Das Greenpeace Magazin / August 2012

In Aktion

Aktuelle Aktionen im Überblick

Brasilien: „Rainbow Warrior III“ unterwegs im Amazonas

Die erste lange Reise der „Rainbow Warrior III“ führte das neue Greenpeace-Flaggschiff durch den Amazonas. Die Aktivisten an Bord dokumentierten den Zustand des Regenwaldes und seine Zerstörung – für die Rinderzucht, Soja- und Palmölplantagen und die Gewinnung von Holzkohle. Diese wird für die Produktion von Roheisen benötigt, das zu Stahl verarbeitet und an internationale Autokonzerne geliefert wird. Um ein deutliches Zeichen gegen diese urwaldzerstörende Praxis zu setzen, blockierten Aktivisten zehn Tage lang die Ankerkette des Roheisen-Frachters „Clipper Hope“. Zurück an Bord, nahm die „Rainbow Warrior III“ Kurs auf Rio de Janeiro, um pünktlich zu Beginn des Umweltgipfels Rio +20 im Hafen der brasilianischen Metropole einzulaufen. Dort wurden alle Erwartungen der Umweltschützer enttäuscht: Ob Meere, Wälder oder Klima – es ist den teilnehmenden Ländern nicht gelungen, wichtige Entscheidungen zur Rettung des Planeten zu treffen. Das Ergebnis ist für Greenpeace ein Auftrag, den Druck auf Politik und Industrie weiter zu verschärfen, um notwendige Lösungen durchzusetzen. 

Indonesien: Urwald­zerstörung für Junk Food

Bereits seit vielen Jahren hat Greenpeace Asiens größten Papierhersteller Asia Pulp and Paper (APP) im Visier und kämpft gegen dessen illegale Schlägerungen im indonesischen Regenwald. Nachdem bereits viele global agierende Großkonzerne zur Beendigung ihrer Geschäftsbeziehungen mit APP bewegt werden konnten, sind nun die größten Fast-Food-Ketten in den Mittelpunkt der Kampagne gerückt. Allen voran das Unternehmen Kentucky Fried Chicken (KFC), das nachweislich Hühnerteile, Pommes frites und Softdrinks in Wegwerfpackungen aus Regenwaldholz steckt – jeden Tag in 15.000 Restaurants in 105 Ländern weltweit! Aktivisten machten international Druck, statteten KFC von Thailand über Spanien bis nach Kanada Besuche in dessen Filialen ab und protestierten auf einer gerodeten Urwaldfläche in Indonesien gegen die Zerstörung.

Erdöl: Weltweiter Kampf für die Rettung der Arktis

Ob Weißes Haus, Eiffelturm oder Riesenrad: Weltweit folgten am 21. Juni – dem längsten Tag des Jahres – Greenpeace-Eisbären der aufgehenden Sonne, fanden sich an berühmten Plätzen ein und bildeten den Auftakt unserer großen Arktis-Kampagne (ab Seite 6). Mitte Juli gab es bereits den ersten Höhepunkt: Regenbogenkämpfer nahmen die Zentrale des Ölmultis Shell in Den Haag ein, blockierten regionale Büros in Frankreich und Mexiko, erkletterten eine Raffinerie in Argentinien und protestierten an Tankstellen in halb Europa. In 19 Ländern gab es innerhalb weniger Tage Greenpeace-Aktionen für die Arktis und gegen Shell. In Österreich symbolisierte eine Eisskulptur am Karlsplatz in Wien das Abschmelzen des arktischen Eises. Auch in der virtuellen Welt waren Aktivisten unterwegs: Auf www.savethearctic.org haben in vier Wochen über eine Million Menschen die Arktis-Petition unterzeichnet, während tausende kreative Köpfe auf www.arcticready.com satirische Shell-Werbungen kreierten. Shell geht unterdessen juristisch gegen Greenpeace vor und möchte mit einstweiligen Verfügungen weitere Proteste verhindern. Das wird uns nicht aufhalten – der Kampf ist noch lange nicht zu Ende!

Philippinen: Kein Geld für Energie aus dreckiger Kohle

Fast hätte das bunte Treiben vor der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) in Manila darüber hinwegtäuschen können, worum es den zwölf „Kohle-Geistern“ tatsächlich ging: Begleitet von Trommelschlägen, forderten die Greenpeace-Aktivisten von der Bank und dem staatlichen Energieminis­terium die Abkehr von Projekten mit dem Heizstoff Kohle sowie die vollständige Implementierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Darüber hinaus soll das Kreditinstitut seiner Rolle endlich gerecht werden und Investitionen seiner Mitgliedsländer in alternative Energiekonzepte sicherstellen. Die Aktion fand während des „Saubere-Energie-Treffens“ statt, das zum siebten Mal in der philippinischen Hauptstadt ausgetragen wurde.

Auszeit für Fisch­bestände der Süd­halb­kugel

Kaum auszudenken, was aus den Traumstränden und dem Unterwasserparadies des mexikanischen Nationalparks Cabo Pulmo geworden wäre, wenn das dort geplante Urlaubsresort mit mehr als 27.000 Zimmern, Golfplätzen und eigenem Yachthafen Realität geworden wäre. Dank des beharrlichen Kampfes von Greenpeace kam nach 220.000 gesammelten Unterschriften im Juni das Aus für das Riesenprojekt! Aufatmen können Meeresschützer auch im Südpazifik: Dort unterliegt die Fischerei einer neuen Konvention, die bedrohten Beständen eine Chance auf Erholung gibt. Greenpeace hat jahrelang für diese Regulierungen gekämpft. Und auch im Senegal wurden Schritte für den Meeresschutz gesetzt und die Lizenzen für Industrie­trawler für mindestens sechs Monate ausgesetzt. Diese Maßnahme ist ein sehr wichtiger Erfolg für die laufende Greenpeace-Kampagne, die den Raubbau in westafrikanischen Gewässern beenden und der lokalen Bevölkerung die Existenz sichern soll.

Lebendes Banner für die Rettung der Wälder

Man nehme: 600 Greenpeace-Aktivisten, kleide sie braun und grün ein, lasse sie auf einer großen Wiese einen Stamm und eine Krone formen und platziere dazu eine klare Forderung – fertig ist das Menschenbanner für mehr Waldschutz in Deutschland. Das rote Herz in der Mitte der Baumkrone stand dabei für zehn Prozent der öffentlichen Waldfläche, die laut Bundesregierung bis zum Jahr 2020 geschützt werden sollen. Nach aktuellen Berechnungen von Greenpeace sind aber fast alle Bundesländer von diesem Ziel noch weit entfernt. Für sie besteht also deutlicher Handlungsbedarf, um den internationalen Verpflichtungen zum Klima- und Artenschutz nachzukommen. Greenpeace kampagnisiert bereits seit vielen Monaten für den Erhalt alter Buchen­bestände, die in Deutschland ihr Hauptverbreitungsgebiet haben.