Das Greenpeace Magazin / März 2012

Ein Leben in grün

Grün leben bedeutet, sich auf das Wesentliche zu besinnen.

Grün leben bedeutet, sich auf das Wesentliche zu besinnen.

Nie war es einfacher als heute, den Alltag nachhaltig zu gestalten; es gibt tausend Möglichkeiten, ein grünes Leben zu führen. Wenn man es wirklich will – denn grün leben bedeutet, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Von Bettina Benesch

Tausend Möglichkeiten also – aber wo beginnen? Hier ein paar Denkanstöße, die beim Start in ein grünes Leben helfen. Einen guten ersten Schritt gehen alle, die ihre Einkaufsgewohnheiten einmal von Grund auf überdenken. Es gibt dazu ein paar hilfreiche Fragen. Die wichtigste: Brauche ich das Produkt wirklich? Dann: Ist es lange haltbar? Lässt es sich reparieren? Könnte ich es auch ausleihen? Und: Gibt es Alternativen mit Gütesiegel? Und zwar mit einem, das diesen Namen auch verdient. G Ü T E S I E G E L. Also: gut, seriös, transparent. Bei näherem Hinsehen hält nicht jedes Emblem, was die Macher versprechen. Hilfreich bei der Suche nach empfehlenswerten Gütesiegeln ist die Greenpeace-Plattform www.marktcheck.at oder www.label-online.de.

Vom Gütesiegel im Allgemeinen ist es nicht weit zum ganz konkreten Label. Eines der wohl am häufigsten verwendeten ist das Bio-Gütesiegel der Europäischen Union, das seit Mitte 2010 jedes biologisch produzierte Produkt kennzeichnet.

Gesichertes Minimum

Das Label markiert den Bio-Mindeststandard laut Bio-EU-Verordnung. Demnach dürfen Bauern ihre Pflanzen nur mit bestimmten Dünge- und Pflanzenschutzmitteln behandeln, Tiere müssen eine bestimmte Fläche zur Verfügung haben (zum Beispiel drei Quadratmeter für ein 350 Kilo schweres Mastrind), dürfen keine Medikamente erhalten, wenn sie nicht krank sind, und sollen Bio-Futter fressen. Die Tiere müssen „ständigen Zugang zu Freigelände, vorzugsweise zu Weideland, haben, wann immer die Witterungsbedingungen und der Zustand des Bodens dies erlauben (…)“. Diese und andere Formulierungen lassen erahnen, dass es Ausnahmen gibt. Nicht jeder, der Bio-Fleisch kauft, kann also sicher sein, dass das Tier auch eine Weide betreten hat, denn es gibt darüber keine verbindliche Information auf dem Etikett. Derzeit muss sich also jeder selbst darum kümmern, diese Informationen zu bekommen.

Wer höhere Bio-Standards möchte, der kann sich beispielsweise an die Verbände Bioland und Demeter halten; sie geben den Bauern strengere Regeln vor als die EU-Verordnung. Grundsätzlich aber gilt: Das Bio-Minimum à la Europäische Union ist immer noch verträglicher als konventionelle Landwirtschaft.

Während sich bei vielen Konsumenten der Wunsch nach „Bio“ beim Essen durchgesetzt hat, stehen wir im Textilbereich noch am Anfang, denn nach wie vor werden Arbeiter zu Hungerlöhnen beschäftigt, immer noch gelangen giftige Abwässer in die Umwelt. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ein Fünftel der weltweit angebauten Baumwolle gentechnisch verändert ist. Es ist daher sinnvoll, auf Öko-Mode zu setzen. Aber wie? Mehr zum Suchen und Finden von grüner Mode finden Sie in dem Artikel "Grüne Mode".

Ökologisch sauber

Beim Thema Kleidung gibt es aber noch einen Aspekt, der nachhaltig gestaltet werden kann: Wäsche waschen. Wer dabei auf sich und die Umwelt achten möchte, braucht Alternativen zu „Blütenduft“ und „Wunderweiß“. Denn Duftstoffe können Allergien auslösen, und optische Aufheller belasten die Gewässer. Die gute Nachricht: Auch viele konventionelle Waschmittel sind heute unbedenklicher als früher, da sie schon bei niedrigen Temperaturen gut reinigen und vergleichsweise gering dosiert werden müssen. Wer dennoch eine Alternative sucht, hat reichlich Auswahl, denn ökologische Waschmittel gibt es in jedem Reformhaus sowohl als Kompaktvariante als auch im Baukastensystem. Bei diesem dient ein Basiswaschmittel als Grundbaustein, dazu kommt bei Bedarf Wasserenthärter und bei weißer Wäsche Bleichmittel. Klingt auf den ersten Blick kompliziert, ist es aber nicht. Garantiert.

