Das Greenpeace Magazin / November 2014

Klein, aber unersetzlich

Nicht nur Raps-, sondern auch ­Tomatenblüten brauchen Bienen zur Bestäubung.

Nicht nur Raps-, sondern auch ­Tomatenblüten brauchen Bienen zur Bestäubung.

© Greenpeace

—Veronika Steiner

 

Die treibende Kraft in der Landwirtschaft sind nicht PS-starke Maschinen, sondern Bienen.

Schütze die Bienen Petition unterzeichnen

 

„Ohne die Bienen funktioniert überhaupt nichts“,   sagt Erich Stekovics. Der Mann muss es wissen. Er züchtet Bio-Gemüse. Die Spezialität des Burgenländers sind Paradeiser, wie Tomaten im Osten Österreichs genannt werden: In seinem Betrieb kultiviert er über 3200 Sorten. Auf Monokulturen und Pestizide verzichtet Stekovics, denn „das hat nicht nur verheerende Auswirkungen auf Böden und Grundwasser, sondern bedroht auch unsere Bienen“.

Seit den späten 1990er-Jahren berichten Imkerinnen und Imker europaweit vom Sterben ganzer Bienenvölker. Der Verlust betrifft uns alle. Immerhin produzieren Bienen nicht nur Honig, sondern spielen – noch viel wichtiger – als Bestäuber eine tragende Rolle im Ökosystem: Ein Drittel der globalen Nahrungsmittelproduktion ist von Bienen und anderen Insekten ­abhängig. 

Greenpeace setzt sich mit Aktionen, Kampagnen und Petitionen für einen umfassenden Schutz der Bienen ein. Ein wesentliches Ziel ist der Umstieg von konventioneller hin zu einer bienenfreundlichen, biologischen Landwirtschaft.

 

Natürliches Gleichgewicht statt Chemieeinsatz

Dass man damit langfristig größere Erfolge feiert, zeigen die Erfahrungen von Erich Stekovics: „Schädlinge sind meist eine Antwort auf eine Kulturführung, die man so nicht hätte machen sollen.“ Im Gegensatz dazu setzen biologische Betriebe auf natürliches Gleichgewicht statt Chemieeinsatz. „Wir versuchen, die Kulturen so zu führen, dass das Spiel von Schädlingen und Nützlingen im Einklang steht. Deshalb sind auch Schädlinge für uns nicht wirklich ein Problem.“ Ein weiteres Argument für bienenfreundliche statt konventionelle Landwirtschaft zeigt sich laut Stekovics im Geschmack: „Die Frage ist, ob man den Ertrag nach den Kilos oder nach der Qualität misst, die man erntet!“

Weltweit gibt es rund 300.000 Tomatensorten, den europaweiten Bedarf decken jedoch fast ausnahmslos nur fünf Hybridsorten. Umgekehrt entwickeln Chemiekonzerne wie Bayer, Syngenta und BASF immer neue giftige Pestizide. „Wir haben aktuell rund 5000 registrierte Spritzmittel in der österreichischen Landwirtschaft. Es werden derzeit mehr Spritzmittel entwickelt, als Sorten überleben. Das ist absurd“, empört sich Stekovics. Greenpeace kämpft mit ganzem Einsatz für ein Ende dieser abwegigen Entwicklung. Für den Erhalt von alten Obst- und Gemüsesorten. Und für ein Totalverbot von bienentödlichen Pestiziden – nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch bei der Behandlung von Pflanzen für den Privatgebrauch.