Antwort von Merkur, Billa, Adeg

Was die REWE AG den KonsumentInnen antwortet

Infoseite - 7 Juli, 2009
Mehrwegflaschen sind die umweltfreundlichsten Getränkeverpackungen. Sie haben viele Vorteile. Vorteile, die leider in Vergessenheit geraten sind, denn in den letzten Jahren wurde sie systematisch durch umweltbelastende Einweggebinde ausgetauscht.

Daher hat Greenpeace die Initiative "Ich will Mehrweg!" gestartet. Im April 2010 hat sich auch Umweltminister DI Berlakovich für die Wahlfreiheit bei Mehrweg im Handel ausgesprochen.

Eine Überprüfung von Greenpeace im Mai 2010 hat jedoch ergeben, dass die KonsumentInnen diese Wahlfreiheit nicht haben. In den meisten Supermärkten werden nur wenige Getränke in Mehrwegflaschen angeboten. Greenpeace hat deshalb erneut die KonsumentInnen dazu eingeladen sich an ihren Supermarkt zu wenden und sich für eine größere Auswahl an Mehrweggetränken auszusprechen.

Nachfolgend ist zu lesen, was Merkur auf ein solches E-Mail geantwortet hat. Danach folgt der Kommentar von Claudia Sprinz, Konsumentensprecherin bei Greenpeace, auf die Antwort von Merkur.

Antwort von Merkur:

Sehr geehrter Herr xxx,
 
Vielen Dank für Ihr Schreiben!
 
REWE International AG bietet in ihren Vollsortiment-Vertriebsschienen MERKUR, BILLA und ADEG ein umfassendes Angebot an Getränken in Einweg- und Mehrweggebinden an. Insbesondere bei Bier gibt es österreichweit ein umfangreiches Mehrwegsortiment an nationalen Angeboten sowie regionalen Spezialitäten, auch Mineralwasser ist sowohl in Ein- als auch Mehrwegflaschen erhältlich.
Generell und insbesondere bei alkoholfreien Getränken bevorzugt der Kunde jedoch zunehmend Getränke in Einweg, weshalb viele Lieferanten - nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen - die Abfüllung in Mehrweggebinden eingestellt haben.
 
Diese dem Konsumentenbedürfnis nach mehr Convenience entsprechende Marktentwicklung zu kleineren und leichteren Einweggebinden bedeutet jedoch nicht zwangsläufig eine stärkere Umweltbelastung. Untersuchungen zeigen, dass es unter Berücksichtigung der österreichischen Sammel- und Verwertungsquoten von (Getränke-)Verpackungen - es werden 3 von 4 PET-Flaschen sowie 4 von 5 Glasflaschen gesammelt und überwiegend stofflich verwertet - hinsichtlich der Umweltauswirkungen von Ein- und Mehrweggebinden, insbesondere was Abfall- und Emissionsbelastungen betrifft, keine signifikanten Unterschiede gibt.
 
Zielsetzung bei Merkur ist es den hohen Ansprüchen unserer Kunden gerecht zu werden und die beste Qualität zum besten Preis-Leistungsverhältnis anzubieten.
 
Schwerpunkt ist der Lebensmittelbereich, wo wir ständig innovative Konzepte für den Endverbraucher erarbeiten. Merkur bietet seinen Kunden eine riesige Produktauswahl von ca. 20 000 Produkten. Keine andere Handelskette führt so viele spezielle Produkte wie Merkur. Es gibt auch im Lebensmittelbereich eine ständige Weiterentwicklung und Merkur versucht immer mit den neuesten Trend zu gehen. So führen wir sehr viele vegetarische Produkte und für die Veganer wurde eine eigene Produktreihe - Vegavita entwickelt. Immer mehr Menschen leiden unter Allergien. Aus diesem Grund bieten wir speziell für die Milchallergiker sehr viele Sojaprodukte und laktosefrei Produkte an. Glutenfreie Produkte bieten wir ebenso an. Auch zahlreiche Produkte aus Ziegenmilch sind bei uns erhältlich. Aufgrund zahlreicher Kundenwünsche bieten wir in Märkten regionale Schmankerl ebenso wie internationale Köstlichkeiten an. Bei Merkur wird Obst und Gemüse 2 - 3 mal pro Tag frisch geliefert. Darunter auch 50 verschiedene Ja! Natürlich Obst- und Gemüsesorten. Österreichisches Qualitätsfleisch mit Bauernhofgarantie wird mehrmals täglich von Fleischhauern direkt im Markt portioniert und hygienisch verpackt.
 
