Das Greenpeace Magazin / Dezember 2012

Das Design der Zukunft

© Coriette Schoenaerts

Hören Sie es klingeln? Weihnachten naht! Und die Frage „Was schenke­ ich?“ schwebt wie ein Damoklesschwert über unseren Nacken. Bald wird heftig eingekauft, eingepackt, verschenkt, ausgepackt, eingetauscht, umgepackt. Das meiste landet kurz danach auf dem Müll.
Von Marcelline Langer

Müll ist eine wertvolle Ressource. Ob etwas auf der Müllhalde landet oder wiederverwertet werden kann, ist zu 80 Prozent abhängig vom Design eines Produktes. Diese Herausforderung hat dazu geführt, dass Produktentwickler, Logistiker, Verpackungsdesigner und Marketingexperten sich die Frage gestellt haben: „Wie kann man Dinge so gestalten, dass sie nachhaltig, ökologisch und sozial ausgewogen produziert, konsumiert und wiederverwertet werden können?" Die Antwort ist Ecodesign.

Bei Ecodesign geht es darum, Produkte so zu denken, dass sie von ­Anfang an wenig Ressourcen verbrauchen, keine oder geringe Umweltbelastung verursachen, geringe Transportwege haben, recycelbar sind und schließlich wieder als wertvolle Ressource in den Kreislauf der Natur geführt werden können. Wichtig sind auch soziale Aspekte wie die Arbeitsbedingungen, unter denen das Produkt hergestellt wird. Sichere Arbeitsplätze und Lebensqualität sind ebenso Teil dieses Konzepts und sorgen für soziale und politische Stabilität.

Langfristig gedacht

Ecodesign hat im Grunde genommen viel mit Mathematik zu tun. Die richtige Wahl des Materials, Energieeffizienz in der Produktion und im Verbrauch, Langlebigkeit des Produktes, mögliche Emissionen und Schadstoffe, Verpackung und Möglichkeiten des Recyclings sind nur einige Aspekte, die bereits in der Planung genau kalkuliert werden. Dabei wird die ­gesamte „Lebenszeit" des Produktes unter die Lupe genommen und darauf geschaut, dass das Ergebnis nicht nur praktisch ist und gut aussieht, sondern auch der ökologische Fußabdruck möglichst klein ist.

Aus recycelten Schubläden entsteht ein neues Möbelstück, aus mehreren Holzpaletten ein unkonventioneller Couchtisch auf Rädern, Bio-Unterwäsche wird aus regionalen Materialien hergestellt, in eine biologisch abbaubare Hülle verpackt und später als Dünger in die Gemüsebeete gepflanzt. Aber Ecodesign geht noch viel weiter! Tragbare Radioempfänger, die mit Solarenergie betrieben werden: Sie wurden so konzipiert, dass man sie immer wieder auseinanderbauen und nach einem kleinen Service wieder gebrauchen kann. Oder hochwertige Teppiche, die aus recycelten und schadstofffreien Materialien bestehen und immer wieder neu aufbereitet werden können. Aber auch moderne und funktionale Büromöbel können das Ergebnis von Ecodesign sein. Visuell unterscheiden sie sich nicht von herkömmlichen Büromöbeln, mit dem einzigen Unterschied, dass sie zu 100 Prozent recycelt werden können.

Doch Ecodesign ist noch mehr als das! Weil endliche Ressourcen wie Kupfer oder Lithium, die für die Produktion von Batterien oder Solarmodulen notwendig sind, immer knapper und teurer werden, sind Hersteller daran interessiert, diese Ressourcen wiederzugewinnen. Dafür müssen sie allerdings die Produkte so gestalten, dass die Rückgewinnung der Ressourcen aus den gebrauchten Gegenständen auch möglich ist. Das heißt, dass die verkaufte Ware am Ende ihrer Lebenszeit nicht im Müll landet, sondern wieder zurück zum Hersteller muss. Hier entstehen neue Geschäftsmodelle, in denen es nicht mehr um das Produkt alleine geht, sondern um das Service, das rund um dieses Produkt angeboten wird.

Ökologisch und sozial ausgewogen: Ecodesign wird unsere Welt verändern!

Ecodesign steht nicht nur für das Produkt an sich. Es ist das Ergebnis eines Umdenkens und verlangt nach Kreativität, enger Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Produktionsbereichen und schafft neue, lukrative Märkte. Es setzt sich mit der Frage auseinander, wie wir mit unseren natürlichen Ressourcen auskommen können, welchen Stellenwert Produkte des täglichen Bedarfs für uns haben und wie wir sorgsam mit diesen umgehen. Man könnte auch sagen: Ecodesign ist eine Haltung unserer Welt gegenüber. Und der Anfang ist gemacht, wenn wir uns die Frage stellen, auf welche Weise wir Dinge konsumieren wollen ... und was wir unseren Liebsten zu Weihnachten schenken möchten.