Verpackungen

Ein ökologischer Blickwinkel

Infoseite - 23 Jänner, 2013
Hier findest du einen Überblick über verschiedene Verpackungsmaterialien und welche aus ökologischer Sicht vorteilhafter oder ungünstiger sind.

Produktverpackungen üben grundsätzlich folgenden Zweck aus:

  • Schutz des Produktes vor Beschädigung
  • Vereinfachung von Lagerung und Transport des/der Produkte
  • Verkaufsfunktion (Infos zum Produkt, Werbeträger)
  • Dosier- und Entnahmefunktion

1. Gar keine Verpackung

Die ideale ökologische Verpackung ist gar keine. Es wird weder Material, noch Energie benötigt. Ob eine Verpackung benötigt wird, hängt von der Art des Produktes ab, ebenso wie von der Art des Geschäftes, wo du einkaufst. Wer beispielsweise auf einem Markt offenes Obst und Gemüse einkauft, kann die dafür erforderlichen Transportverpackungen (z. B. Tragtasche oder elastisches Netz für robustes Gemüse und z. B. wiederverwendbare Boxen für druckempfindliches Obst) bereits von zu Hause mitnehmen. In einem Supermarkt gibt es leider nur eine begrenzte Auswahl an unverpacktem Obst und Gemüse und man ist leider nicht sehr flexibel, was von zu Hause mitgebrachte Transportverpackungen anlangt.

2. Mehrwegverpackungen

Die zweitbeste Verpackungsart sind Mehrwegverpackungen. Nachdem du das Produkt verbraucht hast werden diese Verpackungen beim Hersteller gereinigt und erneut zur Verpackung dieses Produktes verwendet. Meist gibt es ein Pfandsystem, dh. du zahlst mit dem Produkt einen geringen Betrag, den du beim nächsten Einkauf bei Rückgabe der Verpackung wieder erhältst. Selbst alte Flaschen landen nie im Restmüll, sondern können vom Hersteller sortenrein verwertet werden. (Weitere Infos siehe Mehrwegflaschen).

Die letzte im Handel erhältliche Produktgruppe in Mehrwegverpackungen sind Getränke. Doch auch diese werden immer seltener, denn es gibt nur noch wenige Hersteller, die ihre Getränke in solchen Verpackungen abfüllen. 

Die Mehrwegflaschen können aus Glas oder Kunststoff (PET) sein. Die Kunststoff-Mehrwegflaschen erkennt man daran, dass sie aus einem festeren Kunststoff sind und nicht so leicht "gequetscht" werden können. Achtung: Manche Firmen wie Vöslauer verlangen zwar Pfand für ihre Flaschen, doch sind das keine echten Mehrwegflasche, sondern Einwegflaschen. Dies sollte am Preisschild vermerkt sein.

Auch hier gilt es das richtige Geschäft zu wählen, denn Diskontsupermärkte (Hofer, Lidl, Penny) verkaufen überhaupt gar keine Mehrweggetränkeflaschen! 

  • Tipp 1: Die meisten Bio-Hauszustellbetriebe liefern ihre Produkte in wiederverwendbaren Kisten. Sie werden bei der nächsten Lieferung wieder abgeholt und erneut verwendet.
  • Tipp 2: Viele KonsumentInnen haben vergessen, dass die Wasserqualität in Österreich ausgezeichnet ist. Leitungswasser ist preiswert und spart das Schleppen schwerer Flaschen. Kohlensäure-Fans machen sich ihr Sprudelwasser mit Soda- oder Siphonflasche selbst. Und mit Dicksäften, die es auch in Bio-Qualität gibt, kann man sich viele Liter Limonade oder Saft nach Geschmack mixen.

3. Biologisch abbaubare Verpackungen

Papier, Pappe, Karton, Holz oder Baumwolle sind erneuerbare Rohstoffe und zu 100% biologisch abbaubar. Auch aus Mais oder Kartoffeln werden mittlerweile Verpackungsmaterialien hergestellt.

Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn bei Kunststoffen aus Mais oder Kartoffeln kann es jedoch zu ähnlichen Problemen führen wie bei Agrotreibstoffen. Nämlich wenn Agrarflächen nicht mehr für die  Lebensmittelproduktion zur Verfügung stehen. Dies könnte zur Erhöhung der Preise für Lebensmittel oder zu Lebensmittelknappheit führen, was vor allem die Situation bedürftiger Menschen verschlechtern würde. Zudem besteht die Gefahr, dass Gentech-Pflanzen eingesetzt werden, wie beispielsweise die "Amflora"-Kartoffel, die besonders stärkehältig sein soll. 

Besser wären Verpackungsmaterialien, die aus Pflanzenabfällen hergestellt werden, die nicht als Nahrungsmittel geeignet sind (z. B. aus Stengeln von Pflanzen). Aber auch hier ist zu beachten, dass die Herstellung von Kunststoffen ausl solchen Materialien mit Energie benötigt.  

Optimal wäre, wenn auch solche Verpackungen möglichst häufig wiederverwendet werden und nicht sofort nach Gebrauch in der Mülltonne landen.

4. Fossile Kunststoffe

Kunststoffe werden aus nicht erneuerbaren Rohstoffen wie Erdöl hergestellt. Sie benötigen bereits bei der Produktion große Mengen Energie. Manche Kunststoffe wie PVC können überdies sehr problematisch sein. Es werden bereits während der Produktion gefährliche Chemikalien freigesetzt, die sich auch bei der Verwendung aus diesen Stoffen lösen können. 

5. Glas, Alu und andere Metalle

Verpackungen aus Einwegglas, Alu und anderen Metallen wie Weißblech benötigten im Vergleich zu anderen Verpackungsmaterialen wesentlich  mehr Energie bei der Produktion. Es wäre daher wichtig, dass diese Rohstoffe für andere Zwecke, beispielsweise langlebige Produkte, eingesetzt werden. Besonders hoch ist der Energieverbrauch zur Herstellung von Aluminium. Diätlimonaden haben heute oft nur ein paar Kalorien, während zur Herstellung einer Getränkedose aus Aluminium rund 7.500 Kalorien erforderlich sind.

6. Unnötige Überverpackungen

Einige Hersteller verpacken ihre verpackten Produkte ein zweites Mal. Das ist ein ökologischer wie ökonomischer Unsinn. Vielen KonsumentInenn ist nicht klar, dass sie mit dem Kauf solcher Produkte mehrfach zur Kasse gebeten werden: Mit dem Produkt zahlen sie die unnötige Überverpackung, zu Hause müssen sie über ihre Müllgebühren die Entsorgung dafür bezahlen und drittens unterstützen sie mit dem Kauf solcher Produkte die Philosophie eines unökologischen Herstellers.

Das kannst du tun:

  • Vermeide Verpackungen, wo es geht. Wer die Wahl hat sollte dort einkaufen, wo es möglichst unverpackte Lebensmittel gibt.
  • Unnötig sind auch die Kunststoffsackerl an der Kasse. Nimm zum Heimtransportieren der Produkte deine eigenen Tragetaschen oder Körbe mit. Für größere Einkäufe sind Trolleys (große Einkaufstasche mit zwei Rädern), Handwagen, Fahrradkörbe oder -anhänger praktisch.
  • Öko-Hersteller sind bei der Auswahl der Verpackungsmaterialien oft nicht vorbildlicher als konventionelle Hersteller. Schreibe den Firmen, die deine Lieblingsprodukte herstellen, dass du dir ökologischere Verpackungsmaterialien wünscht. Die Kontaktadressen zu vielen Herstellern findest du in der Firmensuche der marktcheck.at Produktdatenbank.
  • In der marktcheck.at Produktdatenbank sind Lebensmittel, Getränke und Kosmetika nach Ökologie, Tierschutz und sozialen Aspekten bewertet. Teil der ökologischen Bewertung von Produkten ist die Bewertung der Verpackung des jeweiligen Produktes (in der Detailansicht eines Produktes abrufbar).
  • Produktverpackungen weiternutzen, z. B. Marmeladegläser für Lebensmittel wie die eigene Marmelade, Gewürze oder Kleinkram wie Gummiringerl oder Schrauben. Damit spart man sich den Kauf von Behältnissen zum Ordnen und Sortieren. Mit kreativem bastlerischem Geschick können manche Produktverpackungen auch zu schönen Geschenkverpackungen oder für andere nützliche Zwecke weiterverwendet werden.

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