Das Greenpeace Magazin / März 2012

Grüne Mode

Öko-Mode liegt im Trend – nicht zuletzt, weil immer mehr Konsumenten mit gutem Gewissen shoppen wollen. Modeketten springen zwar auf den Zug auf, geben ihren Kollektionen aber bestenfalls einen grünen Tupfer. Von Gundi Schachl

Marktcheck

Es grünt ein ganz klein wenig bei großen Modehäusern wie zum Beispiel H&M oder C&A. Dort trifft man nun vereinzelt auf Modelle mit einem kleinen grünen Schild neben dem Preiszettel. Darauf zu lesen: „Hergestellt aus 50 Prozent zertifizierter Bio-Baumwolle, ohne Verwendung schädlicher Chemikalien angebaut.“ Ein Stück mit grünem Anstrich, „halb-öko“ sozusagen. Doch reicht das?

Grüner Boom

Immer mehr Textilriesen surfen auf der grünen Welle. Dahinter steckt oft weniger die Absicht, effektiv etwas für die Umwelt zu tun, sondern eine Imagepolitur für bessere Profitaussichten – der grün angehauchte Konsument ist als Zielgruppe ins Visier gerückt. Ob die Aktivitäten der großen Textilketten tatsächlich zu einer nachhaltigen Trendwende im Kaufverhalten und Kaufverlangen führt, bleibt abzuwarten. Unternehmen, die ausschließlich Öko-Mode anbieten, sehen die Entwicklung der Textilriesen jedenfalls mit gemischten Gefühlen.

BaumwollernteDenn der Boom der vermeintlichen Bio-Mode hat auch seine Schattenseiten. Die steigende Nachfrage nach Bio-Baumwolle lässt Preise steigen und führt zu Engpässen von zertifizierter Ware. Spekulationen mit dem nachgefragten Rohstoff treiben die Preise weiter nach oben und bringen kleinere Anbieter mit weniger Einkaufsmacht in Bedrängnis. Auch beim Verkaufspreis können die meisten Öko-Marken mit den Textilriesen nicht mithalten. Denn vielen Konsumenten ist nicht bewusst, dass die Herstellung von tatsächlich ökologischer Mode ihren Preis hat. Die Bereitschaft, für ein höherwertiges Produkt mehr zu bezahlen, ist oft nicht vorhanden.

Wer dennoch und tatsächlich nach seinem grünen Gewissen handeln will und es nicht nur beruhigen möchte, steht vor der nächsten Schwierigkeit – wirklich „saubere“ Kleidung zu finden. Rein auf Begriffe wie „Öko“, „Bio“ und „Natur“ kann man sich nicht verlassen. Oft haben diese weniger mit dertatsächlichen Beschaffenheit eines Stückes zu tun als mit einer guten Marketingabteilung.

Sicherheit geben geprüfte Zertifizierungen: Die Mehrzahl dieser Siegel bezieht sich auf Bio-Baumwolle, aber auch auf den immer wichtiger werdenden Markt der künstlichen Fasern. Geprüft werden sowohl die verwendeten Materialien als auch die Stoffe, die bei der Weiterverarbeitung eingesetzt wurden. Eine weitere wichtige Orientierungshilfe sind Hersteller, die ausschließlich Öko-Mode anbieten. Teilweise haben sie eigene Gütesiegel mit strengen Kriterien – eine mehr als ehrenwerte Absicht, die jedoch für den Konsumenten die Gefahr erhöht, sich im Siegel-Dschungel zu verlieren.

Abhilfe schafft die Textil-Fibel von Greenpeace Deutschland. Sie informiert kompakt auf über 100 Seiten zum Thema Öko-Mode, stellt die wichtigsten Siegel vor und betrachtet auch den Aspekt der fairen Produktion: Denn erst wenn auch geprüft wird, dass die Arbeiter (keine Kinder!) in den Textilfabriken unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten, ist Kleidung wirklich empfehlenswert.

