Fragen & Antworten zu Mehrweg

Häufigste Fragen zu Mehrweg

Infoseite - 23 Jänner, 2013
Mehrweg ist die umwelt- und klimafreundlichste Getränkeverpackung. Trotzdem sinkt das Angebot an Produkten mit Mehrwegverpackung von Jahr zu Jahr. marktcheck.at informiert über den Hintergrund dieser Entwicklung und beantwortet die häufigsten Fragen.

Was sind Mehrweggetränkeflaschen?

Das sind Getränkeflaschen aus Glas oder Kunststoff (zumeist PET = Polyethylenterephthalat). Beim Kauf wird ein Pfandbetrag eingehoben, der bei Rückgabe der Pfandflasche im Supermarkt wieder rückerstattet wird. Die Flasche gelangt vom Supermarkt wieder zurück zum Abfüllbetrieb, wird dort gereinigt, wieder befüllt und gelangt wieder in den Handel.

Gibt es auch Einwegflaschen mit Pfand?

Ja. Es handelte sich dabei um die Vöslauer 1 Liter-Flasche aus Plastik, also um ein so genannte Zweiweg-System. Die alten, nur ein Mal verwendeten Flaschen, werden von Vöslauer zerkleinert und daraus wird Kunststoffgranulat erzeugt. Um daraus eine neue Flasche zu produzieren, muss Vöslauer jedoch mindesten 50% neues Kunststoff-Material hinzufügen.

Greenpeace hat aufgezeigt, dass solche Produkte teilweise im Handel fälschlich mit „Mehrweg“ gekennzeichnet sind, obwohl diese Flaschen nicht wieder befüllt werden!

Pfand bedeutet daher nicht gleich Mehrweg und nicht gleich umweltfreundlich.

Wie hoch ist der Anteil an Mehrweggetränken in Österreich?

Während der Mehrweganteil in den 1990ern in ganz Österreich noch bei rund 80 Prozent lag, ist er in den Folgejahren kontinuierlich gesunken. 2011 lag der Anteil bei Getränken bei rund 25 Prozent. 2013 bei 21,9 Prozent.
Eine Anmerkung: Der Mehrweganteil bei Getränkeverpackungen für den Lebensmittelhandel alleine wird nicht veröffentlicht, nur der Anteil in Handel und Gastronomie zusammen. In den Zahlen oben enthalten sind die Getränkearten Wasser, Bier, Limo, Fruchtsaft, Milch sowie der gesamte offenen Ausschank aus Fass und Container. (Der Mehrweganteil in Handel und Gastronomie ohne Fass und Container betrug 2011 nur 18,2 Prozent.)

Im Lebensmittelhandel ist der Mehrwegangebot bei Getränken sehr gering. In nennenswerter Auswahl erhältlich ist nur mehr die 0,5 l-Bierflasche bzw. Mineralwasser im Mehrweggebinde - auch leider auch nicht bei Hofer, Penny und Lidl. Aber selbst dort wo es Flaschenrückgabe-Automaten gibt, liegt der Anteil bei den Getränke - abgerechnet Bier und Mineralwasser - bereits bei unter einem Prozent!

Wie oft werden Mehrwegflaschen befüllt?

  • Kunststoffflaschen werden rund 20 Mal,
  • Glasflaschen werden bis zu 50 Mal wieder befüllt.

Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte. Einige Abfüller verwenden ihre Glasflaschen so oft bis sie unbrauchbar sind. Das kann sogar 100 Mal sein. 

Die Stoffflüsse im Mehrwegsystem zeigt die Grafik links im Bild. Um das Bild zu vergrößern einfach darauf klicken.

Wieviel Neumaterial braucht eine Glasflasche?

Zur Erzeugung von neuen Flaschen ist immer auch neues Material erforderlich, im Durchschnitt ist 40% Neumaterial erforderlich. Auch wenn die Einwegflaschen recycelt werden, fällt 40% Abfall an. In jedem Fall ist dies mit einem zusätzlichen Transport- und Energieaufwand verbunden, der bei Mehrwegsystemen wegfällt.

Siehe auch Grafik Stoffflüsse des Glas-Einwegsystems links.

Die Einweg- und Mehrweg-Grafiken können auch als pdf downgeloadt werden (2 Seiten, zum Betrachten wird der Adobe Reader benötigt). 

Welche Getränkeverpackungen haben welche Wirkung aufs Klima?

