Das Greenpeace Magazin / März 2013

Chips im Check

Chips glatt, geriffelt, lose oder gestapelt? Natur, mit Paprika oder Käse? Liebhaber von Chips-Produkten haben die Qual der Wahl – sollten dabei aber die Ökobilanz nicht außer Acht lassen.
Von Gundi Schachl

Der Online-Einkaufsratgeber von Greenpeace marktcheck.at hat sich die Chips-Produkte in den Regalen der Supermärkte genau angeschaut: Was steckt drin in den Knabbereien, die eigentlich nur aus fritierten Kartoffelscheiben bestehen sollten? Leider auch Palmöl, Geschmacksverstärker und Gentechnik – bereits beim ersten Chips-Test 2010 hat marktcheck.at ­einige Kritikpunkte bei dem beliebten Snack gefunden und auf die damit verbundenen Umweltprobleme aufmerksam gemacht. Das österreichische Unternehmen Kelly zeigte sich damals beim Einsatz von Palmöl gesprächsbereit und sicherte zu, bei Kelly's Chips nur mehr Sonnenblumenöl zu verwenden und auf Geschmacksverstärker (Glutamat) zu verzichten. Wie die aktuelle Chips-Untersuchung zeigt, konnte Kelly sein Versprechen fast erfüllen und greift nur bei einer Sorte auf Palmöl in Kleinstmengen zurück.

Doch trotz dieser Vorbildwirkung setzen immer noch viele Hersteller auf den Umweltsünder Palmöl – eindeutig deklariert wird das auf der Verpackung jedoch so gut wie nie. Enthält die Zutatenliste nur einen Begriff wie „pflanzliches Fett" oder „pflanzliches Öl", versteckt sich dahinter höchstwahrscheinlich Palmöl. In den letzten Jahren hat der Rohstoff weltweit einen Boom erlebt und findet sich in einer sehr großen Anzahl an verarbeiteten Lebensmitteln. Für die industrielle Produktion sind seine Vorteile äußerst profitabel: Palmöl ist leicht zu verarbeiten, in großen Mengen erhältlich und – leider zu – billig. Bei den Chips ohne spezielle Geschmacksrichtung hat der Konsument die größte Chance, palmölfrei zu snacken – immer mehr Hersteller verwenden für die Produkte im „Sackerl" Sonnenblumenöl und deklarieren dies auch stolz auf der Ver­packung.

Dass weniger oft mehr ist, zeichnet sich auch beim Chips-Check ab. Tendenziell gilt: je exotischer die Geschmacksrichtung, desto schlechter das Abschneiden. Bei einigen Produkten findet sich in der Zutatenliste auch Käse bzw. Molkepulver in größeren Mengen. Da es sich dabei um konventionell hergestellte Zutaten handelt, besteht der Verdacht, dass die Kühe mit Gentech-Soja gefüttert wurden. Fazit: Chips-Liebhaber sind gut beraten, bei den Klassikern nur mit Salz zu bleiben – hier konnten auch die Eigenmarken der Supermärkte ein „Gut" ergattern.

Web-Tipp

Die Liste dieser und weiterer getesteten Chips-Produkte mit umfangreichen Details gibt es online auf marktcheck.at. Hier sind auch die E-Nummern und ihre (Neben-)Wirkungen näher erläutert. Produkte mit tierischen Zutaten werden auch beim „Tierschutz" bewertet, was sich auf die Reihung der Produkte auswirkt.

www.marktcheck.at/chipscheck

marktcheck.at ist der Online-Einkaufsratgeber von Greenpeace und elf Partnerorganisationen. Auf der Plattform finden sich Tipps und Infos zu nachhaltigem Konsum sowie Anregungen, selber aktiv zu werden.

Kernstück der Seite ist eine Produkt-Datenbank mit mehr als 6.000 Lebensmitteln und Kosmetika, bewertet nach ökologischen, sozialen und Tierschutz-Kriterien.

Chips aus der Dose

Weit hinten im aktuellen Chips-Test landeten die sogenannten Stapelchips à la Pringles. Sie sind mit den Klassikern aus geschnittenen Kartoffeln nicht wirklich vergleichbar, denn sie werden aus einem Teig aus Kartoffelpüreepulver ausgestanzt und in Form gestochen. Stapelchips sind stark verarbeitete Produkte, was sich naturgemäß auch in der Länge der Zutatenliste niederschlägt. Hier kritisiert Greenpeace vor allem den Geschmacksverstärker E 621, der aus gesundheitlicher Sicht nicht empfehlenswert ist. Auch wegen der aufwändigen Verpackung wurden die Stapelchips abgewertet. Denn der Material­einsatz ist beachtlich: beschichteter Karton für die Rolle, Metall am Boden, oben eine beschichtete Folie und dann noch ein Plastikdeckel drauf.

Ebenfalls ein dickes Minus mussten manche Hersteller für die Transportbilanz ihrer Chips aus der Dose einstecken. Negativer Rekordhalter bei diesem Bewertungspunkt sind Mister-Potato-Stapelchips bei Penny und die Spar-Eigenmarke: Beide werden in Malaysia hergestellt. Auf der Packung der Spar-Potato-Crisps ist sogar noch extra angegeben: „Hergestellt aus deutschen Kartoffelflocken". Aber auch der Marktführer bei den Stapelchips schneidet hier schlecht ab: Die Pringles-Produkte werden aus Belgien in die heimischen Supermärkte transportiert.

Knabber-Fazit

Ein „Hervorragend" konnte keines der Produkte im Check erreichen. Wie schon bei der ersten Chips-Untersuchung 2010 kritisiert Greenpeace auch diesmal, dass es kein einziges Bio-Produkt aus Österreich gibt. Die zwei Bio-Chips im Check stammen aus der Schweiz und aus den Niederlanden. Generell schneiden Chips-Produkte in Dosen und Produkte, die auf exotische Geschmacksrichtungen setzen, schlechter ab. Wer sich also bei Chips & Co nicht zurückhalten kann, ist mit den klassischen Chips mit Salz und einem vergleichsweise kleinen „Transportrucksack" am besten beraten.

Chips Test

Stand: Jänner 2013

Die Bewertung der Produkte erfolgt nach dem Ampelschema: Die Bestnote „Grün!“ bedeutet hervorragend“, „Grün“ steht für „gut“, Orange heißt „kritisch“, und „Rot“ entspricht ungenügend“.