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Radioaktivität in Lebensmitteln

Greenpeace informiert über die Hintergründe

Infoseite - 23 Jänner, 2013
Fukushima in Japan hat aufgrund der Atomkatastrophe traurige Berühmtheit erlangt. Greenpeace hat mehr als 40 km rund um den Unglücksort immer wieder erhöhte Strahlenbelastung nachgewiesen. Doch neben der Strahlung werden auch radioaktive Partikel freigesetzt, die nach dem Reaktor-Unfall in Tschernobyl bis nach Österreich und in unsere Nahrung gelangt sind.

Auswirkungen von radioaktiver Strahlung

Radioaktive Strahlung kann lebende Zellen schädigen oder zerstören. Außerdem verursacht sie Schäden an der Erbsubstanz DNA, was zu Mutationen und Krebs führen kann. In sehr hohen Dosen wie sie z.B. in unmittelbarer Umgebung des havarierten Atomkraftwerks in Fukushima herrschen, kann radioaktive Strahlung auch Gewebe zerstören und die sogenannte Strahlenkrankheit verursachen. Die Symptome reichen von Übelkeit und Schwindel über Hautverbrennungen bis zu inneren Blutungen und führen unbehandelt je nach Schweregrad bis zum Tod.

Verstrahlung von Lebensmitteln

Erhöhte Radioaktivität wurde nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl auch in Österreich gemessen, nachdem radioaktive Elemente in Wolken transportiert wurden und über weiten Teilen Europas abregneten. Die strahlenden Partikel lagerten sich einerseits direkt auf Blättern und Grashalmen ab, verseuchten auf der anderen Seite aber auch das Erdreich, über das sie dann von den Pflanzen aufgenommen wurden.
Fressen Nutztiere wie z.B. Kühe in weiterer Folge radioaktiv verseuchtes Gras, ist auch deren Milch sowie Fleisch radioaktiv belastet.

Die drei relevanten radioaktiven Elemente in diesen Partikeln sind

  • Jod-131,
  • Cäsium-137 und
  • Strontium-90

Jod-131 und seine Halbwertszeit

Jod-131 hat eine relativ kurze Halbwertszeit von 8 Tagen, das bedeutet, dass nach 8 Tagen bereits die Hälfte des radioaktiven Jods zerfallen ist, und nach weiteren 8 Tagen nur noch ein Viertel übrig ist usw. Nach 80 Tagen (10 Halbwertszeiten) ist also faktisch alles Jod-131 zerfallen. Radioaktives Jod stellt daher vor allem in den ersten Monaten nach einem atomaren Unfall ein Problem dar.
Wird Jod-131 beispielsweise über die Nahrung und durch Einatmen (am Unfallort) aufgenommen, lagert es sich in der Schilddrüse ein. Die von Jod-131 ausgehende Strahlung, kann Zellen und die Erbsubstanz DNA in der Schilddrüse in großem Ausmaß schädigen und dadurch Schilddrüsenkrebs auslösen.

Einnahme von Jodtabletten

Um der Anreicherung von radioaktivem Jod und somit der Schilddrüsenkrebsgefahr entgegenzuwirken, wird im Ernstfall für Kinder und Erwachsene bis 45 die vorbeugende Einnahme von Kaliumjodidtabletten empfohlen. Dadurch wird quasi bereits so viel nicht-radioaktives Jod in die Schilddrüse eingelagert, dass kaum mehr Jod-131 aufgenommen wird.

Das Medikament soll nur nach ausdrücklicher Anweisung durch die Behörden eingenommen werden, da es auch schwerwiegende Nebenwirkungen wie Schilddrüsenüberfunktion (begleitet von Schweißausbrüchen und Zittern) auslösen kann und vereinzelt zu einer Schädigung der Schilddrüse führen kann.

Cäsium-137 und Strontium-90

Die beiden radioaktiven Isotope Cäsium-137 und Strontium-90 haben eine relativ lange Halbwertszeit von rund 30 bzw. 28 Jahren. 25 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl ist also noch nicht einmal die Hälfte dieser damals freigesetzten radioaktiven Stoffe zerfallen. Sowohl Cäsium-137 wie auch Strontium-90 verbleiben dabei über Jahrzehnte in den obersten Humusschichten, wie die Erfahrung nach Tschernobyl zeigt. 

Beide Elemente führen eine radioaktive Verstrahlung im menschlichen Körper und können Krebs auslösen. Strontium-90 geht auch in großen Mengen in Muttermilch über.

25 Jahre nach Tschernobyl: kontaminierte Lebensmittel

Bedingt durch das Abregnen radioaktiver Partikel, die vom Unglücksreaktor in Tschernobyl stammten, können auch heute noch in vielen Teilen Europas erhöhte Cäsium-137-Werte festgestellt werden.

2010 weist noch immer jedes fünfte im Bayrischen Wald geschossene Wildschwein mehr als 600 Bq/kg auf - da die Wildschweine mit Vorliebe die stark mit Cäsium-137 kontaminierten Hirschtrüffel fressen. Der Verzehr dieser Wildschweine ist daher nicht möglich.

Grenzwerte von Cäsium-137 in Lebensmitteln

Die radioaktive Kontamination von Lebensmitteln wird in Becquerel angegeben. 1 Becquerel entspricht dabei einem radioaktiven Zerfall pro Sekunde.
In Japan gelten für Lebensmittel Grenzwerte für Cäsium-137 von

  • 300 Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg) und
  • 100 Bq/kg bei Babynahrung.

In der EU gelten höhere Grenzwerte von

  • 370 Bq/kg für Milchprodukte und Babynahrung sowie von
  • 600 Bq/kg für andere Lebensmittel

Neue Grenzwerte aufgrund Atomunfall in Japan

Im Falle eines nuklearen Unfalls treten in der EU jedoch automatisch erhöhte Grenzwerte für Cäsium-137 von 400 Bq/kg für Babynahrung, 1000 Bq/kg bei Milchprodukten sowie 1250 Bq/kg für sonstige Lebensmittel in Kraft.

Zusammenfassung zum Downloaden:

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