In Paris werden heute 10 000 Antiatomkraft-AktivistInnen erwartet, um Nicolas Sarkozy, François Bayrou und François Hollande und all jenen, die für das Präsidentenamt kandidieren, zu zeigen, dass sie mit der Energiestrategie Frankreichs nicht einverstanden sind und den Ausstieg aus der Nuklearenergie fordern.
Greenpeace-Tour durch Frankreich
Heute ist der feierliche Abschluss einer riesigen und energetischen Tour der Plattform „Liberons’lé énergie“ – Freie Energie für Frankreich – die zwei Monate quer durch Frankreich tourten. Denn Frankreich wählt am 22.April einen neuen Präsidenten – und der "Atomausstieg" soll ein Wahlkampfthema werden. Zigtausend Menschen traten in Nantes, Bordeaux, Toulouse, Montpelier, Marseilles, Lyon und Strasbourg gemeinsam mit Hunderten lokaler Organisationen auf, veranstalteten Menschenketten und menschliche Banner und forderten eine Energiewende und den Ausstieg aus der Kernenergie. Ab sofort. In Straßburg war ich mit dabei, neben SchweizerInnen und Deutschen, die ebenfalls enthusiastisch forderten, sich an ihrem Atomausstieg ein Beispiel zu nehmen. Jammerschade finde ich, dass ich jetzt gerade in Paris zum würdevollen bombastischen Abschluss nicht dabei sein kann.
Die Geschichte von zivilem Widerstand
Dennoch möchte ich euch davon erzählen, es ist die Geschichte von zivilem Widerstand, der sich nicht so leicht damit abgefunden hat, dass die Präsidentschaftskandidaten das Thema Energie, nicht in ihren Wahlkampf hatten aufnehmen wollen. Die Gegnerschaft von Atomenergie war nach der Atomkatastrophe von Fukushima in dem Land, das stark pro Nuklearkraft eingestellt war, gewachsen - und wurde Tag für Tag lauter. Zahllose öffentliche Demonstrationen wurden auf die Beine gestellt. Waren es im Oktober 2011 an die 20.000 Menschen, die in Rennes (Nordwestfrankreich) gegen Atomkraft protestierten, gingen am Jahrestag von Fukushima bereits 60.000 Leute in einer Menschenkette in der Nähe von Lyon auf die Straße.
Greenpeace-Aktion in zwei AKW
Greenpeace zeigte in einer eindrucksvollen Aktion in zwei französischen Atomkraftwerken auf, wie einfach es sei, die Sicherheitsmaßnahmen zu Durchbrechen und in ein AKW einzudringen. Die Aktion beeindruckte nicht nur uns, sonder hinterließ ein gehöriges Echo in der Medienwelt. Die franz. Nuklearsicherheitsbehörde ASN, als auch der Finanzgerichtshof wurden skeptischer und zeigten die steigenden Kosten sowie die Unklarheit der tatsächlichen Kosten der Nuklearenergie auf und untermauerten damit das Greenpeace Argument. Es gibt keine sichere Atomkraft!
Atomkraft ein Wahlkampfthema
Dadurch wurde das Thema Atomkraft endlich ein Wahlkampfthema. Jeder Kandidat bezog Position zur Nutzung von Atomenergie und der Energiewende. Alle jedoch ungenügend. Sarkozy bleibt erklärter Anhänger der Atomkraft, Hollande würde von 75% auf 50% bis 2025 reduzieren und die zwei Reaktoren in Fessenheim abschalten – allerdings nur diese zwei. Melanchon von der Linskpartei möchte eine Volksabstimmung zu Atomenergie nach dem Wahlkampf. Einzig die grüne Kandidatin Eva Joly und Philippe Poutou von der Antikapitalistischen Partei sprechen sich für einen Atomausstieg aus – Meinungsumfragen geben ihnen allerdings nicht mehr als 1-2 Prozent. Bleibt also nur mehr die Bevölkerung, die Druck bei ihren Kandidaten machen kann. Die Energiefrage muss nach wie vor gestellt werden.
Toitoitoi also unseren französischen KollegInnen, dass sie die heiße Wahlkampfphase für sich gewinnen können.