Das Greenpeace Magazin / August 2012

Importiertes Gift in heimischen Gewässern

© Greenpeace / Teresa Novotny

Österreichische Konsumenten geben pro Jahr Millionen Euro für Mode aus. Doch die oft in asiatischen Billiglohnländern gefertigten Textilien sind hochgradig mit Giften belastet – die mit der ersten Wäsche in heimischen Gewässern landen. Von Claudia Sprinz

Webtipp: Detox

Bei uns ist es selbstverständlich, den Wasserhahn aufzudrehen. Jeder Österreicher braucht rund 135 Liter Wasser pro Tag, wobei nur die Hälfte davon in Trinkwasserqualität benötigt würde. Denn für Pflanzenbewässerung, WC-Spülung, die Waschmaschine oder Putz- und Reinigungswasser würde auch Regenwasser ausreichen. Auch wenn zwei Drittel der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, beträgt der Anteil des Süßwassers nur 3,5 Prozent. Davon sind wiederum zwei ­Drittel in gebundener Form (Gletschereis, Pole, Dauerfrostböden) gespeichert. Nur 0,3 Prozent des Wasservorkommens ist überhaupt als Trinkwasser nutzbar.

Wasser ist also kostbar. Folgerichtig ist das Verschmutzen der Gewässer in Österreich eine strafbare Handlung. Doch nicht überall wird mit den Wasserressourcen so sorgsam umgegangen. Vor allem in Schwellenländern werden sauberes Wasser und eine intakte Umwelt nur zu leichtfertig gegen ein wachsendes BIP eingetauscht und die Lösung der dabei entstehenden sozialen und ökologischen Probleme auf später verschoben. Der Bericht „Hidden Consequences“ (Unsichtbare Folgen), den Greenpeace letztes Jahr veröffentlicht hat, zeigt konkret auf, wie die Textilindustrie chinesische Flüsse zu Kloaken macht und welchen Gefahren die Menschen dort ausgesetzt sind.

Bei uns ist man der Überzeugung, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben – vergisst aber auf die importierte Umweltverschmutzung. Importierte Textilien sind mit Chemikalien verunreinigt, die giftig, langlebig, hormonell wirksam sind, sich in der Nahrungskette anreichern und auch von heimischen Kläranlagen nicht vollständig herausgefiltert werden können. Weltweit geben Konsumenten Milliarden Euro für ständig neue Mode aus, ohne zu wissen und zu bedenken, dass sie beim Waschen dieser Kleidungsstücke giftige Stoffe ins Abwasser freisetzen.

Schmutzige Wäsche

Eine Studie von Greenpeace hat sich speziell mit diesem Aspekt auseinandergesetzt. Textilien aus elf Ländern wurden für den Report „Schmutzige Wäsche – Gefährliche Chemie aus der Waschtrommel“ untersucht. Die Kleidungsstücke von Marken wie Abercrombie & Fitch, Ralph Lauren, Calvin Klein und anderen wurden in einer standardisierten Haushaltswäsche bei 40 Grad gewaschen. Dabei wurde festgestellt, dass bis zu 94 Prozent der Chemikalie Nonylphenolethoxylate (NPE) beim ersten Waschen freigesetzt werden. Gelangt dieser Stoff ins Abwasser, entsteht das Umweltgift Nonylphenol (NP). In der EU ist die Verwendung dieser Substanz verboten oder zumindest stark eingeschränkt. In den Produktionsländern der getesteten Textilien ist der Einsatz von NPE hingegen nicht geregelt.

Gemäß dem deutschen Umweltbundesamt sind Import-Textilien in Deutschland die größte Quelle für NPE und NP in den heimischen Gewässern. Dies ist auch auf Österreich übertragbar. Rund 138.000 Tonnen Textilien aus dem Ausland landen jedes Jahr bei uns. Bis jetzt hat Brüssel aber keine Regelungen für die Einfuhr von NPE-haltigen Textilien festgesetzt. Einige Modemarken wie H&M, Adidas, Puma und Nike haben betriebseigene Regelungen und die Rückstandsmenge auf 100 Milligramm pro Kilogramm begrenzt. Das ist ein Schritt, reicht aber nicht aus.

Greenpeace geht davon aus, dass deutlich mehr als 13,8 Tonnen NPE pro Jahr in österreichische Gewässer geleitet werden – durch importierte, vergiftete Kleidung, deren Herstellung schon in den Produktionsländern schwere Umweltschäden verursacht hat.

Mit der Detox-Kampagne setzt sich Greenpeace für eine Textilproduktion ganz ohne gefährliche Chemikalien ein. Mit Erfolg – Nike, Adidas, Puma, Li Ning, H&M und C&A haben bereits zugesagt, gefährliche Chemikalien bis 2020 aus ihrer Produktion zu verbannen. Ungefährliche Alternativen sind hingegen schon lange auf dem Markt. Der Konsument hat wie immer die Wahl.