Fragen & Antworten zu Mehrweg

Häufigste Fragen zu Mehrweg

Infoseite - 23 Jänner, 2013
Mehrweg ist die umwelt- und klimafreundlichste Getränkeverpackung. Trotzdem sinkt das Angebot an Mehrweg von Jahr zu Jahr. marktcheck.at informiert über den Hintergrund dieser Entwicklung und beantwortet die häufisten Fragen.

Was sind Mehrweggetränkeflaschen?

Das sind Getränkeflaschen aus Glas oder Kunststoff (zumeist PET = Polyethylenterephthalat). Beim Kauf wird ein Pfandbetrag eingehoben, der bei Rückgabe der Pfandflasche im Supermarkt wieder rückerstattet wird. Die Flasche gelangt vom Supermarkt wieder zurück zum Abfüllbetrieb, wird dort gereinigt, wieder befüllt und gelangt wieder in den Handel.

Gibt es auch Einwegflaschen mit Pfand?

Ja. Es handelte sich dabei um die Vöslauer 1 Liter-Flasche, eine sogenannte „Zweiwegflasche“. Die alten, nur ein Mal verwendeten Flaschen, werden von Vöslauer zerkleinert und daraus wird Kunststoffgranulat erzeugt. Um daraus eine neue Flasche zu produzieren, muss Vöslauer jedoch mindesten 50% neues Kunststoff-Material hinzufügen.

Greenpeace hat aufgezeigt, dass solche Produkte teilweise im Handel fälschlich mit „Mehrweg“ gekennzeichnet sind, obwohl diese Flaschen nicht wieder befüllt werden!

Pfand bedeutet daher nicht gleich Mehrweg und nicht gleich umweltfreundlich.

Wie hoch ist der Anteil an Mehrweggetränken in Österreich?

Die Gesamtmehrwegquote ohne Gastronomie war in Österreich im Jahr 2007 nur noch 24 %. Das bedeutet, dass drei Viertel (76 %) der im Handel erhältlichen Getränke in Einwegverpackungen abgefüllt wurden.

Zwei freiwillige Selbstverpflichtungen der österreichischen Getränkewirtschaft und der Wirtschaftkammer (WKO 2001 bis 2004 und "Nachhaltigkeitsagenda" von 2005 bis 2007) haben den Niedergang von Mehrweg weder gebremst oder aufgehalten.

Wie oft werden Mehrwegflaschen befüllt?

  • Kunststoffflaschen werden rund 20 Mal,
  • Glasflaschen werden rund 40 Mal wieder befüllt.

Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte.
Einige Abfüller verwenden ihre Glasflaschen so oft bis sie unbrauchbar sind. Das kann sogar 100 Mal sein. 

Die Stoffflüsse im Mehrwegsystem zeigt die Grafik links im Bild. Um das Bild zu vergrößern einfach darauf klicken.

Wieviel Neumaterial braucht eine Glasflasche?

Zur Erzeugung von neuen Flaschen ist immer auch neues Material erforderlich, im Durchschnitt ist 40% Neumaterial erforderlich. Auch wenn die Einwegflaschen recycelt werden, fällt 40% Abfall an. In jedem Fall ist dies mit einem zusätzlichen Transport- und Energieaufwand verbunden, der bei Mehrwegsystemen wegfällt.

Siehe auch Grafik Stoffflüsse des Glas-Einwegsystems links.

Die Einweg- und Mehrweg-Grafiken können auch als pdf downgeloadt werden (2 Seiten, zum Betrachten wird der Adobe Reader benötigt). 

Welche Getränkeverpackungen haben welche Wirkung aufs Klima?

  • Eine Einwegflasche aus Kunststoff (z. B. für Mineralwasser, Limonade und Fruchtsaft) verursacht um über die Hälfte mehr CO2-Emissionen als eine Mehrwegflasche aus Kunststoff.
  • Eine Einwegdose aus Alu (z. B. bei Bier) verursacht
    drei Mal so hohe CO2-Emissionen
    wie eine Mehrwegglasflasche.
  • Eine Einwegflasche aus Glas verursacht
    fünf Mal mehr CO2-Emissionen
    wie eine Mehrwegglasflasche.


