Nun sind sie da – die ersten Ergebnisse der EU-weiten Stresstests für Atomkraftwerke. Nach einem genauen Blick auf die Ergebnisse, stelle ich mir schon die Frage, wie diese als akribische Überprüfung der Sicherheit europäischer AKW angekündigte Maßnahme tatsächlich abgelaufen ist.

Am  ehesten stelle ich mir die Stresstests vor wie einen Biologie-Test damals in der Schule. Nur, dass der Lehrer dabei vor der Tür wartet und seinen SchülerInnen komplett freie Hand bei der Beantwortung lässt. Er überlässt es seinen Schülern, wie umfangreich sie antworten wollen. Er hat auch die Fragen sehr allgemein formuliert, um ausweichende Antworten akzeptieren zu können. Gibt es dennoch Fragen, die den SchülerInnen unangenehm sind, können diese gerne unbeantwortet bleiben. Beurteilen darf die Tests dann der Klassensprecher. Wäre ja noch schöner, wenn ein unabhängiger Lehrer-Experte dafür herangezogen würde.

Schüler Slowenien ist eigentlich ein braver Schüler, der es allen Recht machen will und sich besonders bemüht, viel zu schreiben. Sein Test ist über tausend Seiten dick geworden, doch auf die Frage, wie im Falle eines Unfalls mit der Sicherheit der Bevölkerung umgegangen werden würde, ist ihm dann doch nichts eingefallen.

Schülerin Slowakei hatte nicht ihren Tag. Sie konnte nur vier Seiten schreiben. Naja, jede hat mal solche Tage.

Schüler Tschechien bestach mit gestochen scharfen leserlichen Buchstaben, wenn auch ebensowenig ausführlich, dafür umso sicherer, dass nichts zu befürchten sei. Sicherheitsmängel gäbe es nicht.

Schülerin Frankreich ist immer besonders konstruktiv. Sie schrieb einen ebenso optimistischen, wie lösungsorientierten Test. Ihre Reaktoren hätten ausreichende Sicherheit und man müsste natürlich keines schließen. Allerdings müssten Verbesserungen gemacht werden, die sie sogar detailliert auflistete.

Einzig Schüler Schweden war ehrlich genug festzustellen, dass die schwedischen AKW im Falle eines Erdbebens der Stufe 6 nicht genügend geschützt wären – das solle bis 2013 abgesichert werden.

Ihr seht schon, wie wenig wir von diesen Stresstests halten. Diese wurden von der EU den 143 Meilern verordnet und in den letzten sechs Monaten durchgeführt. Am Mittwoch den 17. Jänner gab es eine weitere Konferenz, die sich mit den eingereichten Stresstests beschäftigte. Detailliert müssen diese nun analysiert werden heißt es. Fakt ist, dass bei diesen Stresstests keine unabhängigen Experten eingesetzt, keine Noftallsstrategien entwickelt und keine Gefahrenanalyse für den Fall eines Reaktorunfalls getätigt wurden.

Umso ermutigender, dass meine engagierten KollegInnen aus Bulgarien, Rumänien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien richtige MusterschülerInnen sind. Und die Stresstests in ihren Ländern äußerst kritisch verfolgen. Zu so einem stresslosen Test dürfen die Stresstests nicht verkommen. Atomkraft ist gefährlich, das ist nicht stresslos. Wenn Sie diese MusterschülerInnen übrigens  kennenlernen wollen, sehen sie sich doch unser Atom-Eingreiftrupp-Video an. Da lernen sie meine KollegInnen aus nächster Nähe kennen.