Ananas

Skandalöse Methoden im Ananasanbau

Infoseite - 23 Jänner, 2013
Ein Report von GLOBAL 2000 deckt skandalöse Methoden im Ananasanbau in Costa Rica auf. Die Umweltschutzorganisation fordert die Einführung von biologisch erzeugten und fair gehandelten Ananas in heimischen Supermärkten.

Gerade vor Feiertagen boomt der Konsum von Ananas. Der steigende Ananaskonsum hat aber fatale Auswirkungen auf Mensch und Natur. Dies zeigt der aktuelle Ananas-Report der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert GLOBAL 2000 umfassende Recherchergebnisse aus Costa Rica, dem Hauptlieferanten von Ananas.

"Die Ananasproduktion

  • zerstört Regenwald,
  • gefährdet die Biodiversität und
  • verunreinigt wegen des hohen Pestizideinsatzes Flüsse

und so auch das Trinkwasser zahlreicher Dörfer Costa Ricas", berichtet Lisa Kernegger, Pestizidexpertin von GLOBAL 2000. "Die Arbeitsbedingungen auf den Ananasplantagen sind

  • extrem hart,
  • schlecht bezahlt und wegen des hohen Pestizideinsatzes obendrein
  • stark gesundheitsgefährdend",

fasst Kernegger die aktuellen Rechercheergebnisse von GLOBAL 2000 zusammen.

Der Ananaskonsum in Österreich und Europa ist auf Grund der Ananas zugeschriebenen schlank machenden Wirkung in den letzten Jahren stark angestiegen. Die Ananas-Monokulturen umfassten 2005 bereits 25.000 Hektar Land in Costa Rica. Um die Anbauflächen zu vergrößern, kommt es immer wieder zu illegalen Abholzungen von Primärwäldern. Das wiederum führt regional zu einer Austrocknung der Flüsse, wodurch sich das Mikroklima verändert. Die Folgen sind der Anstieg der Bodentemperatur, starke Erosion und generelle Austrocknung der Region. Durch den Verlust von Primärwäldern und des veränderten Mikroklimas wird auch die Artenvielfalt bedroht.

Auch Trinkwasser ist betroffen

Traurige Beispiele, welche Auswirkungen die Ananasproduktion auf die Bevölkerung haben kann, sind die Dörfer Milano, Cartagena und Cairo. "Um die Anbaufläche bis ins Kleinste auszunutzen, wurden Ananas bis ans Ufer von Gewässern gepflanzt, was zu einer Verschmutzung dieser Gewässer mit Pestiziden führte. Die Folge ist, dass Trinkwasser mit Tankwägen ins Dorf gebracht werden muss, weil das Wasser der örtlichen Wasseranlage mit den Pestiziden Bromacil, Diuron und Triadimefon verunreinigt ist", berichtet Kernegger. In der Schule von Cartagena, die sich illegaler Weise nur ein paar Meter von den Ananasplantagen befindet, hängt ständig der Geruch von Pestiziden in der Luft. SchülerInnen klagen über Kopfschmerzen und Übelkeit.

Die Arbeit auf den Plantagen ist hart und gefährlich. Meist werden Pestizide ohne die nötige Schutzkleidung ausgebracht. Pestizide, die in Europa bereits verboten sind, kommen im Ananasanbau in Costa Rica noch zur Anwendung; wie etwa das Herbizid Paraquat, das akut toxisch ist (schon ein Teelöffel voll Paraquat stellt eine tödliche Dosis dar). GLOBAL 2000 traf einen Arbeiter, der durch das Ausbringen von Pestiziden ohne Schutzkleidung Verätzungen an den Beinen und damit verbunden starke Schmerzen erlitten hat.

Schlechte Arbeitsbedingungen

ArbeiterInnen arbeiten oftmals bis zu 12 oder mehr Stunden und sind den ganzen Tag der Sonne oder dem Regen ausgesetzt, da sich auf den Ananasfeldern weder Bäume noch Unterstände befinden. "Die ArbeiterInnen müssen am Feld essen, oftmals haben sie nicht einmal die Möglichkeit, das Feld zur Verrichtung der Notdurft zu verlassen. Immer wieder kommt es zu sexuellen Übergriffen an Frauen, die in der Verpackungshalle arbeiten", erzählt Kernegger. Der Lohn beträgt durchschnittlich etwa 0,75 Euro pro Stunde. Um Sozialabgaben zu umgehen, werden ArbeiterInnen häufig nur für zwei bis drei Monate beschäftigt, dann entlassen und von einem anderen Subunternehmer wieder für einen Monat beschäftigt. Die ArbeiterInnen haben durch diese Praxis keinen Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn, geschweige denn Sicherheiten und Garantien.

Auch die den KonsummentInnen auf der anderen Seite der Welt versprochenen Wunderkräfte der Ananas lassen sich nicht nachweisen: "Der Verzehr von Ananas ist vielleicht ein lukullischer Genuss, hilft aber nicht im Körper Fett abzubauen. Auch der vielfach zitierte "hohe Gehalt an Vitamin C" bestätigt sich nicht. Vergleicht man eine Scheibe Ananas (100 g) mit einem kleinen Apfel (100 g) so liefert dieser in etwa die gleiche Menge an Vitamin C und Energie", erklärt Mag.a Barbara Klamper, Diätologin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien.

GLOBAL 2000 fordert aufgrund der skandalösen Produktionsmethoden von Ananas alle österreichischen Supermärkte auf, ihr Sortiment um biologische und fair gehandelte Ananas zu erweitern. "Ananas ist kein Grundnahrungsmittel, sondern ein Luxus. Wenn man sich diesen Luxus leistet, sollte man dies nicht auf Kosten der Umwelt und der Gesundheit der Plantagenarbeiter machen", betont Kernegger. "Jede Österreicherin und jeder Österreicher sollte die Möglichkeit haben, Bio/FairTrade-Ananas zu kaufen und mit dem Kauf die Umwelt und die Lebensbedingungen der Menschen in den Produktionsländern positiv zu beeinflussen", fordert Kernegger sowohl Supermärkte als auch KonsumentInnen auf.

Was du tun kannst:

  • Jene, die gerne Ananas essen, sollten beim nächsten Besuch im Supermarkt nach fairen Bio-Ananas fragen. Je mehr KonsumentInnen nachfragen, desto schneller werden die Supermärkte reagieren und solche Produkte auch anbieten.

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Quelle: GLOBAL 2000

Download Ananas-Report:

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