Das Greenpeace Magazin / März 2012

15 Jahre nach dem Meilenstein

Über 1,2 Millionen Menschen haben im Jahr 1997 das Gentechnik-Volksbegehren in Österreich unterschrieben. Ein starkes Zeichen und der Grundstein dafür, dass Österreich heute als „Anti-Gentechnik-Land“ gilt. Von Dagmar Urban

Gentech-Soja wird als Tierfuttermittel importiert und landet auf unserem Teller!

Die Forderungen des zweiterfolgreichsten Volksbegehrens in der Geschichte Österreichs waren eindeutig: Keine Freisetzung genmanipulierter Lebewesen in Österreich! Kein Essen aus dem Genlabor! Kein Patent auf Leben! Doch was wurde konkret daraus? Vorab kann gesagt werden: Der Einsatz hat sich ausgezahlt – die Anti-Gentechnik- Haltung ist seither Konsens in Österreich.

Zu hundert Prozent umgesetzt wurde das Verbot der Freisetzung genmanipulierter Lebewesen – bis heute wachsen in Österreich keine genmanipulierten Pflanzen, Gentech- Tiere spielen in ganz Europa (noch) keine Rolle. Dieser Erfolg war aber nach dem Volksbegehren alleine noch keineswegs gesichert: Der Saatgutkonzern Pioneer ignorierte das „Nein“ der Bevölkerung und stellte noch im selben Jahr einen Antrag auf Anbau von Gentech- Mais. Nach spektakulären Greenpeace- Aktionen und dem Protest der Konsumenten zog Pioneer den Antrag zurück. Der Widerstand war so überzeugend, dass seitdem kein Konzern mehr eine solche Zulassung in Österreich beantragt hat. Selbst für EU-weit zugelassene Gentech- Pflanzen hat Österreich nationale Anbauverbote erlassen.

Die Österreicher wollten aber nicht nur keine Gentechnik auf den Feldern, sondern natürlich auch kein Gentech-Essen auf ihren Tellern. Manche erinnern sich vielleicht noch an die Proteste 1998 gegen den „Butterfinger“-Schokoriegel von Nestlé. Der Snack mit Gentech-Mais wurde nach einer intensiven Kampagne und Protesten der Kunden ausgelistet. Seit 2000 finden sich keine als gentechnisch verändert gekennzeichneten Lebensmittel mehr in den heimischen Supermarktregalen.

1997 Gentechnik-VolksbegehrenDer Kampf ist damit aber noch nicht gewonnen, denn es gibt einen Wermutstropfen – gentechnikfrei sind die Lebensmittel in Österreich dennoch nicht. Hunderttausende Tonnen Gentech-Soja werden als Tierfuttermittel importiert und landen über diesen Umweg auf unserem Teller – und das, ohne erkennbar zu sein!

Hier hat die EU-Kennzeichnungspflicht für Gentechnik eine Lücke: Denn während gentechnisch veränderte Lebensund Futtermittel gekennzeichnet sein müssen, gilt dies nicht für tierische Produkte, bei deren Produktion gentechnisch veränderte Futtermittel eingesetzt wurden. Wenn also zum Beispiel ein Schwein mit Gentech-Soja gefüttert wird, muss das daraus produzierte Schweinsschnitzel nicht gekennzeichnet werden. Hier gilt es dranzubleiben, damit endlich alle Futtermittel gentechnikfrei werden und garantiert keine Gentechnik im Schnitzel landen kann! Erste Fortschritte wurden schon erzielt – so stellte die gesamte österreichische Milchwirtschaft auf gentechnikfreie Fütterung um. Die meisten heimischen Eier- und Geflügelfleischproduzenten folgten dem Beispiel. Garantiert gentechnikfrei sind weiters alle Bio-Produkte sowie alle Lebensmittel mit dem grünen „gentechnikfrei erzeugt“-Kennzeichen.

Die dritte Forderung des Volksbegehrens nach einem Verbot für Patente auf Leben konnte bisher nicht durchgesetzt werden. Weiterhin versuchen große Konzerne Patentansprüche über die gesamte Kette der Lebensmittelerzeugung anzumelden. Bei diesem Thema werden in Zukunft kritische Konsumenten eine wichtige Rolle spielen, um eine Monopolisierung der Nahrungsproduktion zu verhindern.

Insgesamt lässt sich jedoch deutlich feststellen: Der schon über 15 Jahre anhaltende Widerstand von NGOs wie Greenpeace und Konsumenten in ganz Europa setzt die Gentech-Konzerne unter Druck. So hat der Chemie- und Gentechnik- Konzern BASF erst kürzlich verkündet, die Entwicklung und Vermarktung von Gentech-Pflanzen für Europa zu stoppen. Die offizielle Begründung: Die konsequente Ablehnung der Konsumenten macht das Geschäft unrentabel. Ein großer Erfolg für die Anti-Gentechnik- Bewegung, ist doch die BASFKartoffel „Amflora“ eine von nur zwei in Europa zum Anbau zugelassenen Pflanzen. Der Kampf gegen die Gentechnik ist damit zwar noch nicht gewonnen, der hartnäckige Widerstand der Konsumenten führt aber immer wieder zu den ganz wichtigen Etappensiegen.