Das Greenpeace Magazin / Juni 2012

Schokoeis im Realitycheck

marktcheck.at hat 18 Schokoeis-Produkte unter die Lupe genommen. Beurteilt wurden dabei nicht nur die Informationen auf der Verpackung. Denn was nicht auf den Produkten steht, ist mindestens genauso aussagekräftig. Von Gundi Schachl

Schokoeis Realitycheck auf Marktcheck.at

Eingekauft wurden die Produkte bei den großen Supermarktketten Spar, Billa & Co. und in Biosupermärkten in Wien. Um die Auswahl überschaubar zu halten, waren das Ziel ­Familienpackungen – soweit vorhanden, die Sorte Milchschokolade. Bekannte Marken dürfen natürlich im Check nicht fehlen, und so wurde bei manchen auch auf einen Sortenmix bzw. eine kleinere Verpackung ausgewichen. Die Bewertung der Produkte erfolgt nach Ampelschema: Die Bestnote „Grün!“ bedeutet „hervorragend“, Grün steht für „gut“, Orange heißt „kritisch“, und Rot entspricht „ungenügend“.

Ökologische Bewertung

Wer Schokoeis selber kreieren möchte, braucht laut herkömmlichen Rezepten als Zutaten Milch oder Schlagobers, Zucker, Schokolade und Ei. Bei der industriellen Produktion kommt noch so manches Helferlein dazu, die sogenannten Lebensmittelzusatzstoffe, die oft als E-Nummern angegeben sind. Zumindest eine
E-Nummer findet sich in allen Produkten; das Spar Premium Eis braucht gleich sieben davon. So viel vorweg: Die meisten Produkte wurden bei den Inhaltsstoffen als „kritisch“ bewertet. Dies auch deshalb, weil der Verdacht besteht, dass sich hinter der Zutat „pflanzliches Öl“ Palmöl verbirgt, bei dessen Herstellung der indonesische Urwald abgeholzt wird.

Zusätzlich spielt die Gentechnik in der Kategorie „ökologische Bewertung“ eine Schlüsselrolle. Der Einsatz von gentechnisch veränderten Zutaten kann ausgeschlossen werden, denn diese müssen laut EU-Recht auf der Verpackung angegeben sein. Anders ist die Situation bei Futtermitteln: Enthält ein Produkt tierische Inhaltsstoffe, ist bei der Fütterung der Tiere wahrscheinlich Gentech-Soja zum Einsatz gekommen. Denn das ist in der EU zu 80 Prozent der Fall und muss aber am Produkt – also hier am Schokoeis – nicht deklariert werden. Auszuschließen ist der Einsatz von Gentechnik bei den sechs Bioprodukten und natürlich beim rein pflanzlichen Eis.

Bewertungsrelevant ist auch der Transportweg des Produktes ins Regal, also sowohl das Herstellungsland als auch die Herkunft der wichtigsten Zutaten. Bei der Verpackung sind Becher aus Papier den Kunststoffbehältern vorzuziehen. Letztere sind immer öfter in der Eistruhe zu finden.

Tierschutz

Ein wesentlicher Aspekt bei unserer Nahrungsmittelversorgung ist das Wohl und Weh der Tiere. Die Massentierhaltung im Rahmen der industriellen Lebensmittelproduktion wird den Bedürfnissen der Tiere nicht gerecht und produziert vielfaches Leid. Bioprodukte haben auch hier höhere und kontrollierte Standards in der Tierhaltung und sind demzufolge auch beim Tierschutz mit „gut“ bewertet worden. Industrielle Produkte fallen bei den Tierschutz­aspekten ganz klar durch.

Soziale Aspekte

Am Beginn der süßen Verführung steht die Kakaobohne. Hier kommen der Mensch und seine Arbeitsbedingungen ins Spiel. Produziert wird vorwiegend in Westafrika – 70 Prozent der weltweit angebauten Bohnen werden in Ghana, Nigeria und Kamerun von Kleinbauern und ihren Familien bearbeitet. Der Rest kommt aus Asien und Mittelamerika. Katastrophal ist die Situation in der Elfenbeinküste. Hier ist der Einsatz von Kindersklaven vielfach dokumentiert. Beim Schokoeis ist nur in zwei Produkten fair gehandelte Schokolade drinnen: Ben & Jerry’s und die Spar Premium Edition. Alle anderen mussten bei den sozialen Aspekten mit „ungenügend“ bewertet werden. Eine Erkenntnis, die leider nicht neu ist: Auch „Bio“ steht nicht für faire Produktion. Die sechs Bioprodukte haben im Bereich faire Produktion nichts vorzuweisen.

Eisiges Fazit

Kein einziges Produkt erzielt bei allen drei Kriterien Ökologie, Tierschutz und soziale Aspekte Grün, also „gut“. Speziell bei der Fairness in der Herstellung haben bis auf zwei alle Verbesserungs­bedarf. Die sechs Bioprodukte konnten sich aber aufgrund ihrer guten Bewertung bei Ökologie und Tierschutz die vorderen Plätze sichern. Und wieder einmal hat sich bestätigt, dass der Preis wenig über den Wert eines Produktes aussagt. Auch hochpreisige konventionelle Produkte liegen beim marktcheck.at-Test abgeschlagen im hinteren Teil.

Schokoeis im Marktcheck