Sie haben vollkommen recht, dass die Nachhaltigkeit in unseren Märkten gelebt werden muss. Seit Jahren werden die neuesten Technologien genutzt: Energiesparlampen werden verwendet, die Abwärme der Kühlaggregate wird schon lange genutzt, in allen neuen Märkten werden Kühlmöbel mit Türen verwendet,...
 
Wir wünschen Ihnen alles Gute und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen in unseren Merkur Märkten.
 
Mit freundlichen Grüssen

 

Das sagt Greenpeace dazu:

Claudia Sprinz, Konsumentensprecherin bei Greenpeace kommentiert die Antwort von Merkur wie folgt:

1. Umfassendes Angebot

Der österreichische Umweltminister DI Niki Berlakovich hat sich im April 2010 für die Wahlfreiheit bei Mehrweg ausgesprochen. Die Erhebung von Greenpeace vom Mai 2010 hat jedoch gezeigt, dass in Merkur-Supermärkten die Auswahl an Getränken in Mehrweggebinden in den letzten Jahren drastisch zurück gegangen ist. Positive Ausnahme war der Merkur Direkt Online-Shop, der eine große Vielfalt an Mehrweggetränken bietet, allerdings seine Produkte nur in wenigen Städten in Ballungszentren anbietet.

In den österreichweit verbreiteten Merkur Filialen wird die vom Minister geforderte Wahlfreiheit nicht erfüllt.

2. KundInnen bevorzugen Einweg

Unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass KonsumentInnen Mehrweg bevorzugen, wenn sie vom Handel über die Vorteile von Mehrwegprodukten informiert werden und Mehrwegflaschen gut erkennbar an leicht zugänglichen Plätzen im Geschäft zu attraktiven Preisen angeboten werden.  

Betont jedoch niemand die ökologischen Vorteile von Mehrwegflaschen

  • und/oder sind sie im Laden nicht von Einwegflaschen zu unterscheiden
  • und/oder werden an ungünstigen Stellen im Verkaufslokal platziert
  • und/oder zu teuren Preisen angeboten,

kann es den Eindruck erwecken, dass KonsumentInnen Einweg bevorzugen. 

Jeder, der sich mit Marketing beschäftigt hat weiß, dass man mit verschiedenen Maßnahmen den Verkauf von Produkten steuern kann. Merkur bewirbt die "ja!natürlich"-Bioprodukte in kostspieligen Werbekampagnen und will die Menschen zum Kauf dieser Bioprodukte motivieren mit dem Argument, dass diese ökologisch vorteilhaft sind. 

Auch regionale Getränke in Mehrwegflaschen sind ökologisch vorteilhafter als weit gereiste Einwegflaschen oder -dosen. Merkur könnte seinen KundInnen auch Mehrwegprodukte auf diese Weise schmackhaft machen.

3. KonsumentInnen bevorzugen leichte Gebinde

Mehrwegflaschen aus Kunststoff sind leicht und gleichzeitig umweltfreundlich. Sie sind jedoch so gut wie völlig vom Markt verschwunden und Merkur hat keinerlei Maßnahmen gesetzt, dies zu verhindern. 

4. Anzahl der LieferantInnen

Rewe ist als Muttergesellschaft von Merkur mit einem Marktanteil von ca. 30% Marktführer in Österreich und bietet zahlreiche Eigenmarkenprodukte. Daher erscheint es Greenpeace nicht sehr glaubwürdig, wenn sich ein so großes und mächtiges Handelsunternehmen auf seine LieferantInnen ausredet. Fakt ist, dass es nach vor viele regionale Hersteller gibt, die Getränke in Mehrwegflaschen anbieten.

So hat etwa eine Erhebung von Greenpeace im Juli 2010 gezeigt, dass es in Österreich immer noch regionale Abfüller von Mineralwasser gibt, die solche Produkte in Mehrwegflaschen anbieten. Doch von diesen Produkten sind entweder gar keine oder nur wenige in den Filalen von Merkur zu finden. Erstaunlicherweise sind diese jedoch über Merkur Direkt erhältlich und das in großer Vielfalt!

