Im 21. Jahrhundert steht Polen an der Kippe das erste Atomkraftwerk des Landes zu bauen. Das wollen unsere Greenpeace-Kollegen und -innen– allen voran Iwo Los – Atomcampaigner und Teil unseres Atom-Eingreiftrupps in Polen - selbstverständlich nicht durchgehen lassen. Deshalb wehren sie sich was das Zeug hält und fordern unsere Energie-Revolution. Eine ambitioniertere Aktion jagt die nächste und sie surfen dabei auf einer wundersamen Welle. Denn am 9.Oktober 2011 finden in Polen Parlamentswahlen statt. Und scheinbar möchte jeder Kandidat die Aktionen von Greenpeace für sich nutzen.
Als ich vor zwei Wochen per Zug nach Danzig reiste, war dort die gesamte polnische Fußball-Fan-Riege auf den Beinen. Mein Besuch fiel mit dem Freundschaftsspiel Deutschland:Polen zusammen. Gleichzeitig war der ehrgeizige Plan der, im ausverkauften neugebauten Fußball-Stadion ein GP-Banner zu entrollen. Die Botschaft „Go Poland! For Clean Energy!“ sollte möglichst viele Leute und allen voran den größten polnischen Fußballfan erreichen - ihren Premierminister Tusk. Denn die Situation hier in Polen brennt wirklich. Polen hat noch kein Atomkraftwerk, doch der polnische Energie-Konzern PGE, der aufgrund seiner Kohlekraftwerke in Polen, europaweit der größte CO2-Emittent ist, möchte nun zusätzlich in die „ach-so-saubere“ Atomkraft investieren. Zeitgleich macht sich der Konzern bei Tusk& Co beliebt, indem er das neue Stadion finanzierte.
All diese Details erfahre ich von Iwo, der charismatische und enthusiastische 24jährige, der auch schon ein Atomkraftwerk aus der Kletterperspektive kennengelernt hat. Als Greenpeace-Aktivist war er mit Greenpeace Frankreich auf den 165m hohen Kühlturm geklettert, um dort eine Botschaft aufzumalen. Das war eine derartig bewegende Erfahrung für den damals 20jährigen, dass er sich stärker und stärker gegen Atomkraft engagierte. Ein Ende der Atomkraft ist Teil der weltweiten Klima-Energie-Kampagne, die aufgrund einer globalen Klima-Gerechtigkeit immer wichtiger und dringlicher wird. Deshalb ist Iwo mit vollem Einsatz dabei, mehr denn je zuvor.
Die Aktion im Stadion scheiterte – die Greenpeace-AktivistInnen waren entdeckt worden – ihr Versuch war allerdings in die Medien gesickert und von denen für toll empfunden worden. Am nächsten Tag stellten dieselben Medien die Aktion von Greenpeace auf einem Foto nach – mit unseren Forderungen: „Go Poland – for Clean Energy!“ – und in ihre Zeitung. Die wundersame Welle des Glücks nahm Fahrt auf.
Einige Tage später gesellten sich die Greenpeacer zu einer Wahlveranstaltung der regierenden Partei. Es gelang zwar nicht die Greenpeace-Botschaft prominent zu projizieren, eine hübsche polnische Aktivistin schaffte es dafür aber direkt auf die Bühne zu Premierminister Tusk. Und dieser half ihr höchst persönlich beim Entrollen des Greenpeace-Banners. Der Greenpeace-Appell - „Vergeude keine Energie – wir wollen saubere Energie“ - wurde zum Medien-Erfolg.
Auch die größte Oppositionspartei wurde bei einer Veranstaltung besucht. Über dem Kopf von Oppositionsführer Kaczynsky hingen Iwo und eine Aktivistin an einem Seil und hatten ihre Banner entrollt: „Polen braucht mehr – saubere Energie". Daraufhin nahm Kaczysnky diese Forderung in sein Wahlprogramm auf und lud sie zu einem Gespräch ein. Das nenne ich Erfolg auf ganzer Linie.
50% der polnischen Bevölkerung sind laut Umfrage des größten polnischen Meinungsforschungsinstituts gegen den Bau eines Atomkraftwerks. Wenn die Politiker Greenpeace weiterhin medial so wirksam unterstützen, sollte bald die überwiegende Mehrheit der polnischen Bevölkerung Atomkraft ablehnen. Halten wir unserem polnischen Atom-Eingreiftrupp die Daumen, dass diese Welle der Erfolge zur notwendigen Energie-Revolution und zu mehr Klimagerechtigkeit führt.