In der kleinen Ostseegemeinde Mielno in Nordpolen wurde am Sonntag über den möglichen Bau eines  Atomkraftwerks in der Gemeinde abgestimmt. 57 Prozent der Bürger und Bürgerinnen gaben ambitioniert ihre Stimme ab und davon sagten 95 Prozent lauthals und bestimmt „njet“ zu den Plänen der Regierung. Vom Bürgermeister bis zum Leuchtturmwärter informierten und formierten sich die Bewohner zu einem sehr gut organisierten Widerstand. Denn erst im Dezember 2011 wurde Mielno als einer von drei möglichen Standorten für das erste polnische Kernkraftwerk auserkoren – und innerhalb von drei Monaten hatte die lokale Initiative die große Mehrheit der 4000 Menschen von einem ‚Nein zu Atomkraft!‘ überzeugt.

Warum sollte die kleine Tourismusgemeinde auch ihre deutschen Sommergäste eintauschen gegen eine zehn Jahre andauernde Großbaustelle? Warum sollten ihre Kinder und Kindeskinder keine lebenswerte Umwelt vorfinden und zum Arbeiten nach Warschau ziehen müssen? Warum sollten tausende Arbeitsplätze jeden Sommer gegen ein paar wenige Jobs in einem AKW eingetauscht werden?

„Die Menschen seien zu schlecht informiert“, war die erste Reaktion des Kraftwerkbetreibers PGE (Polska Grupa Energetyczna) auf die kritischen Anfragen aus der Bevölkerung. „Wir sind sehr gut informiert“, konterten die Kraftwerksgegner, die nach Veröffentlichung der Pläne sofort mit ihren Recherchen begannen. Unser Greenpeace-Büro in Polen wurde zu einem Ansprechpartner und stand mit Expertise und Kontakten, Bannern und Informationsmaterialien bei.

Das Ergebnis der lokalen Abstimmung im kleinen Nest Mielno zeigt einmal mehr die gesamtpolnische Ansicht, die auch in einer offiziellen Meinungsumfrage deutlich wird. Die Mehrheit der polnischen Bevölkerung ist gegen den Einsatz von Atomkraft und gegen den Bau eines ersten Atomkraftwerkes in dem Ostseestaat. „Der Widerstand, der in Mielno zu wachsen begann, wird sich auch auf die anderen möglichen AKW-Standorte – Choczewo und Zarnowiec – ausweiten und Monat für Monat größer werden“, ist Iwo Los, Greenpeace-Atomkampaigner und Teil des Atom-Eingreiftrupps, überzeugt. „Ich denke, dass unsere Regierung den Willen der polnischen Bevölkerung akzeptieren muss und deshalb ihre Baupläne für ein AKW zurücknehmen wird“, zeigt sich Iwo sichtlich stolz über den Ausgang der Abstimmung.

Lokaler Widerstand funktioniert! Schluss mit der Nörgelei über „die da oben“! Setzt euch selbst, wie die Menschen in Mielno, mit Bürgermeistern und Organisationen zusammen und diskutiert über das, was eurer Meinung nach falsch läuft. Auf, auf - eure Kritik soll nicht in heimischen Wohnzimmern verpuffen!

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