Das Greenpeace Magazin / August 2012

Wertvolle Wärme

Heizen - Stellenwert und Assoziationen

Heizen - Stellenwert und Assoziationen

Heizen ist in unseren Breitengraden notwendig, aber nicht gerade eine umweltschonende Angelegenheit. Welches Heizsystem hat welchen Vorteil, und welchen Beitrag zum Ressourcensparen kann jeder selber leisten? Fragen, die einer genaueren Betrachtung wert sind. Von Lukas Maul

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Das Gefühl von Wärme und Geborgenheit ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens – und so ist es auch das Heizen. Keiner lebt gerne in einem Raum, der im Winter die Temperaturen eines Kühlschranks annimmt, deshalb wird munter und meist ganz selbstverständlich eingeheizt. Für ­viele ist die Heizung eine Grauzone, ein technisches Element im Haushalt, auf das scheinbar nicht viel Einfluss genommen werden kann – nur funktionieren soll sie!

Österreich wird gerne als Musterland für energieeffiziente Gebäude genannt, da wir weltweit die größte Dichte an Passivhäusern zu verzeichnen haben. Erfreulich ist auch, dass der Energieeinsatz zum Heizen sinkt. 2010 wurde hierzulande beispielsweise rund fünf Prozent weniger Energie für Raumwärme verbraucht als noch 2003. Dass jedoch der Großteil der Bevölkerung noch immer in ineffizienten Gebäuden lebt, knapp 47 Prozent mit Öl oder Gas ­heizen und der Sektor Raumwärme mit 11,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten der viertgrößte Treibhausgasemittent ist, wird dagegen nicht gerne erwähnt.

Der häusliche Energieverbrauch ist eine große Umweltbelastung, und wir alle müssen handeln und Ressourcen einsparen. Dabei ist der Spielraum je nach der persönlichen Lebenssituation größer oder kleiner. Lebt man in einer Mietwohnung, so ist der Energieträger, mit dem geheizt wird, meist vorbestimmt. Wenn kein Fern- bzw. Nahwärmeanschluss oder eine Zentralheizung vorhanden ist, kommt meist die Gasetagenheizung zum Einsatz. Daran ist für den Mieter oft schwer etwas zu ändern, aber jeder kann am eigenen Nutzerverhalten arbeiten.

Heizsysteme auf einen Blick

Stückholzkessel

Stückholzkessel

Ein Stückholzkessel verwendet Holz in seiner Reinform. Die Holzscheite werden thermisch verwertet und Energie für Heizung und Warmwasser bereitgestellt.

Anwendung: Einfamilienhaus bis Wohnhaus als Zentralheizung.

Hinweis: Beim Brennstoff auf Regionalität und kurze Transportwege achten (<100 km), um CO2-Neutralität sicherstellen zu können.

Quelle / Brennstoff Holz
Nachhaltigkeit sehr gut
Einsatzgebiet  
Heizung ja
Warmwasser ja
Stromerzeugung nein
Eignung  
sanierter Altbau* sehr gut
Neubau* sehr gut
Pelletskessel

Pelletskessel

Ähnlich wie ein Stückholzkessel verwendet dieses System Holz als Rohstoff, jedoch kommen hier gepresste Säge- und Hobelreste zum Einsatz.

Anwendung: im Ein-/Mehrfamilienhaus als Zentralheizung, in der Wohnung als Pelletskamin.

Hinweis: Beim Brennstoff auf Regionalität und kurze Transportwege achten (<100 km), um CO2-Neutralität sicherstellen zu können.

Quelle / Brennstoff Pellets
Nachhaltigkeit sehr gut
Einsatzgebiet  
Heizung ja
Warmwasser ja
Stromerzeugung nein
Eignung  
sanierter Altbau* sehr gut
Neubau* sehr gut
Fern-/Nahwärme

Fern-/Nahwärme

Großkraftwerke, die zur Wärme- bzw. Stromgewinnung eingesetzt werden, geben überschüssige Wärmeenergie an ein Heißwassernetz ab. Diese Energie wird dann im Haushalt für Heizung und Warmwasser genützt.

Vorteil: geringer Platzbedarf im Wohnhaus, hoher Wirkungsgrad der Großkraftwerke.

Nachteil: Heizenergie nicht nur aus nachhaltigen Quellen, Infrastruktur für einen Anschluss muss vorhanden sein.

