Das Greenpeace Magazin / März 2013

Saubere Mode liegt im Trend

Mexikanische Models haben genug und fordern im Namen der Greenpeace-Kampagne saubere Kleidung ein.

Mexikanische Models haben genug und fordern im Namen der Greenpeace-Kampagne saubere Kleidung ein.

© Olga Laris

Fast zwei Jahre nach Beginn der Detox-Kampagne kann eine saubere Bilanz gezogen werden: Viele große Textilkonzerne wollen in Zukunft giftfrei produzieren. Der Umstieg der gesamten Modebranche ist nicht mehr weit.
Von Claudia Sprinz

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Der mexikanischen Kultur gilt Wasser als heilig, trotzdem sind mehr als 70 Prozent der Frischwasserreserven des mittelamerikanischen Landes verschmutzt. Ein großer Verursacher der miserablen Wasserqualität ist die ­Textilindustrie – mit mehr als 500.000 Beschäftigten die viertgrößte Branche des Landes. Lavamex und Kaltex sind zwei der größten Textilfabriken Mexikos und bedeutende Zulieferer von Konzernen wie beispielsweise Levi's. Greenpeace hat bei einer Untersuchung der Abwässer beider Fabriken eine Vielzahl problematischer Chemikalien nachgewiesen.

Vom Gesetz kann sich die auf sauberes ­Wasser angewiesene Bevölkerung allerdings keinen Schutz erwarten: Die mexikanische Textilindustrie ist nicht verpflichtet, die Öffentlichkeit über die Freisetzung gefährlicher Chemikalien zu informieren. „Wer Zugang zu diesen Informationen haben will, muss einen frustrierenden und komplizierten Behördenweg über sich ergehen lassen. In der Zwischenzeit sprudeln die Giftstoffe weiterhin Tag und Nacht aus den Abwasserrohren in die Flüsse", sagt Pierre Terras, Chemieexperte von Greenpeace in Mexiko. Von „unantastbaren Unternehmen" sprechen sogar schon Abgeordnete im mexikanischen Parlament, die eine Untersuchung über den San-Juan-Fluss vorgeschlagen hatten – erfolglos.

Mexiko ist ein typisches Beispiel für ein Schwellenland mit einer großen Textilindustrie und sehr viel niedrigeren Umweltstandards als in Europa. Aber Umweltverschmutzung kennt keine Grenzen: Die durch industrielle Abwässer in die Flüsse des globalen Südens freigesetzten Chemikalien sind langlebig und verteilen sich über den gesamten Erdball. Sie können sogar im Blut arktischer Tiere nachgewiesen werden. Greenpeace hat daher bereits 2011 die Detox-Kampagne gestartet (siehe auch act 03/2011), um auf die Freisetzung gefährlicher Chemikalien bei der Textilproduktion aufmerksam zu machen und die Modebranche zur Umstellung auf umwelt- und menschenverträgliche Substanzen zu motivieren.

Detox-Reports

Ergebnis der Greenpeace-Untersuchungen: viel Gift in Markenkleidung

Giftige Garne

Untersuchung von Damen-, Herren- und Kinder­textilien von 20 Modemarken (Armani, Benetton, Blazek, C&A, Calvin Klein, Diesel, Esprit, GAP, H&M, Jack Jones, Levi's, Mango, M&S, Metersbonwe, Only, Tommy Hilfiger, VANCL, Vero Moda, Victoria's Secret und Zara) in 29 Ländern. Ergebnis: Alle Modemarken haben Produkte mit nachweisbaren NPE-Konzentrationen verkauft, rund zwei Drittel der untersuchten Textilien enthielten die Chemikalie NPE (Nonylphenolethoxylate). Sie kann sich im Abwasser in giftiges, langlebiges und hormonell wirksames Nonylphenol umwandeln.


Toxic Thread: Under Wraps (Mexiko)

Im Abwasser von Lavamex fanden sich die Chemikalien NPE, TMDD, Benzotriazole, Tributylphospat (TBT) und Trichloranilin. Sie sind für Wasserorganismen giftig. In den Proben von Kaltex konnten TMDD, HMMM, Trichlorbenzol (TCB) sowie die Phthalate DEHP und DiBP nachgewiesen werden. Diese Substanzen sind giftig, die Phthalate fortpflanzungsschädigend.


Putting Pollution on Parade (China)

Greenpeace-Mitarbeiter haben in den Industriegebieten Binhai und Linjiang Abwasserproben genommen. Gefunden wurden: chlorierte Aniline (giftig für Wasserlebewesen und den menschlichen Organismus; einige Aniline sind krebserregend); Perfluoroktansäure (PFOA – hochgiftig und langlebig); TMDD; Nitrobenzol und Chlornitrobenzole (bei Tieren krebserregend, möglicherweise auch beim Menschen); N-Alkylaniline (für Wasserorganismen giftig); bromierte und chlorierte Aniline; bromierte und chlorierte Benzole.

In mehreren Berichten (siehe Kasten) wurde seitdem nachgewiesen, dass nicht nur bei der Produktion gefährliche Chemikalien freigesetzt werden, sondern auch die Textilien selbst kontaminiert sind – und bei der ersten Wäsche die heimischen Gewässer verunreinigen. Die Kampagne entfachte den nötigen Sturm der Entrüstung: Weltweite Proteste von zehntausenden Greenpeace-Aktivisten und Konsumenten zeigten Wirkung. 15 globale Modekonzerne – von Puma, Nike und Adidas über H&M, C&A und Marks & Spencer bis hin zu Zara, Mango, Esprit, Benetton Levi's, Uniqlo, Li Ning, Victoria's Secret und zu guter Letzt G-Star – werden schrittweise bis 2020 ihre Produktionskette von gefähr­lichen Chemikalien säubern. Ein riesiger Erfolg! Denn allein hinter dem bei uns eher unbekannten Label Uniqlo verbirgt sich eine der zehn erfolgreichsten Modemarken der Welt. Mit seinem Mutterkonzern Fast Retailing Group, der sich ebenfalls zur giftfreien Mode bekannt hat, werden Textilien in über 2.000 Geschäften weltweit sauber.

Greenpeace kämpft für eine Modeindustrie, die der Verunreinigung der globalen Wasserwege durch giftige Chemikalien ein Ende setzt. Immer mehr modebegeisterte Konsumenten gelangen zur Überzeugung, dass die Bekleidung, die wir tragen, nicht die Umwelt zerstören und die Gesundheit der Menschen in den Herstellerländern gefährden darf! Greenpeace wird weiterhin hart daran arbeiten, die gesamte Branche zu „entgiften" – und vielleicht gibt es schon diesen Modefrühling saubere Neuigkeiten vom Laufsteg.