Das Greenpeace Magazin / März 2013

Schwarmintelligenz

© Karin Dreher

Es gibt Kampagnen, die gewinnt man mit einer Unterschriften­petition. Für andere ist ein ganzes Feuer­werk an Maß­nahmen notwendig. In jedem Fall brauchen wir jeden einzelnen Unter­stützer – lassen Sie sich von uns mobilisieren!
Von Florian Bolka

Arktis Video-Projekt Gemeinsam großes bewegen!

Ein Stück Welt retten kann so einfach sein: Der Nationalpark Cabo Pulmo an der mexikanischen Westküste ist ein geschütztes Natur­paradies und UNESCO-Weltkulturerbe. Ein viel zu schönes Kleinod, um es hunderttausenden Besuchern jährlich vorzuenthalten, dachte sich die Tourismusindustrie. Es kam, wie es kommen musste: 2011 genehmigt die Regierung ein Urlaubsresort mit 27.000 Zimmern direkt neben dem Nationalpark. Aber es kam auch, wie es kommen soll: Um Cabo Pulmo zu erhalten, hat Greenpeace in Mexiko in nur drei Monaten 222.000 Unterschriften gesammelt und so dessen dauerhaften Schutz erreicht.

Was war geschehen? Dass nachhaltiger Schutz der Meere den Inter­essen der Allgemeinheit mehr entspricht als eine intensive Bewirtschaftung der Küste, von der nur wenige profitieren – so viel war auch vor dem Einlenken der verantwortlichen Politiker klar. Aber auch, dass die Interessen der Mehrheit sehr leicht ignoriert werden können, wenn sie nicht gebündelt zum Ausdruck kommen. Eine Unterschrift unter einer Petition mag Ihnen nicht viel vorkommen – gemeinsam mit zehn- oder hunderttausenden anderen in den Händen einer Organisation wie Greenpeace wird sie zum alles entscheidenden Druckmittel. Oder um es ganz plastisch auszudrücken: Aus vielen kleinen Fischen wird ein großer Hai.

Hinter diesem Prozess steckt viel Aufwand. Ein sehr wichtiger Teil unserer Arbeit bei Greenpeace dreht sich um die Mobilisierung von Ihnen und weltweit Millionen Menschen. Damit wir die Umwelt durch gezielte Kampagnen erfolgreich schützen können, bedarf es des Engagements von sehr vielen. Zwar kann nicht jede Unterschrift zu einem Kampagnensieg führen, aber es gibt kaum Kampagnensiege ohne die Unterstützung durch viele einzelne kleine Fische.

Das Schöne an Unterschriften ist: Sie funktionieren auch über Ländergrenzen hinweg. Im Sommer 2012 wurde der Plan Süd­koreas bekannt, wieder in den so­genannten „wissenschaftlichen" Walfang einzusteigen. Um das zu verhindern, legte Greenpeace den ­Fokus auf internationalen Druck. Und tatsächlich – nach Unterschriften von über 100.000 Menschen weltweit ließ Südkorea seine Walfang-Pläne fallen.

Von klassisch zu 2.0

Die digitale Vernetzung hat die Mobilisierung einfacher und komplizierter zugleich gemacht – denn heute sind viele Puzzleteile und ihr optimales Zusammenspiel notwendig. Ein Beispiel dafür ist unsere 2011 gestartete „How Big is Yours"-Kampagne in der Türkei gegen die Überfischung des Mittelmeers durch den Fang zu kleiner Fische. Die Menschen für das Thema Meeresschutz zu sensibilisieren und sie dann noch zu einer Aktion zu mobilisieren hört sich einfach an, bedarf aber ausgeklügelter Planung. In die Kampagne wurden Spiel-Mechanismen implementiert, um mit einem Augenzwinkern zuerst einmal Bewusstsein zu schaffen: Wie groß ist deiner? – gemeint war der Fisch am Teller, am Markt oder im Supermarktregal. Im Laufe der Kampagne war ein Teil der bereits mobi­lisierten Menschen bereit, den nächsten Schritt zu tun: Kontakt zu den verantwortlichen Politikern durch Faxe und Anrufe im türkischen Umweltministerium aufzunehmen. Und siehe da, persönliche Ansprache zahlt sich aus: Das Thema landete auf der politischen Agenda. Eine große Anzeige in einer populären türkischen Zeitung – finanziert von 1.500 Unterstützern – war eine weitere Mobilisierungsleistung und wurde kurz vor der entscheidenden Sitzung platziert. Das Ergebnis all dieser Anstrengungen, zehntausende Menschen zu unterschiedlichen, aufeinander abgestimmten Aktionen innerhalb einer Kampagne zu bewegen: Drei bedrohte Fischarten erhielten gesetzlichen Schutz!

Nicht jede Unterschrift kann zu einem Kampagnensieg führen, aber es gibt kaum Kampagnensiege ohne die Unterstützung vieler einzelner kleiner Fische.

Wenn es jetzt um die Rettung einer ganzen Region geht, sind die Maßstäbe noch größer und die Herausforderungen noch gewaltiger: Für den Schutz der Arktis vor Ausbeutung durch gierige Rohstoffkonzerne muss eine ganze Bewegung geschaffen werden. In weniger als einem Jahr hat Greenpeace es erreicht, dass weltweit über zwei Millionen Menschen unsere Arktis-Petition unterschrieben haben – das Fundament unserer Arbeit. Zehntausende haben durch Gespräche, Vorträge und in sozialen Netzwerken die Arktis zum öffentlichen Thema gemacht, Tausende haben uns mit kreativen Werken unterstützt und so andere sensibilisiert und viele Hunderte sich an unseren zahlreichen Aktionen beteiligt – und damit das Thema in die Medien gebracht. Jetzt gilt es, das Tempo zu halten und einen langen Atem zu haben – denn die Gegner der Arktis sind mächtig. Sie müssen den Druck all dieser Menschen lange und deutlich spüren, bis sie ihre gefährlichen Projekte zur Zerstörung der Arktis aufgeben.

Greenpeace in Österreich ist Teil dieser Bewegung, und anders als unsere Kollegen in den Arktis-Anrainerstaaten müssen wir einen anderen Mobilisierungsweg einschlagen. Uns beschäftigt die Frage: Wie mobilisiert man breitenwirksam weit abseits der Arktis für ihren Schutz? Wie kann man in Österreich einen Beitrag für die internationale Kampagne leisten? Indem man Entschlossenheit und Willen zeigt und damit wieder international Menschen inspiriert!

Österreich für die Arktis

Im Februar haben wir unser Mobilisierungsprojekt „We are Fish" gestartet, das unserer Bewegung ein Gesicht gibt. Neugierig? Wir haben uns gefragt, wie viele der rund 100.000 österreichischen act-Empfänger mobilisierbar sind, um dieses Projekt zu realisieren: Helfen Sie mit!

Ob Unterschriften, Anrufe, Abstimmungen, finanzielle Unterstützung, kreative Taten, aktionistischer Einsatz oder alles zusammen – es gibt für jeden Möglichkeiten, sich einzubringen. Wichtig ist, dass wir es tun – und manchmal auch langfristig dabeibleiben. Auch wenn Sie beim Telefonieren, beim E-Mailen, beim Faxen und/oder beim Unterschreiben unmittelbar auf sich gestellt sind – es gibt eine große Zahl an Menschen, die hinter Ihnen steht und bereit ist, mithilfe einer Organisation wie Greenpeace einen großen Haifisch zu formen!