Das Greenpeace Magazin / März 2012

„Der Wert des Waldes ist unermesslich“

Ein Leben für den Wald: Der Neuseeländer Grant Rosoman (50) arbeitet seit zwei Jahrzehnten für den Waldschutz und bei Greenpeace. Was ihn motiviert und welche Sonnen- und Schattenseiten sein Engagement mit sich bringt, hat er erzählt. Von Céline Legrand

Was sind deine schönsten Erfahrungen aus 20 Jahren Arbeit für Greenpeace? Grant Rosoman

Wenn man beobachten kann, wie sich Denkweisen und Mentalitäten ändern. Vor einigen Jahren zum Beispiel habe ich mit einer lokalen Gemeinschaft gearbeitet, in der die Frauen sehr benachteiligt waren. Sie durften ihre Meinung nicht sagen oder Entscheidungen fällen. Heute werden die Stimmen dieser Frauen gehört. Das ist ein fundamentaler Wechsel, der nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Zu den schönen Erfahrungen gehört es auch, wenn Konzerne tatsächliche Verpflichtungen eingehen – so wie unlängst erst Mattel. Das sind wirklich große Schritte, und die Auswirkungen sind real.

Mit welchen Wörtern kannst du deine Arbeit beschreiben?

Zukunft – meine Kinder motivieren mich zu handeln, dafür zu kämpfen unseren Planeten zu beschützen. Ich will, dass sie einen Planeten erben, an dem sie sich erfreuen können. Dann Faszination. Für den Waldschutz zu arbeiten ist ein faszinierendes und beeindruckendes Abenteuer. Und Werte. Greenpeace ist eine großartige Organisation, die auf starken Werten aufgebaut ist.

Welchen Wandel siehst du auf globaler Ebene?

Immer mehr Konsumenten sind sich der Probleme bewusst und wollen mehr darüber wissen, was sie kaufen. Das ist eine großartige Möglichkeit, um Einfluss auf Unternehmen zu nehmen und zu ihnen durchzudringen.

Wie kann die Waldzerstörung gestoppt werden?

Heute ist von den Wäldern nicht mehr viel übrig. Dabei sind sie entscheidend für die Stabilisierung
unseres Klimas und die Biodiversität unseres Planeten. Aber das Wichtigste ist: Es gibt immer eine andere Möglichkeit zu handeln. Wir wissen alle, dass die Zerstörung des Waldes nur für den finanziellen Gewinn geschieht. Dabei ist sein Wert unermesslich und weitaus umfassender. Damit wir wieder lernen, den Wald wertzuschätzen, brauchen wir die lokalen Gemeinschaften, denn sie wissen um den ganzheitlichen Wert des Waldes. Wir müssen uns an sie richten, ihre Bedürfnisse kennen und ihre Zukunft unterstützen. Wenn wir das nicht tun, werden wir nicht gewinnen.

Was ist der jüngste Erfolg der Waldarbeit von Greenpeace?

Weltweit haben mehr als eine halbe Million Menschen den Spielzeughersteller Mattel kontaktiert und verlangt, dass der Konzern kein Verpackungsmaterial mehr verwendet, das aus indonesischem Urwaldholz hergestellt ist. Und es hat etwas bewegt! Mattel hat gerade seine brandneue, weltweit gültige Policy veröffentlicht und wird Regenwaldzerstörung aus seiner Produktkette eliminieren. Das ist ein sehr wichtiger Sieg für die Kampagne, für uns und für
den Planeten!

Was ist deine schlimmste Befürchtung?

Der Klimawandel. Wenn wir so weitermachen, kommen wir bald an einen Punkt, an dem wir nichts mehr kontrollieren können. Einer meiner Hauptmotivationen für meine Arbeit ist, dass wir alles tun, um den Klimawandel zu verhindern und die Leute zu diesem Thema mobilisieren. Ich bin Optimist und ich kann niemals aufgeben. Aber ein Teil meines Jobs ist es auch, realistisch zu sein. Wir werden uns einen harten Kampf liefern – aber wir müssen im Auge behalten, dass der Erfolg
nicht garantiert ist.

Was möchtest du unseren Unterstützern sagen?

Danke! Ohne sie würde es uns nicht geben. Und dass wir ihre Ideen brauchen, weil wir alle Teil der Lösung sind. Und dann würde ich sie noch fragen, ob sie ihre Freunde zu uns mitnehmen können!