Das Greenpeace Magazin / März 2012

In Aktion

Aktuelle Aktionen im Überblick

Tiefsee: EU finanziert Über­fischung

Was sich in den europäischen Meeren in einer Tiefe zwischen 400 und 1.500 Metern abspielt, ist weder sicht- noch vorstellbar. Dort, wo die Natur eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt gezaubert hat, kennt die Gier der industriellen Fischerei keine Grenzen. Nachdem höhere Lagen bereits leergefangen sind, plündern die Flotten mittels zerstörerischer Grundschleppnetze. Der Raubbau geht auf ein Versagen der EU-Fischereipolitik zurück, die Tiefseefischerei seit Jahren mit Millionengeldern subventioniert und sich weigert, Fangquoten wissenschaftlichen Empfehlungen anzupassen (siehe auch Artikel "Keine Fische - Keine Zukunft"). Greenpeace kämpft gegen diese Praxis – entweder direkt auf hoher See oder im Hafen, wo die Öffentlichkeit unübersehbar informiert wird, wie viel EU-Steuergelder jedes einzelne dieser Schiffe bereits gekostet hat.

Atom: Kredit für Schrott- reaktoren im Nachbarland

Was zahlreiche Banken der slowakischen Atomindustrie seit Jahren aus gutem Grund verwehren, stellt für die Bank Austria kein Problem dar: die Finanzierung des gefährlichsten Kraftwerks Europas. Während das Bankinstitut in der Öffentlichkeit betont, kein Geld für AKWs zur Verfügung zu stellen, unterhält es in Wahrheit einen Betriebsmittelkredit mit dem Energiekonzern Slovenské elektrárne. Dessen wichtigstes Projekt ist der Ausbau des AKWs Mochovce um zwei weitere Reaktoren. Ende Dezember protestierten 25 Aktivisten direkt vor der Bank-Austria-Zentrale in Wien gegen das gewinnbringende Geschäft mit der grenznahen Gefahr.

Südpazifik: Illegaler Fischfang unter der Piratenflagge

Sie sind ein Weckruf an Produzenten, Händler und Verbraucher: die wiederkehrenden Bilder von  Fischtrawlern, die ohne jegliche Kennzeichnung in den Gebieten der Südsee unterwegs sind, tonnenschwer gefüllte Netze an Bord hieven und ihren Fang auf hoher See in ein anderes Schiff verladen. Greenpeace ist dieser Fisch-Piraterie seit Jahren auf der Spur und kämpft vehement gegen diese illegalen Methoden, mit denen bis zu 46 Prozent aller pazifischen Fische gefangen werden. Erst das Entdecken der Piratenschiffe, wie im November vor Indonesien, bringt die brutale Realität des Fischfangs an die Öffentlichkeit – sowie Hersteller und (Ver-)Käufer von Fischprodukten zum Umdenken.

Klimaschutz: Ein Windrad als Wegweiser

Von einer personifizierten Löwenkopf-Installation über ein riesiges Windspiel-Projekt bis hin zu einem vom Greenpeace errichteten Windrad am Strand von Durban: Die Aktionen rund um die UN-Klimakonferenz waren ebenso zahlreich wie vielfältig und riefen allesamt zu einem schnellen Handeln in Sachen Klimaschutz auf. Greenpeace stellte die Botschaft „Hört auf die Menschen, nicht auf die Verschmutzer“ in den Mittelpunkt seiner Proteste und forderte die Politik auf, sich dem Einfluss mächtiger Konzerne endlich zu entziehen.

Erdöl: Endlich hören die Bohrfirmen zu!

Wie bringt man Ölmultis dazu, aufmerksam zuzuhören, wenn Greenpeace etwas zu sagen hat? „Gewusst wie“ hieß die Devise von 20 Aktivisten, die die High Society des Öls – darunter Shell, BP und Statoil – Anfang Dezember erst einmal standesgemäß mit einem ölverschmierten roten Teppich begrüßten. Ungeachtet der Proteste gegen die Ausbeutung der Arktis begaben sich die Firmenvertreter in das Kopenhagener Nordatlantikhaus, um mit grönländischen Behörden über Bohrlizenzen zu beraten. Als Ministeriumsvertreter verkleidete Greenpeace-Aktivisten passten die Teilnehmer ab, lotsten sie wegen „kurzfristiger Raumänderungen infolge der störenden Protestaktion“ in ein anderes Stockwerk und präsentierten ihnen dort wirklich Wissenswertes: einen fachkundigen Vortrag über die Konsequenzen der Ölsuche in der Arktis. Die Konzernrepräsentanten lauschten vermutlich verwundert, aber sehr geduldig bis zum Ende – und können jetzt nie mehr behaupten, von den Gefahren der arktischen Ölbohrungen nichts gewusst zu haben!

Toxics: Giftmüll auf langer Reise

Was hat italienischer Müll in Südspanien zu suchen? Und warum ist er auch noch hochgiftig und illegal dorthin gelangt? Fragen, auf die Greenpeace Antworten sucht. Die Entsorgungsfirma Befesa ist dafür bekannt, immer wieder riesige Mengen italienischer Industrieabfälle auf einer Deponie in der andalusischen Provinz Huelva abzuladen. Dort gibt es durch den Abbau von Mineralvorkommen ohnehin schon erhebliche Umweltschäden. Italienische und spanische Greenpeace-Aktivisten machten gemeinsam gegen den „Illegalen Müll made in Italy“ mobil und protestierten mithilfe eines 400 m2 großen Banners.

Klima: Marktführer VW bei der Klima- zerstörung ganz vorn

Dass der größte Autohersteller Europas Klimaschutzgesetze bekämpft, ist für Greenpeace Anlass, seit letztem Jahr ein Licht auf die dunkle Seite des VW-Konzerns zu werfen. Die Kampagne fand zuletzt bei der Autoshow in Brüssel ihre Fortsetzung. Dort protestierten als Eisbären verkleidete Aktivisten gegen die Klimazerstörung durch Konzerninteressen. Anstatt seine Klimabilanz aktiv zu verbessern, reiht sich VW in das Lobbynetzwerk von Industrien ein, die mit der Verhinderung wirksamer Klimagesetze Milliarden verdienen. Die wahren Blockierer eines UN-Klimaschutzvertrags hat Greenpeace im Bericht „Who is holding us back?“ dargestellt (dt. Fassung).