pressekonferenz der Asfinag – die in ihrer Aussendung verheißungsvoll ankündigte, alle Bedenken von Umweltschützern und Experten zu ihrer geplanten S1 - "Lobau-Autobahn" aus dem Wege zu räumen. Darauf bin ich besonders gespannt – und den PK-Brötchen werde ich entsagen – nehme ich mir schon im Vorfeld vor. Im dritten Stock der Asfinag Hauptzentrale, gleich neben der dröhnenden Südosttangente gelegen, haben sich zwanzig Journalisten und Asfinag-Angestellte eingefunden. Asfinag Vorstandsdirektor Schedl begrüßt und leitet ein, Geschäftsführer DI Walcher, führt in kärntnerischer Manier weiter aus und Abteilungsleiter DI Honeger deklamiert über Bürgerbeteiligung und Anrainerbedenken.

Auf die kritischen Expertengutachten, die montags zuvor von Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen vorgelegt wurden, wird nicht eingegangen, daran müssen erst anwesende JournalistInnen erinnern. Geantwortet wird allerdings nur ausweichend. Schmähstad?

Sämtliche Unterlagen zu diesem Wahnsinnsprojekt finden sich in sechs großen aneinandergereihten Kisten ebenfalls im Raum – vielleicht hätte da nochmals tiefer in den Unterlagen gewühlt werden sollen?

Fest steht also: Frühestens 2025 wäre die S1 - Lobauautobahn mit Untertunnelung durch den Nationalpark Donauauen fertig. Die Kosten (hochundheiligversprochen) bleiben bei 1,8 Milliarden Euro (Steuergeld). Baubeginn 2014. Für den Raum Groß-Enzersdorf wird mit einer Entlastung von 5000 Fahrzeugen gerechnet, für den Bezirksteil Breitenlee immerhin eine 30% ige Verkehrsentlastung erwartet. Der Anrainerverkehr soll aber eh nicht ins Zentrum gezogen werden. Für wen wird eigentlich gebaut? Ich erkenne keine himmelhochjauchzenden Entlastungsprognosen.

Die Kritikpunkte also:

  • Verkehrsprognosen für Österreich im Jahr 2025 zeigen, dass der Auto- und Lkw-Verkehr stagnieren wird – Grund: steigende Benzinkosten, anfallende Mautgebühren. (siehe VCÖ)
  • Enorm hohe Kosten auf Steuerzahlerbasis für dieses Projekt – Kritiker sprechen von drei Milliarden Euro, einer Summe, die für Sozial- und Umweltprojekte viel sinnvoller eingesetzt werden könnte.
  • Arbeitsplätze werden verhältnismäßig wenige geschaffen – dadurch ist der wirtschaftliche Nutzen relativ gering, wie von einer IHS-Studie untermauert wird.
  • Das Grundwasservorkommen im Nationalpark Donauauen, welches als Notfallswasserversorgung für Wien verwendet wird, wird in Mitleidenschaft gezogen und ein ganzer Nationalpark aufs Spiel gesetzt.
  • Der geplante Autobahnbau führt die Klima- und Energieziele Österreichs ad absurdum.

Nun ist mir auch gänzlich der Appetit auf die Asfinag-Brötchen vergangen.