80% der Emissionen von Getränkeverpackungen stammen von Einwegverpackungen. Würden sämtliche Getränke in Österreich auf Mehrweg umgestellt, könnten die CO2-Emissionen um 44% auf 232.376 Tonnen gesenkt werden. Das entspricht etwas mehr als der Hälfte der Emissionen der Stadt St. Pölten. Und damit können Mehrwegflaschen auch zum Klimaschutz beitragen.

Haben Mehrweggebinde einen höheren Wasserverbrauch als Einweggebinde?

Nein. Wasser wird üblicherweise nicht wie andere Ressourcen „verbraucht“, solange es nicht mit problematischen Chemikalien verunreinigt und damit unbrauchbar gemacht wird. Zur Reinigung der Mehrwegflaschen ist Wasser erforderlich. Die Menge des Wassers kann durch den Einsatz sparsamer Technologien reduziert werden, beispielsweise auf 0,25 Liter pro Liter Füllgut. Mittels moderner Filtersysteme kann das Reinigungswasser aufbereitet und danach wieder dem Wasserkreislauf zugeführt werden.

Wer verhindert Mehrweg?

Der Rückgang von Mehrweg ist vor allem aufgrund der massiven Initiative einiger internationaler Getränke-Großbetriebe, von Verpackungsherstellern, von einigen Handelsbetrieben nicht zuletzt von Firmen, die mit Verpackungsmüll sehr gute Geschäfte machen, zurückzuführen.
Diese haben aus verschiedenen Gründen kein Interesse an Mehrweg:

  • Das Geschäftsinteresse der Verpackungshersteller ist nicht Vermeidung und Reduktion von Getränkeverpackungen, sondern der Verkauf von immer mehr Verpackungsmaterial.
  • Der österreichische Lebensmitteleinzelhandel ist der zahlenmäßig größte Arbeitgeber des Landes. Mehrweg verursacht höheren Manipulationsaufwand und benötigt damit mehr Personal.
  • Obwohl die Getränkehersteller durch Mehrweg Kosten einsparen würden haben sich vor allem die großen Getränkehersteller in den letzten Jahren den Wünschen des Handels gebeugt und bieten nur noch Getränke in Einwegflaschen an.


Die Argumente verschiedener Handelsbetriebe zum Thema Mehrweg und die Kommentare von Greenpeace, können auf marktcheck.at bei „Ich will Mehrweg!“ nachgelesen werden.

Warum zahlen die KonsumentInnen bei Einweg drauf?

KonsumentInnen werden für Einwegflaschen im schlimmsten Fall dreifach zur Kasse gebeten:

  1. Beim Kauf von Einwegflaschen durch höhere Kosten für die Getränke, weil Einwegflaschen in der Herstellung teurer kommen als Mehrwegflaschen
  2. Durch die zusätzliche ARA-Lizenzgebühr, die im Rahmen des Getränkeverkaufspreis von den KonsumentInnen mitbezahlt werden muss
  3. Aufgrund der steigenden Zahl an Einwegflaschen, die nicht in der getrennten Sammlung, sondern im Restmüll oder gar in der Umwelt entsorgt werden muss immer häufig die Allgemeinheit, also wir alle durch höhere Müllgebühren dafür aufkommen.

Welche Rolle hat Greenpeace beim Thema Mehrweg?

Mehrwegflaschen sind die umweltfreundlichsten Getränkeflaschen und daher setzt sich Greenpeace für die Förderung von Mehrwegflaschen ein. Greenpeace stellt auf www.marktcheck.at Informationen zum Thema zur Verfügung und hat Untersuchungen zur Bedeutung von Mehrweggetränke in den Supermärkten durchgeführt. 2009 hat Greenpeace die Mitmach-Möglichkeit „Ich will Mehrweg!“ ins Leben gerufen.

Welches politisches Ziel wäre erforderlich?

Es müssen verbindliche gesetzliche Rahmenbedingungen für Mehrweggetränkeflaschen geschaffen werden. Das von der Arbeitsgruppe im Lebensministerium entwickelte „Öko-Bonus Modell“ wäre eine gute Möglichkeit, der Handel kostenneutral dazu motivieren, einen höheren Anteil an Mehrwegflaschen anzubieten.

Weiterlesen auf marktcheck.at:

Themen
Tags