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Einkaufs-Check: Haus- und Gartenpestizide

Keine Infos über krebserregende, bienengiftige oder Grundwasser gefährdende Eigenschaften

Newsartikel - 21 Juni, 2013
Testeinkäufe von Haus- und Gartenpestiziden in Baumärkten, Gartencentern, Lagerhäusern und im Internet, die Global 2000 im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit dem oberösterreichischen Umwelt-Landesrat Rudi Anschober durchgeführt hat, stellen den Verkaufsmärkten und dessen Personal ein schlechtes Zeugnis aus.

 "Nicht Genügend für drei Viertel der Verkaufsstellen

In 41 von 54 Fällen - das entspricht rund drei Viertel der Testkäufe - musste die Beratungsleistung mit einem klaren "Nicht Genügend" bewertet werden, da Informationen, die für eine Eingrenzung von Risiken für Mensch oder Umwelt essentiell sind, selbst auf Nachfrage nicht erteilt wurden.

"Bei keinem einzigen unserer 54 Testeinkäufe in Wien, NÖ und OÖ wurden wir auch nur annähernd in dem gesetzlich vorgeschriebenen Umfang informiert. Im Gegenteil, Informationen kamen - wenn überhaupt - fast immer erst auf Nachfrage und waren überdies größtenteils falsch bzw. irreführend", berichtet Global 2000-Umweltchemiker Helmut Burtscher.

Rechtliche Vorgaben

Dies ist nicht nur riskant für Mensch und Umwelt, sondern eine Missachtung der geltenden Gesetze: Die Pflanzenschutzmittelverordnung sieht für Händler, die Pestizide für den Haus- und Kleingartenbereich verkaufen, eindeutige Informationspflichten vor: Es muss jederzeit informiert werden über

  • die Risiken für Gesundheit und Umwelt,
  • über die sachgemäße Verwendung und
  • über verfügbare Alternativen mit geringem Risiko.

Ein erschreckendes Beispiel

"Einer unserer TesteinkäuferInnen wurde ein Insektizid verkauft, dessen Anwendung ab Dezember EU-weit aufgrund seiner Bienengiftigkeit verboten ist. Über dessen Gefährlichkeit für Bienen oder den bevorstehenden Zulassungsstopp wurde unsere Einkäuferin aber erst auf Nachfrage informiert. Als sie sagte, dass sie sich in Anbetracht des EU-Verbots gerne noch mit einem Vorrat eindecken möchte, und sich nach der Haltbarkeit des Pestizids erkundigte, wurde ihr mitgeteilt, dass der Pestizidwirkstoff Imidacloprid gute chemische Beständigkeit aufweist und daher auch nach Jahren kaum an Wirksamkeit einbüßt.
Kein Wort darüber, dass die Anwendung im Hausgarten ab 1. Dezember unter Strafe steht und mit Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro bedroht ist", berichtet Helmut Burtscher.

Besorgniserregende Erkenntnisse

 

> Der Unkrautvernichter Glyphosat, der im Verdacht steht, fruchtschädigende und krebserregende Wirkung zu haben, und nicht nur im Körper jedes/r zweiten Europäers/in nachweisbar ist, sondern auch in Bächen, Flüssen und im Grundwasser, wurde in nahezu allen Testeinkäufen als sowohl gesundheitlich als auch ökologisch unbedenklich beschrieben.

> Ein weiteres Problemfeld, das der Einkaufstest aufgezeigt hat, ist, dass viele dieser Haus- und Gartenpestizide auch über Internetplattformen wie Amazon und Ebay bezogen werden können.

> Besonders erschreckend: Produkte mit dem Wirkstoff Thiacloprid, ein Pestizidwirkstoff, der sogar laut Sicherheitsdatenblatt "vermutlich beim Menschen Krebs erzeugt", wurden in allen Testeinkäufen auch auf Nachfrage durch die Bank als für die Gesundheit unbedenklich dargestellt.

> "Überraschend für uns war, dass in den spezialisierten Raiffeisen-Lagerhäusern die Beratungsqualität in keiner Weise besser oder umfangreicher war als in den Baumärkten", berichtet Burtscher. Umfangreicher war nur das Angebot: So war beispielsweise dort ein Produkt für den privaten Gebrauch erhältlich, das den krebserregenden Wirkstoff Thiacloprid in 49-prozentiger Konzentration enthält. Zum Vergleich: Thiaclopridhältige Produkte in den Baumärkten wiesen Konzentrationen zwischen 0,15 und 0,9 Prozent auf.

Gesetzesverstöße und Konsequenzen

Burtscher erklärt: "Laut Pflanzenschutzmittelverordnung 2011 dürfen Produkte, die als krebserregend einzustufen sind, im Haus- und Kleingartenbereich nicht eingesetzt werden. Dass diese in den Lagerhäusern dennoch an Private verkauft werden, wird Global 2000 juristisch prüfen und gegebenenfalls zur Anzeige bringen."

Verantwortlich ist Umweltminister Berlakovich

Durch die Missachtung der gesetzlichen Beratungspflicht wird ein nicht akzeptables Risiko für Tiere, Gewässer und vor allem auch für die menschliche Gesundheit in Kauf genommen. Die Vollzugs- und Kontrollpflichten in Bezug auf die Einhaltung der Bestimmungen der Pflanzenschutzmittelverordnung 2011 liegen beim Bundesamt für Ernährungssicherheit. "Die politische Letztverantwortung hierfür trägt Umwelt- und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich. Der Minister muss die durch den Einkaufstest von Global 2000 aufgedeckten Missstände, die zu einer Gefährdung von Mensch und Umwelt führen, beenden", fordert Burtscher.

Bio-Pflanzenschutzmittel als Alternative

Was im Garten wächst, landet unmittelbar auf den Tellern der Menschen. Die Umstellung auf biologisches Gärtnern ist für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen wirklich wichtig. Pestizidfreies Gärntnern ist möglich. bellaflora stellte das Sortiment bereits um: Sämtliche chemisch-synthetischen Pestizide und Herbizide wurden aus den Regalen genommen und durch natürlich-biologische Produkte ersetzt.

Quelle: Global 2000

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