Quelle / Brennstoff Diverse
Nachhaltigkeit befriedigend
Einsatzgebiet  
Heizung ja
Warmwasser ja
Stromerzeugung ja
Eignung  
sanierter Altbau* sehr gut
Neubau* sehr gut
Solarthermie

Solarthermie

Durch die Einstrahlung der Sonne wird in Solarkollektoren Wasser erhitzt, und die gewonnene Wärmeenergie wird an einen Pufferspeicher abgegeben

Anwendung: vom Einfamilienhaus bis zum Wohnhaus zur Warmwassergewinnung bzw. Heizungsunterstützung.

Vorteil: Die Sonne stellt keine Rechnung.

Nachteil: geeignete Fläche muss vorhanden sein.

Quelle / Brennstoff Sonne
Nachhaltigkeit sehr gut
Einsatzgebiet  
Heizung ja
Warmwasser ja
Stromerzeugung nein
Eignung  
sanierter Altbau* sehr gut
Neubau* sehr gut
Sole-Wärmepumpe

Sole-Wärmepumpe

Wärme aus dem Erdreich wird an ein Sekundärmedium (z. B. Propan) abgegeben, dieses wird verdichtet, es verdampft, und die Wärmeenergie steht dann für Heizung und Warmwasser zur Verfügung.

Anwendung: Einfamilienhaus bis Wohnhaus.

Hinweis: mit einem Niedertemperaturheizsystem koppeln (z. B. Fußbodenheizung), H-FKWfreie Wärmepumpen einsetzen, mit Ökostrom betreiben, Jahresarbeitszahl muss > 4 sein.

Quelle / Brennstoff Wasser  +Strom
Nachhaltigkeit sehr gut
Einsatzgebiet  
Heizung ja
Warmwasser ja
Stromerzeugung nein
Eignung  
sanierter Altbau* befriedigend
Neubau* sehr gut
Luftwärmepumpe

Luftwärmepumpe

Die Funktion ist ähnlich der Sole-Wärmepumpe, jedoch wird auf Luft als Wärmequelle gesetzt. Vor allem bei geringer Lufttemperatur ist das problematisch, und es muss elektrisch nachgeheizt werden. Langzeitstudien haben gezeigt, dass Luftwärmepumpen Effizienz und Nachhaltigkeitskriterien oft nicht erreichen.

Anwendung: Im Passivhaus bei einer Jahresarbeitszahl > 4.

Quelle / Brennstoff Außenluft + Strom
Nachhaltigkeit befriedigend
Einsatzgebiet  
Heizung ja
Warmwasser ja
Stromerzeugung nein
Eignung  
sanierter Altbau* ungenügend
Neubau* befriedigend
Mikro-Blockheizkraftwerk

Mikro-Blockheizkraftwerk

Mit dem Brennstoff wird ein Motor angetrieben, der über einen Generator Strom erzeugt. Die Abwärme wird für Heizung und Warmwasser verwendet, und daraus resultiert eine sehr effiziente Brennstoffnutzung.

Anwendung: Einfamilienhaus bis Wohnhaus, Kleingeräte teilweise noch im Entwicklungsstadium.

Nachteil: Einsatz von Gas.

Quelle / Brennstoff Gas, evtl. Biomasse
Nachhaltigkeit befriedigend
Einsatzgebiet  
Heizung ja
Warmwasser ja
Stromerzeugung ja
Eignung  
sanierter Altbau* sehr gut
Neubau* sehr gut
Gasetagenheizung

Gasetagenheizung

Gas wird verbrannt und die Energie für Warmwasser und Heizung zur Verfügung gestellt. Im Ballungsraum eine oft eingesetzte Art der Heizung.

Alternativen: Bildung von Hausgemeinschaften und Umstieg auf ein zentrales Heizungssystem wie z. B. Fernbzw. Nahwärme, Pelletskessel, Mikro-Blockheizkraftwerk.

Quelle / Brennstoff Gas
Nachhaltigkeit ungenügend
Einsatzgebiet  
Heizung ja
Warmwasser ja
Stromerzeugung nein
Eignung  
sanierter Altbau* ungenügend
Neubau* ungenügend
Ölkessel

Ölkessel

Heizöl wird verbrannt und die Energie für Warmwasser und Heizung zur Verfügung gestellt.

Anwendung: Einfamilienhaus bis Wohnhaus.

Hinweis: Unsere Umwelt ist zu wertvoll, um Öl als Heizressource zu verwenden. Somit raten wir: Raus damit, Alternativen gibt es genug!

