Das Greenpeace Magazin / Juni 2012

Der Wahrheit auf der Spur

Rodung in Indonesien

Rodung in Indonesien

Im indonesischen Regenwald werden die letzten Raminbäume gerodet. Die Hauptrolle bei der illegalen Urwaldzerstörung spielt das Unternehmen APP. Greenpeace führt seit Jahren eine Kampagne gegen den Konzern. Von Dedy Saputra

Aktiv werden gegen illegale Abholzung!

einen echten Namen kann ich Ihnen nicht verraten. Ich arbeite als Waldkampaigner für Greenpeace in Indonesien. Unser Büro ist in der Vergangenheit bereits Zielscheibe von Drohungen geworden. Ich kann Ihnen daher nur meinen Deck­namen nennen – Dedy Saputra. Gemeinsam mit meinem Team habe ich jahrelang Recherchen im Terri­torium der letzten Sumatra-Tiger durchgeführt – das Ergebnis ist schockierend. Weil Sie unsere Arbeit unterstützen, möchte ich Ihnen an dieser Stelle berichten, was sich in einem der letzten Urwälder unserer Erde tatsächlich abspielt.

APP (Asia Pulp & Paper), einer der größten Zellstoff- und Papiererzeuger der Welt, rodet eine bedrohte und geschützte Baumart. Sie heißt Ramin und wächst im selben Urwald, in dem die letzten Sumatra-­Tiger ihr Zuhause haben. Sumatra ist einer der wenigen Orte, wo man diese Tiger überhaupt noch in freier Wildbahn finden kann. Mittlerweile gibt es nur mehr 400. Ihr einzigartiger Lebensraum wird in rasendem Tempo zerstört – fast genauso schnell wachsen dort jedoch die Zellstofffabriken von APP.

Ramin ist eigentlich durch CITES geschützt. Das UN-Artenschutz­übereinkommen regelt den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Trotzdem werden die letzten Raminbäume für APP gefällt. Oft für Wegwerfprodukte wie Kopierpapier oder Verpackungs­material, das von APP-Abnehmern weiterverkauft wird – an Sie und mich. Es macht mich traurig und wütend zugleich, wenn ich daran denke, dass einzigartige Wildnis in Form von Wegwerfprodukten in unserem Mülleimer landet!

Während meiner Recherchen habe ich sehr viele verschiedene Gefühlszustände durchlebt – und sehr oft habe ich Schmerz empfunden. Es tut wirklich weh, wenn man sieht, wie saftige Bäume, üppige Vegetation und Urwaldgeräusche in totes Ödland verwandelt werden. Die Stille in einem zerstörten Urwald ist furchteinflößend. Es ist unerträglich heiß, kahl und dürr.

Ungehörte Proteste

Die lokale Bevölkerung hat in dieser Zerstörung keine Zukunft. Eine Million Menschen nennen die Urwälder von Sumatra ihr Zuhause. Sobald die Holzfäller in das Gebiet vordringen, wird der Torfboden entwässert, die Lebensgrundlage der Familien zerstört und das Wasser kontaminiert. Die Proteste der lokalen Bevölkerung bleiben ungehört.

Doch zurück zu unseren Recherchen, von denen ich Ihnen noch etwas mehr erzählen möchte. Vor über einem Jahr haben wir begonnen, Beweise zu sammeln. Wenn wir erwischt werden, können diese Beweise mich und die Menschen, die uns bei dieser Arbeit unterstützen, in sehr große Gefahr bringen. Trotzdem sind wir vor Ort, denn nur so können wir die Machenschaften von APP aufdecken. Wir wollen erreichen, dass APP endlich einlenkt und der Regenwald auf Sumatra eine letzte Chance bekommt.

Spurensuche

Ramin gelangt unentdeckt in die Handelskette. Fast alle dieser Ur­wald­riesen werden gefällt, zu einem APP-Werk gebracht und mit anderen Bäumen vermischt. So verliert sich die Spur von Ramin. Wir haben etliche Male Proben aus einer Zellstofffabrik von APP geholt und analysieren lassen. 46 Mal wurde Ramin nachgewiesen. Außerdem konnten wir dokumentieren, dass Raminbaumstämme im APP-Werk gelagert werden.

Doch wie kommen die Produkte aus Urwaldzerstörung dann zu uns? Hier wird es wirklich heikel. Zellstoff und Papier werden von Sumatra aus zu anderen APP-Fabriken quer durch Indonesien und China transportiert, bevor man das endgültige Produkt in unseren Regalen findet. Dieser Lieferkette auf der Spur zu bleiben ist eine mühsame und gefährliche Arbeit. 

Ich kann keine Details dieser Recherche schildern, das sind höchst sensible Informationen. Was ich allerdings schon erzählen kann, ist, dass Greenpeace Produkte von zwölf Firmen in acht Ländern gesammelt hat und auf Spuren von Tropenholz getestet hat. Leider erfolgreich.

Tropenholzfasern wurden zum Beispiel in Xerox-Kopierpapier aus den USA gefunden, das in Griechenland gekauft wurde. Oder in der Verpackung von Danone-Babynahrung, erstanden im Carrefour in Indonesien. Ebenso fand man Spuren im „National Geographic“, das in den USA über amazon.com gekauft wurde. Die Liste lässt sich fortsetzen.

Waldschutz jetzt!

Anfang März 2012 haben wir unsere Beweise veröffentlicht. Greenpeace ist fest entschlossen, mit der Unterstützung vieler Menschen wie Ihnen Druck auf die indonesische Regierung, APP und seine Kunden auszuüben. Der Konzern muss die Abholzung stoppen und auf ein nachhaltiges Waldmanagement umsteigen. Wir fordern einen Stopp der illegalen Abholzung in Sumatras Regenwäldern!

Greenpeace kann im Kampf für die letzten Urwälder bereits große Erfolge verzeichnen. Nestlé, Kmart, Mattel und Hasbro haben ihre Verträge mit APP bereits gekündigt. Doch wir sind noch nicht am Ziel. Um APP zu bewegen, brauchen wir noch weitere Unternehmen, die einen Schlussstrich unter ihre Zusammenarbeit mit APP ziehen. Der Wald hat keine Stimme – wir jedoch schon.

Danke nochmals für Ihre bisherige Unterstützung. Ohne diese Hilfe hätten wir unsere Arbeit, unsere Recherchen nicht finanzieren können. Sie helfen uns und stehen hinter uns – das ist für uns ein wichtiges und motivierendes Gefühl. Wenn wir weiterhin zusammenarbeiten, können wir diesen Urwald noch retten.  

Das können Sie tun:

Fordern Sie internationale Unternehmen auf, ihre Verträge mit APP zu kündigen - bis das Unternehmen die illegale Urwldabholzung stoppt!

 

Verfolgen Sie unsere internationale Wald-Kampagne zum Schutz der letzten Regenwälder der Erde.

Achten Sie beim Einkauf darauf, dass keine Produkte mit Palmöl im Einkaufswagerl landen! Das urwaldzerstörende Palmöl versteckt sich oft hiner Bezeichnungen wie "pflanzliches Fett" oder "pflanzliches Öl".