Das Greenpeace Magazin / März 2013

Der Tiger bekommt eine Chance

© WWF

Ein Riesenerfolg für unsere Waldkampagne: Einer der größten Urwaldzerstörer, das indonesische Unternehmen APP, will in Zukunft auf Rodungen neuer Waldflächen verzichten! Greenpeace wird die Einhaltung dieser Ankündigung überprüfen – und nimmt neue Palmölunternehmen in Kamerun ins Visier.
Von Jasmin Karer

Während der Sumatra-Tiger hoffentlich bald aufatmen kann, geht es dem Drill, einer Primatenart der Familie der Meerkatzenverwandten, im afrikanischen Kamerun an den Kragen. Dort werden riesige Ölpalmenplantagen errichtet. Doch der Drill ist endemisch und kann nicht so einfach flüchten, wenn große Agrarunternehmen mit ihren Bulldozern anrücken.

Zuerst aber die guten Nachrichten aus dem indonesischen Regenwald. Wir haben Sie bereits öfter über unsere Kampagne gegen Sinar Mas, den größten indonesischen Palmölhersteller, und APP (Asia Pulp & Paper), eines seiner Tochterunternehmen und ein Papier- und Zellstofffabrikant, informiert. Beide Unternehmen waren massiv in die illegale Urwaldrodung involviert. Doch bevor es für die letzten Urwaldriesen, den Sumatra-Tiger, den Orang-Utan und das Java-Nashorn ganz zu spät ist, hat APP eingelenkt. Anfang Februar verkündete APP, in Zukunft auf die Rodung neuer Urwaldflächen zu verzichten!

Greenpeace hat lange für diesen Schritt gekämpft. Im Laufe der Jahre haben dank unserer Kampagne hunderte Unternehmen weltweit ihre Lieferverträge mit APP gekündigt – darunter so große Konzerne wie Mattel, Nestlé, Unilever und Hasbro. Den ersten Schritt aus der Waldzerstörung hat GAR (Golden Agri Resources) unternommen, eine Sinar-Mas-Tochter, die im Februar 2011 auf unsere Kampagne reagiert und sich dazu verpflichtet hat, jede Form von Waldzerstörung aus ihrer weltumspannenden Betriebstätigkeit zu verbannen. Nun folgt APP – ein Riesenschritt, der einen Durchbruch für einen wirklichen Waldschutz bedeuten kann. Der Leiter der Greenpeace-Kampagne in Indonesien, Bustar Maitar, vergleicht das Einlenken von APP mit einem Süchtigen, der sich in einer Entzugsklinik einschreibt. Ein großer Erfolg – doch ob man sauber bleibt, zeigt sich erst mit der Zeit. Deshalb wird Greenpeace die Umsetzung der globalen Waldschutzpolitik von GAR und APP sehr kritisch verfolgen.

APP verzichtet auf die Rodung neuer Urwaldflächen. Greenpeace hat lange für diesen Schritt gekämpft.

 

Neuer Brennpunkt Afrika

Doch der Palmölrausch, der die lokale Bevölkerung und die lokale Tier- und Pflanzenwelt schwer in Mitleidenschaft zieht, hat neben Indonesien leider schon weitere Länder erfasst. Im afrikanischen Kamerun will Herakles, ein US-Unternehmen, Ölpalmen auf 730 Quadratkilometern – eine Fläche, fast doppelt so groß wie das Bundesland Wien – anbauen. Unweit der geplanten Plantage liegen der Korup-Nationalpark und weitere Naturreservate, in denen zum Beispiel auch die seltenen und sehr scheuen Drills leben. Zudem ist der Südwesten Kameruns, wo Herakles bereits mit gewinnbringenden Aussichten die ersten Ölpalmen gepflanzt hat, einer der 25 Bio­diversitäts-Hotspots der Erde. Hier leben neben den Drills zahlreiche bedrohte Arten wie Waldelefanten und Nigeria-Schim­pansen. Ihnen droht dasselbe Schicksal wie dem Sumatra-Tiger, dem Orang-Utan oder dem Java-Nashorn in Indonesien: Ihr ­Lebensraum wird durch massive Wald­rodungen zu klein für ihr Überleben. Wenn große Unternehmen mit ihren ­Maschinen anrücken, zerstören sie aber nicht nur die Lebensgrundlage der Tiere – auch die Bevölkerung vor Ort muss weichen und in neue Gebiete vorrücken. Das hat neue Konflikte und Zerstörungen zur Folge. Greenpeace fordert daher Unternehmen wie Herakles auf, ihre Sucht nach Palmöl und Profit schnell in den Griff zu bekommen und ihr umweltzerstörendes Handeln rasch zu verändern. Was APP zustande brachte, sollte auch Herakles möglich sein!