Quelle / Brennstoff Öl
Nachhaltigkeit ungenügend
Einsatzgebiet  
Heizung ja
Warmwasser ja
Stromerzeugung nein
Eignung  
sanierter Altbau* ungenügend
Neubau* ungenügend

Zur Warmwasserbereitung bzw. zur Heizungsunterstützung können alle Systeme mit Solarthermie kombiniert werden. Zur Bereitstellung des benötigten Stroms können alle Systeme mit einer Photovoltaik-Anlage kombiniert werden.

Energiespartipps

  • Fenster und Türen prüfen – Pflegen Sie die Dichtungsbänder mehrmals jährlich (z. B. mit Hirschtalg) und prüfen sie diese auf deren Dichtheit bei geschlossenem Fenster mit einer Kerze, die Sie am Rahmen entlangführen. Wenn die Flamme flackert, ist eine undichte Stelle eruiert, und die Dichtung sollte ausgetauscht werden.
  • Mehrmals täglich lüften – Lüften sollten Sie stoßweise, um Energie zu sparen und um bei dichten Fenstern die Feuchtigkeit aus den Räumen zu leiten, damit keine Schäden am Mauerwerk entstehen.
  • Temperatur überdenken – Überheizte Räume schaden der Umwelt und ihrem Geldbeutel. 20 °C sind für ein angenehmes Wohnklima ausreichend.
  • Regelung überprüfen – Falls sich an Ihrem Thermostat nur die Temperatur einstellen lässt, tauschen Sie diesen gegen ein Gerät mit programmierbarer Zeitschaltung. So können Sie für Abwesenheiten und die Nacht die Heizung exakt einstellen.
  • Heizkörper und Therme – Heizkörper sollten nicht verdeckt, regelmäßig entlüftet und mittels des Heizungsventils eingestellt werden. Lassen Sie Ihre Therme regelmäßig warten, um sicherzustellen, dass ein reibungsloser und effizienter Betrieb möglich ist.

 

Langfristige Ziele

Nun aber zu den wirklich großen Brocken Heizsystem und Sanieren und welche grundlegenden Dinge dabei zu beachten sind.

  • Sanieren, aber richtig – Oftmals wird in kleinen Schritten saniert, mit der Folge, dass die verschiedenen Bereiche nicht perfekt aufeinander abgestimmt sind. Eine Generalsanierung erleichtert die Planung und ist auf lange Sicht die effizienteste Maßnahme, um den Gebäudestandard zu heben.
  • Ökologisch dämmen – Viele Dämmstoffe haben die Kehrseite, dass sie entweder in der Produktion energieintensiv sind oder auf fossilen Quellen basieren. Es gibt aber ökologische Alternativen wie zum Beispiel Kork oder Holzfaser.
  • Rücklagen schaffen – Das größte Problem ist meist die Finanzierung. Zum einen haben viele Hausverwaltungen nicht die nötigen Rücklagen für umfassende Sanierungsmaßnahmen geschaffen. Zum anderen ist im Mehrfamilienhaus oft das Mieter/Besitzer-Verhältnis eine Hürde. Hier liegt es an Ihnen: Schaffen Sie Bewusstsein und bilden Sie zum Beispiel eine Hausgemeinschaft, um Lösungen zu finden. Wenn der Hausverwaltung klargemacht wird, dass dieses Thema für die Mieter relevant ist, steigt der Druck für entsprechende Maßnahmen.
  • Zu guter Letzt noch ein persönlicher Energiespartipp für Hartgesottene: an kalten Wintertagen rein in die Laufschuhe und ein paar Runden um die nächsten Häuser ziehen – das hält fit, bekämpft Winterspeck, und danach erscheinen einem sogar 18 °C Raumtemperatur tropisch warm.

Was bedeutet uns Heizen?

Eine quantitative Umfrage der AEA (Austrian Energy Agency) und der FH Wiener Neustadt hat eruiert, welchen Stellenwert das Thema Heizen besitzt und welche Begriffe mit dem Thema assoziiert werden. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Nach­haltigkeit bleibt leider auf der Strecke.

Umfrage der AEA

Webtipps

IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie: Info rund um ökologisches Bauen

AEA – Österreichische Energieagentur: Infodatenbank zu aktuellen Förderungen

Ökonews – Tageszeitung rund um erneuerbare Energie

AEE – Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energien: Forschung und Planung erneuerbarer Energiesysteme

HLK– Magazin rund um Heizen, Lüften und Klimatisieren