Rewe nimmt es trotz umfangreichem Nachhaltigkeitsbericht nicht sehr ernst mit dem Thema Mehrweg, denn bei der Bio-Eigenmarke "ja! natürlich" ist nicht ein einziges Getränk in einer Mehrwegflasche im Programm. In Deutschland sind beispielsweise auch 0,5 Liter-Flaschen in Kunststoff-Mehrwegflaschen erhältlich.

Warum werden "ja! natürlich"-Getränke in Wegwerf-Verpackungen angeboten?

Wer hindert Rewe daran, die "ja! natürlich"-Getränke in den von KundInnen  bevorzugten "kleinen und leichten" Mehrwegflaschen aus Kunststoff abfüllen zu lassen?

5. Ökologische Vorteile

Die von Merkur getätigte Aussage, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen Einweg und Mehrweg gibt, ist falsch.

Greenpeace liegt keine einzige wissenschaftliche Studie vor, die zeigt, dass die Ökobilanz von Einwegflaschen besser ausfällt als die von vergleichbaren Mehrwegflaschen.

Mehrwegflaschen aus Glas schneiden, vergleicht man sie mit Einwegflaschen aus Glas mit der gleichen Füllmenge, in regionalen Kreisläufen ökologisch deutlich besser ab.
Gleiches gilt für Kunststoffflaschen. Auch hier schneiden Mehrwegfalschen aus Kunststoff in regionalen Kreisläufen deutlich besser ab als Einwegflaschen aus Kunststoff, wenn man jeweils Flaschen mit der gleichen Füllmenge vergleicht.

Die Untersuchungen, auf die sich die Antwort von Merkur vermutlich bezieht ist Greenpeace gut bekannt. Die deutsche Industrievereinigung Kunststoffverpackungen hat beim deutschen ifeu-Institut eine Studie in Auftrag gegeben, wo eine Glas-Mehrwegflasche mit 0,7 Liter Füllmenge mit einer Kunststoff-Einwegflasche mit 1,5 Liter Füllmenge verglichen wurde.

Man muss kein/e wissenschaftliche/r ExpertIn sein um zu erkennen, dass die Auftraggeber dieser Studie nicht einen seriösen Vergleich von Einweg und Mehrweg im Sinn hatten, denn dann hätten sie die 1,5 Liter Kunststoff-Einwegflasche mit einer 1,5 Liter Kunststoff-Mehrwegflasche verglichen.

Auf Greenpeace erweckt es vielmehr den Eindruck als sei der einzige Zweck der Studie gewesen, das schlechte Image der Kunststoff-Einwegflaschen aufzupolieren. Und das ging offenbar nur, indem man Verpackungen mit ungleichen Füllmengen und ungleichen Materialien verglichen hat.

Solche Studien sind aus der Sicht von Greenpeace fragwürdig und nutzlos und tragen mehr zur Verwirrung als zur Erhellung bei.

Mehrwegflaschen sind, bei gleicher Füllmenge, gleichem Material und in regionalen Kreisläufen, ökologisch signifikant vorteilhafter. Das ist eine wissenschaftliche Tatsache, die auch Merkur zur Kenntnis nehmen sollte.

Fazit:

Die Antwort von Merkur ist für seine KundInnen ungenügend. Merkur ignoriert wissenschaftliche Tatsachen und sieht auch keinerlei Verantwortung, einen Beitrag zur Bekanntmachung der Vorteile von Mehrwegflaschen beitzutragen - im Gegenteil: Kein einziges Getränk der Rewe-eigenen Bio-Linie "ja! natürlich" wird in Mehrwegflaschen angeboten. Zusätzlich reduziert Merkur in seinen Filialen stillschweigend das Mehrweg-Angebot, während es im Merkur Direkt Online-Shop ein umfangreiches Angebot an Getränken in Mehrwegflaschen gibt. 

Erst dann, wenn Merkur in seinen Filialen eine ebenso vielfältige Auswahl an regionalen Getränken in Mehrwegflaschen anbietet wie im Merkur Direkt Online-Shop und diese an attraktiven Stellen und zu attraktiven Preisen in seinen Filialen anbietet und seinen KundInnen die Vorteile von Mehrweg näher bringt, zeigt das Unternehmen, dass es Umweltschutz bei Getränken ernst nimmt.

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