Spritverbrauch in der Realität höher

Newsartikel - 14 Juli, 2009
Autospritverbrauch höher als Herstellerangaben

Viele Autos brauchen mehr Sprit als die Hersteller angeben.

Im Schnitt verbrauchen Autos um 27 Prozent mehr Sprit als die Hersteller angeben. Das haben Fahrtests mit 188 Autos in Deutschland ergeben. Der VCÖ kritisiert, dass die Messreihen der Autohersteller veraltert sind. 

Österreichs Neuwagenflotte verbrauchte im Vorjahr im Schnitt 6,5 Liter Sprit für 100 Kilometer. "Laut Angaben der Hersteller. In Wirklichkeit waren es eher sieben bis acht Liter, wenn wir Ergebnisse von Fahrtests in Deutschland betrachten", stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. In Deutschland wurden 188 Autos vom Magazin "auto motor und sport" getestet, das Ergebnis: Der Verbrauch war im Schnitt um 27 Prozent bzw. 2,4 Liter höher als die Herstellerangaben, wie der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer informiert.

Der VCÖ hat berechnet, was das für Österreich bedeutet. Ein privater Pkw wird im Schnitt 13.500 Kilometer pro Jahr gefahren. Verbraucht das Auto um 2,4 Liter pro 100 Kilometer mehr als die Hersteller angeben, dann klettert der Spritverbrauch um 324 Liter pro Jahr in die Höhe, die Umwelt wird um zusätzlich 783 Kilogramm CO2 belastet. "Diese Abweichung hat negative Folgen für den Klimaschutz. Die Autos sind klimaschädlicher als die Herstellerangaben vermuten lassen", betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Der seit dem Jahr 1996 geltende NEFZ-Test (Neue Europäischer Fahrzyklus) entspricht immer weniger der Realität. Klimaanlagen, die bei hohen Temperaturen den Verbrauch um bis zu 30 Prozent in die Höhe treiben können, sind beim Messzyklus ausgeschaltet, ebenso andere Stromverbraucher, wie Licht und Fensteröffner. "Die Extras in den Autos haben seit dem Jahr 1996 massiv zugenommen. Deren Stromverbrauch wird bei den Herstellerangaben und bei den CO2-Grenzwerten ignoriert. Womit der Anreiz zur Entwicklung energiesparender Technologie fehlt", so VCÖ-Expertin Rasmussen zu Folgen des veralteten Testverfahrens.

Die Höchstgeschwindigkeit beim Test beträgt 120 km/h und wird nur einige Sekunden gefahren. Das Tempolimit auf Österreichs Autobahnen liegt aber bei 130 km/h. Der Spritverbrauch nimmt mit dem Tempo enorm zu. Der VCÖ fordert eine rasche Änderung der Regeln für die Testzyklen durch die EU und Vorgaben für energieeffizientere Autos. "Das neue EU-Parlament und die neue EU-Kommission sind gefordert, sich rasch für die Verringerung des realen Spritverbrauchs der Autos einzusetzen. Das nützt dem Klima und den Konsumentinnen und Konsumenten", stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

Die VCÖ-Spritspar-Tipps

  1. Gleiten statt Rasen: Wer langsamer fährt, verbraucht deutlich weniger Sprit. Wer 150 statt 130 km/h fährt, verbraucht um 2 Liter pro 100 km mehr Sprit, Tempo 100 statt 130 spart 2 Liter pro 100 km.
  2. Niedrigtourig fahren. Je höher die Drehzahl, umso mehr Sprit frisst der Motor. 
  3. Mit hohem Gang fahren: Im Stadtverkehr spätestens bei 2000 Umdrehungen / min in den nächsten Gang schalten.
  4. Vorausschauend fahren: Anfahren und beschleunigen verbrauchen viel Sprit.
  5. Stromfresser ausschalten: Eine Klimaanlage erhöht den Verbrauch deutlich.
  6. Schattig Parken: Gerade  im Sommer kann die Temperatur im Wageninneren enorm steigen. Wer sich auf schattige Plätze parkt, braucht die Klimaanlage weniger stark beanspruchen.
  7. Kein unnötiges Gepäck mittransportieren: Es ist zu empfehlen, Dachträger und Gepäcksboxen am Urlaubsort abzumontieren.
  8. Reifen mit geringem Rollwiderstand: Der VCÖ empfiehlt Reifen, die den Ansprüchen des "Blauen Engels" entsprechen (Liste siehe: www.umweltbundesamt.de ). Hoher Reifendruck verringert ebenfalls den Spritverbrauch.
  9. Kurzstrecken vermeiden: Ein Mittelklassewagen verbraucht direkt nach dem Start 30 bis 40 Liter Sprit / 100 km, nach einem Kilometer 20 Liter/100 km. Erst nach vier Kilometer hat der Motor den optimalen Verbrauch.
  10. Gehen und Radfahren - auch am Urlaubsort. Kurze Strecken können auch im Urlaub gut zu Fuß oder mit dem Rad gefahren werden. 
  11. Wenn möglich auch Öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Vor allem im städtischen Verkehr spart man sich damit nicht nur Geld, sondern vor allem auch viel Stress und Ärger.
  12. Und damit man sich zukünftig weniger über hohe Spritpreise ärgern muss: Bereits beim Autokauf auf den Spritverbrauch achten.

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Quelle: VCÖ

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