Das Greenpeace Magazin / März 2013

Grüne Steckdosen

© Simon Lim / Greenpeace

Die Energiewende kann nur geschafft werden, wenn die Endnutzer mehr Sensibilität für grünen Strom entwickeln. Angebote für günstigen Strom aus erneuerbaren Quellen gibt es mittlerweile genug – wann greifen die Konsumenten zu?
Von Marcelline Langer

Greenpeace Stromcheck Das Ergebnis und kompakte Infos

Ich wette, Sie können mir sagen, woher die Milch und das Gemüse kommen, das Sie im Supermarkt oder auf dem Markt kaufen. Bei manchen von Ihnen hängen wahrscheinlich auch ökologisch verträglich produzierte Textilien im Kleiderschrank. Bei anderen Produkten tappen die meisten bezüglich der Umweltverträglichkeit noch im Dunkeln. Ich wette – wieder –, nur die wenigsten wissen über die Zusammensetzung des Stroms, den sie beziehen, Bescheid. Der kommt einfach aus der Steckdose und hat auf den ersten Blick keine Farbe, kein Label, keine Ursprungsbezeichnung – und trotzdem ist Strom nicht gleich Strom! Festzustellen, welche Art von Strom Sie beziehen, ist ganz einfach: Werfen Sie mal einen Blick auf ihre letzte Stromrechnung. Diese weist die atomaren, fossilen oder erneuerbaren Quellen aus, von denen er stammt.

Auf den Mix kommt es an

Früher waren diese Informationen kaum zu finden, schon gar nicht auf der Stromrechnung. Dank des jahrelangen Engagements von Greenpeace besserte sich die Situation kontinuierlich. Vor kurzem sind wir einen wirklich großen Schritt weitergekommen: Künftig muss jede Kilowattstunde Strom, die den Verbrauchern verkauft wird, mit einem Ursprungsnachweis (Zertifikat) versehen werden. Das ist ein erster, wichtiger Schritt für mehr Transparenz, denn bis jetzt hatte Strom „kein Mascherl". Greenpeace konnte darüber hinaus erreichen, dass die österreichischen Energieversorgungsunternehmen (EVU) ab 2015 keinen Atomstrom mehr an ihre Kunden liefern und das mit Nachweisen garantieren. Österreich ist hiermit das erste Land, das nicht nur auf Atomkraftwerke verzichtet, sondern darüber hinaus den Import von Atomstrom stoppt. Das ist eine schlechte Nachricht für die AKW-Betreiber in unseren Nachbarstaaten – mit Österreich machen sie kein Geschäft mehr.

Wahr ist: Die Welt ein wenig verbessern geht ganz einfach!

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von neuen Stromanbietern, die Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien (z. B. Sonne und Biomasse) produzieren und verkaufen. Die neuen Energiequellen können die bestehenden CO2-intensiven thermischen Kraftwerke sukzessive ersetzen. Mit den Einnahmen aus den bestehenden Stromverträgen, also dem Bezahlen der Stromrechnung, können diese Anbieter in neue Photovoltaikanlagen, Windrad-Parks oder Biomasseanlagen investieren – und künftig noch mehr grünen Strom produzieren. Damit kommen wir einer Energiewende immer näher. Mehr Grünstrom und weniger fossile Energie bedeutet weniger CO2-Emissionen und damit einen geringeren Temperaturanstieg. Und der muss dringend gebremst werden, wenn wir so einmalige Gebiete wie die Arktis für die Zukunft sichern wollen.

Stromwechseln – ein Kinderspiel!

Nur 1,5 Prozent (!) der Österreicher wechseln pro Jahr ihren Stromanbieter – das macht Österreich damit europaweit zu einem Schlusslicht unter den Stromwechslern. Der Wechsel zum grünen Strom hat nochmal mit ein paar Vorurteilen zu kämpfen, die bei den Stromverbrauchern für Skepsis sorgen. So heißt es, dass Grün-strom teurer als der herkömmliche Atom- oder Kohlestrom-Mix wäre. Das ist falsch! Ein Blick auf den Tarifkalkulator der Energiebehörde E-Control zeigt, dass Grün-strom sehr wohl preislich mit anderen Stromprodukten konkurrieren kann. Ein weiteres Vorurteil lautet, Grünstrom sei nicht so „effizient" wie herkömmlicher Strom. Das ist ebenfalls falsch! Die Qualität des Stroms unterscheidet sich nicht. Behauptet wird auch, dass man für Ökostrom eigene Stromzähler und Kabel verlegen müsse: nochmal ganz falsch! Die bestehende Infrastruktur funktioniert selbstverständlich auch bei nachhaltig erzeugtem Strom. Besonders hartnäckig erweist sich das Gerücht, dass bei einem Stromwechsel die Gefahr bestehe, dass der Strom abgestellt würde. Und das ist ganz falsch. Die Energieversorger sind verpflichtet, jedem Haushalt eine durchgehende Stromversorgung zu gewährleisten – der Wechsel zu einem neuen Energieversorger geschieht ohne wahrnehmbare Veränderung für den Verbraucher. Der neue, ökologische Stromanbieter übernimmt alle Formalitäten. Wahr ist: Die Welt ein wenig verbessern geht ganz einfach – online, direkt beim Stromanbieter und neuerdings auch im Supermarkt! Hofer bietet gemeinsam mit der oekostrom AG einen speziellen Grünstromtarif österreichweit in seinen Filialen an. Zwar ist die Aktion aufgrund der immensen Nachfrage schon ausverkauft, doch es soll bald zu einer ­Folgeaktion kommen. Greenpeace unterstützt diese Aktion, und wir hoffen, dass weitere Einzelhandelsunternehmen diesem Beispiel nacheifern, um Stromwechseln noch einfacher zu gestalten.

Das Ergebnis des Greenpeace Stromchecks

Greenpeace-Stromcheck

Der aktuelle Stromcheck von Greenpeace bietet Wechselwilligen zusätzliche Informationen über den Strommix bestehender Produkte, bei dem die besten Anbieter für nachhaltigen Strom ausgewiesen wurden (siehe Grafik). AAE Naturstrom und die oekostrom AG sind unter den österreichischen Strom­liefer­anten für private Endverbraucher nach wie vor das Maß aller Dinge. Beide weisen einen einwandfreien Strommix auf, der sich zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie zusammen­setzt und dessen Ausbau aktiv fördert, sie arbeiten transparent und lassen ihre Finger vom Graustrom. So soll Strom sein!