Git in TextilienNoch ein wichtiges Argument für tatsächlich grüne statt nur grün gestreifte Mode ist der in der konventionellen Textilbranche übliche Verarbeitungsprozess. Selbst wenn der Rohstoff ökologisch produziert wurde, kommt vielfach die Chemiekeule bei der Weiterverarbeitung zum Einsatz: Kräftig bunt, strahlend weiß oder cool ausgewaschen, und das am besten bügelfrei, schmutzabweisend und geruchshemmend, sollen die kleidsamen Stücke sein! Da Textilien immer mehr können müssen, kommt dem „Veredeln“ steigende Bedeutung zu – das Ergebnis ist Wäsche, die immer öfter „reizt“. Die Industrie nutzt rund 8.000 Textilhilfsmittel und allein 4.000 Farbstoffe für die bunte Optik. Wichtig: Farbüberschüsse und Chemikalienrückstände können zum Teil ausgewaschen werden. Wer seine Haut schonen will, sollte neue Sachen unbedingt vor dem ersten Tragen waschen!

Detox-Kampagne

Greenpeace widmet sich einem großen ökologischen Problem der Textilproduktion mit der aktuellen und internationalen Detox-Kampagne: die Vergiftung der Flüsse durch die Textilindustrie in China, der globalen Kleiderfabrik. Die Forderungen an die großen Textilhersteller, ihre Produktion zu „entgiften“, waren in einem ersten Schritt erfolgreich: Nach den Sportartikelherstellern Puma, Nike und Adidas haben auch die Moderiesen H&M und C&A reagiert und zugesichert, ihre Produktionskette bis 2020 von giftigen Inhaltsstoffen zu säubern.

Doch all diese Verbesserungen können nur dann wirklich etwas verändern, wenn am Ende der Textilkette der bewusste Konsument das Prinzip Masse durch Klasse ersetzt. Unter unserem Kaufverhalten leiden Mensch und Umwelt – vorwiegend außerhalb Europas. Der bewusste Einkauf beginnt vor allem bei der Frage: Brauche ich das wirklich? Wer weniger kauft, kann auch mal mehr Geld für ein hochwertiges Stück ausgeben. Das hält dann länger und schenkt öfter Freude. Denn Langlebigkeit ist eines der ganz wichtigen Kriterien für ökologische Bekleidung.

 

Kleines Textil-Know-How

Wissenswertes über Fasern, Materialien und ihre Verarbeitung.

 

Lieblingsfaser Baumwolle
Baumwolle ist die meistgenutzte Naturfaser der Welt. Hauptlieferant ist China. Sie wird vorwiegend in Monokulturen mit großem Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden angebaut:
Pro T-Shirt bleiben 150 Gramm auf dem Feld zurück. Schlecht für die Umwelt ist auch der hohe Wasserverbrauch: 2.000 Liter werden für ein T-Shirt benötigt. Bio-Baumwolle braucht auch viel Wasser, aber es kommen keine Agrargifte und keine Gentechnik zum Einsatz (wie bei rund 20 Prozent der konventionellen Baumwolle). Der Anteil von Bio-Baumwolle am Weltmarkt liegt bei rund einem Prozent. Pflanzenfasern wie Leinen oder Hanf brauchen zwar weniger Wasser, haben aber nur geringe Bedeutung am Markt.

Plastikkleidung
Ohne Fasern aus dem Labor wie Polyacryl, Elastan, Polyester oder Polyamid wäre der globale Bedarf an Bekleidung nicht zu decken, ihr Anteil liegt bei rund 60 Prozent. Sie werden aus nicht nachwachsenden Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas und Kohle gewonnen, durch chemische Prozesse erzeugt und mit spezifischen Eigenschaften ausgestattet. Bei Kunstfasern gibt es noch viel Spielraum für eine umweltverträgliche Herstellung. Recycling spielt eine große Rolle: von der PET-Flasche zum Fleecepulli.

 

Natürlich, aber meist nicht ökologisch
Bei Fasern aus Tierhaaren und bei Schafwolle werden oft gesundheitsgefährdende Chemikalien eingesetzt, um sie z. B. waschmaschinenfest zumachen. Immer mehr Menschen lehnen tierische Produkte ab, weil bei konventioneller Erzeugung die Tiere nicht artgerecht gehalten oder tierquälerische Methoden angewandt werden. Materialien wie Viskose oder Modal sind im Prinzip Kunstfasern: Um die Fasern aus Zellulose (also Holz) zu gewinnen, kommt aber jede Menge Chemie zum Einsatz.