Und dann gibt es noch etwas anderes: Waschnüsse. Sie liegen seit einigen Jahren im Trend als ökologisch einwandfreie Alternative zum herkömmlichen Waschmittel. Die asiatischen Nüsse enthalten Saponin, das im Wasser gelöst wird und wie Seife wirkt. In vielen Foren werden Lobeshymnen über die Nüsse gesungen – die eigene Erfahrung zeigt jedoch: Mit groben Flecken werden sie nicht fertig, wenn man die Kleidung nicht vorbehandelt. Bedenken sollte man darüber hinaus, dass die Nachfrage des Westens die Verfügbarkeit der Nüsse in den Anbaugebieten senkt. Außerdem stellt sich die Frage, ob der lange Transportweg notwendig ist, zumal hierzulande auch umweltverträgliche Waschmittel zu haben sind.

Egal, wo man beginnt: Das Umkrempeln des Alten macht Platz für ein neues Denken.

Keine Frage, Nachhaltigkeit ist in vieler Munde – ein Massenphänomen ist sie deshalb noch lange nicht. Der Anteil an Bio-Baumwolle beträgt weltweit 1,1 Prozent, täglich landen in Österreich 460 Tonnen Lebensmittel im Müll, der Marktanteil von Bio-Lebensmitteln im Einzelhandel liegt zwischen sieben und acht Prozent. Und auch in Sachen Mobilität leben wir, als gäbe es kein Morgen: In den vergangenen Jahren standen bei den Pkw-Neuzulassungen die leistungsstarken Autos an der Spitze. Dabei kommt man jedenfalls in der Stadt mit wenig Motorleistung gut voran – falls man die überhaupt braucht in einem Umfeld, in dem U-Bahn und Bus quasi vor der Nase fahren. Auf dem Land sieht die Sache anders aus, da ist das Auto für viele der Nabel zur Welt. Es steht aber nirgendwo geschrieben, dass der eigene Pkw auf Hochleistung getrimmt sein muss. Auch ein spritsparendes Fahrzeug wird mit Steigungen und Kurven fertig.

Neues Denken entsteht

Wenn man sich die Sache genauer ansieht, merkt man, dass ein nachhaltiges Leben für die meisten Menschen nicht erstrebenswert ist – zumal andernorts fast täglich ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht oder die Nachbarn nach wie vor das Fleisch von Käfighühnern kaufen: „Wozu soll ich nachhaltig leben, wenn es die anderen nicht tun?“ Eines ist klar: Nachhaltig zu leben ist nicht auf Anhieb praktisch, und auf den ersten Blick ist es auch nicht billig. „Nicht auf Anhieb“ und „auf den ersten Blick“ sind hier die Schlüsselbegriffe, denn: Wer es genau nimmt mit der Nachhaltigkeit, der kommt auf seine Rechnung. Der fliegt vielleicht nicht mehr um die halbe Welt auf Urlaub, braucht keinen Geländewagen mehr für die Stadtrundfahrt. Es geht um Reduktion. Mitunter sieht die so aus, dass man (etwa aus Geldmangel) auf Bio-Fleisch verzichtet – aber genauso auf das Auto und den Wochenendtrip nach London.

Vielleicht findet der eine Nachhaltigkeit in Bio-Möbeln, der andere hinterfragt das Wirtschaftssystem und schafft sein Geld zur nächsten Ethikbank. Egal, wo man beginnt: Das Umkrempeln des Alten macht Platz für ein neues Denken. Und das dreht sich um das Notwendige, ohne die echten Bedürfnisse zu vernachlässigen. Was die echten Bedürfnisse sind, das findet jeder für sich selbst heraus, wenn er nur ein wenig nachdenkt, wie es denn sein könnte – das Leben in Grün.

77 Tipps für eine Bessere Welt

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