Essen im Müll

Alles zur Verschwendung der Lebensmittel

Infoseite - 23 April, 2012
Die Verschwendung von Lebensmitteln ist ein brisantes Thema. Während ein Teil der Menschheit hungert, wirft der andere Lebensmittel in den Müll. Verschwendet werden damit auch wertvolle Ressourcen wie Land, Wasser und Energie, die für die Produktion von Lebensmitteln verbraucht werden. Hier die Zahlen zum Ausmaß des Problems und Tipps, was du tun kannst.

Wie viele Lebensmittel landen im Müll?

Die von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in Auftrag gegebene Studie „Global Food Losses and Food Waste“ von 2011 ließ aufhorchen. Rund ein Drittel der für den menschlichen Verzehr gedachten Lebensmittel geht weltweit verloren oder wird verschwendet. Das sind 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel pro Jahr!

Die Ursachen dafür sind unterschiedlich. Bei „reicheren“ Ländern sind die Verbraucher zu einem großen Teil  verantwortlich. Allzu oft kaufen wir (ohne Plan) zu viel ein, die Lebensmittel laufen ab und werden dann weggeschmissen. Verluste finden sich aber auch schon früher in der Lebensmittelkette, z.B.  wenn produziertes Obst und Gemüse gar nicht erst in den Handel gelangt, weil es den Qualitätsstandards (Gewicht, Größe, Form) nicht entspricht.

In den "ärmeren" Ländern finden Verluste dagegen vorwiegend am Anfang und in der Mitte der Lebensmittelkette statt; sie verderben nach der Ernte oder während der Verarbeitung. Der Letztverbraucher verschwendet hier weniger; 6-11 kg/Person/Jahr sind es.

Im Vergleich dazu sind es für Europa und Nordamerika 95-115 kg. In diese Zahlen ist der Weg von der Produktionsstätte bis zum Handel noch gar nicht eingerechnet.

Zahlen aus der EU

Die von der Europäischen Kommission im Oktober 2010 herausgegebene Studie „Preparatory study on food waste across EU 27“ weist eine Lebensmittelverschwendung von 179 kg/Person/Jahr; Abfälle aus Landwirtschaft und Fischerei wurden hier aber nicht miterfasst.

Auch nach dieser Studie verursachen die  Verbraucher einen großen Anteil; die Zahlen im Detail

  • Verbraucher: 42 %
  • Lebensmittelhersteller: 39 %.
  • Gastronomie 14 %
  • Handel: 5 %.

Insgesamt landen laut dieser Studie rund 90 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich im Müll der 27 EU-Länder.

Lebensmittelverschwendung in österreichischen Haushalten

Der österreichische Haushaltsmüll wurde im Jahr 2010 in einer weiteren Studie genauer untersucht. Durchschnittlich schmeißen wir rund 12 kg Lebensmittel/Person/Jahr in den Restmüll und damit auch rund 300 €/Jahr. Erfasst wurden bei dieser Untersuchung übrigens nur Lebensmittel, die nach der Entleerung aus den Müllsammelfahrzeugen noch als solche identifizierbar waren. Nicht erfasst wurden Speise- und Zubereitungsreste sowie Lebensmittel die mit anderen Abfällen gesammelt werden wie z.B. in der Biotonne.

Auch wenn die Zahlen bei den unterschiedlichen Studien aufgrund unterschiedlicher Methoden und Daten leicht abweichen, bestätigen doch alle das Problem, dass zu viele Lebensmittel verschwendet werden!

Maßnahmen gegen Verschwendung?

Bewusstseinsbildung, Information und Konfrontation der Verantwortlichen ist ein Weg, um Abhilfe zu schaffen. Ein anderer praktischer Ansatz ist die
Weitergabe von Lebensmittel an soziale Einrichtungen. So beliefert die Wiener Tafel mit drei Tonnen gespendeten Lebensmitteln rund 80 soziale Einrichtungen in Wien und versorgt damit bis zu 9000 Bedürftige täglich.
Im Bereich des Handels gibt es beispielsweise die Sozialmärkte. Der Verband SOMA Österreich & Partner versorgt mit 34 SOMA Märkten knapp 60 000 Kunden in fast allen Bundesländern.  

Laut einer Studie des Österreichischen Ökologie-Instituts im Jahr 2015, im Auftrag des Umweltministeriums, mehrerer Länder und der AK Wien im Rahmen des Projektes „Lebensmittelweitergabe in Österreich“ wurde die Gesamtmengen an Lebensmitteln erhoben, die über soziale Einrichtungen in ganz Österreich an armutsgefährdete oder von Armut betroffene Menschen weitergegeben werden. Das Ergebnis: Die Abgabestellen der Sozialmärkte und anderer karitativer Einrichtungen sowie die Team-Österreich-Tafeln in Rot-Kreuz-Dienststellen haben zuletzt bundesweit rund 11.000 Tonnen übernommen, etwa 10.000 Tonnen davon landeten tatsächlich auf dem Teller von KonsumentInnen. Die Autoren ziehen den Schluss, dass die Weitergabe von Lebensmitteln an soziale Einrichtungen ein sinnvoller Weg zur Abfallvermeidung ist, der noch intensiviert werden kann. Es wird u.a. empfohlen, die Lebensmittel rascher weiterzugeben, bei Etikettenmängeln die Ware nicht zurück an den Produzenten sondern gleich an die Abgabestelle zu schicken oder Großküchen mehr ins Auge zu fassen.

Auch die Spenderunternehmen profitieren: Sie sparen Kosten für die Entsorgung, entlasten ihre Lagerbestände und beweisen werbewirksam soziales Engagement.

Lebensmittel sind kostbar

Mit der Kampagne „Lebensmittel sind kostbar“ will das Lebensministerium gemeinsam mit PartnerInnen aus Wirtschaft und Gesellschaft gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen und vor allem Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln schaffen. Ziel der Kampagne ist eine Reduktion der jährlich in Österreich anfallenden Lebensmittelabfälle bis 2016 um 20 Prozent.

TIPPS - was jede und jeder einzelne tun kann

Was können wir Verbraucher tun, um weniger Lebensmittel zu verschwenden?

  • Checke vorm Einkaufen deinen Kühlschrank bzw. den Vorratsschrank, überlege dir, was du gerne die nächsten Tage essen möchtest und
  • Schreibe eine Einkaufsliste! Falle nicht auf „2 zum Preis von 1“-Aktionen herein! Kaufe nur, was du auch wirklich brauchst!
  • Sei kreativ! Verkoche Reste zu neuen Speisen bzw. besinn dich alter Rezepte und mach‘ z.B. Semmelknödel aus alten Semmeln.
  • Lagere deine Lebensmittel richtig und schütze sie dadurch vor vorzeitigen Verderb! Achte dabei auf die verschiedenen Temperaturzonen deines Kühlschrankes!
  •  Wenn du etwas einfrierst, beschrifte es (was ist drinnen, für wie viele Personen ist es und wann wurde es eingefroren)! Erstelle eine Liste des Gefrierguts! Gekochte Speisen halten ca. 3 Monate im tiefgekühlten Zustand.
  • Schon abgelaufen?: Ein Lebensmittel, welches das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, muss nicht unbedingt verdorben sein. Prüfe es mit deinen Sinnen und entscheide dann, ob du es essen willst oder nicht.

Achtung: Lebensmittel mit einem „zu verbrauchen bis“ Datum (=Verbrauchsdatum, z.B. bei Faschiertes) sollen nach Ablauf nicht mehr gegessen werden!

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Quelle: Mag.a Martina Steiner, Ernährungswissenschafterin

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