  • Eine Einwegflasche aus Kunststoff (z. B. für Mineralwasser, Limonade und Fruchtsaft) verursacht um über die Hälfte mehr CO2-Emissionen als eine Mehrwegflasche aus Kunststoff.
  • Eine Einwegdose aus Alu (z. B. bei Bier) verursacht
    drei Mal so hohe CO2-Emissionen
    wie eine Mehrwegglasflasche.
  • Eine Einwegflasche aus Glas verursacht
    fünf Mal mehr CO2-Emissionen
    wie eine Mehrwegglasflasche.


80% der Emissionen von Getränkeverpackungen stammen von Einwegverpackungen.
Ein Rechen-Bespiel mit Zahlen aus dem Jahr 2010: Hätte man damals sämtliche Getränke in Österreich auf Mehrweg umgestellt, wären die CO2-Emissionen um 44% auf 232.376 Tonnen gesenkt worden. Das entsprach der Hälfte der Emissionen der Stadt St. Pölten. Mehrwegflaschen können also sehr wohl zum Klimaschutz beitragen.

Haben Mehrweggebinde einen höheren Wasserverbrauch als Einweggebinde?

Nein. Wasser wird üblicherweise nicht wie andere Ressourcen „verbraucht“, solange es nicht mit problematischen Chemikalien verunreinigt und damit unbrauchbar gemacht wird. Zur Reinigung der Mehrwegflaschen ist Wasser erforderlich. Die Menge des Wassers kann durch den Einsatz sparsamer Technologien reduziert werden, beispielsweise auf 0,25 Liter pro Liter Füllgut. Mittels moderner Filtersysteme kann das Reinigungswasser aufbereitet und danach wieder dem Wasserkreislauf zugeführt werden.

Wer verhindert Mehrweg?

Der Rückgang von Mehrweg ist vor allem auf die Initiative einiger internationaler Getränke-Großbetriebe, von Verpackungsherstellern, von einigen Handelsbetrieben und nicht zuletzt von Firmen, die mit Verpackungsmüll sehr gute Geschäfte machen, zurückzuführen. Diese haben aus unterschiedlichen Gründen kein Interesse an Mehrweg:

  • Das Geschäftsinteresse der Verpackungshersteller ist nicht Vermeidung und Reduktion von Getränkeverpackungen, sondern der Verkauf von immer mehr Verpackungsmaterial.
  • Der österreichische Lebensmitteleinzelhandel ist der zahlenmäßig größte Arbeitgeber des Landes. Mehrweg verursacht höheren Manipulationsaufwand und benötigt damit mehr Personal.
  • Obwohl die Getränkehersteller durch Mehrweg Kosten einsparen würden haben sich vor allem die großen Getränkehersteller in den letzten Jahren den Wünschen des Handels gebeugt und bieten nur noch Getränke in Einwegflaschen an.

Warum zahlen die KonsumentInnen bei Einweg drauf?

KonsumentInnen werden für Einwegflaschen im schlimmsten Fall dreifach zur Kasse gebeten:

  1. Beim Kauf von Einwegflaschen durch höhere Kosten für die Getränke, weil Einwegflaschen in der Herstellung teurer kommen als Mehrwegflaschen
  2. Durch die zusätzliche ARA-Lizenzgebühr, die im Rahmen des Getränkeverkaufspreis von den KonsumentInnen mitbezahlt werden muss
  3. Aufgrund der steigenden Zahl an Einwegflaschen, die nicht in der getrennten Sammlung, sondern im Restmüll oder gar in der Umwelt entsorgt werden muss immer häufig die Allgemeinheit, also wir alle durch höhere Müllgebühren dafür aufkommen.

Welche Rolle hat Greenpeace beim Thema Mehrweg?

Mehrwegflaschen sind die umweltfreundlichsten Getränkeflaschen und daher setzt sich Greenpeace für die Förderung von Mehrwegflaschen ein. Greenpeace stellt auf www.marktcheck.at Informationen zum Thema zur Verfügung und hat Untersuchungen zur Bedeutung von Mehrweggetränke in den Supermärkten durchgeführt. 2009 hat Greenpeace die Mitmach-Möglichkeit „Ich will Mehrweg!“ ins Leben gerufen.

Welches politisches Ziel wäre erforderlich?

Das Modell der freiwilligen Selbstverpflichtung (WKO 2001 bis 2004 und die Zusatzvereinbarung 2011 zur "Nachhaltigkeitsagenda") in Österreich ist nicht zielführend, wie die seit Jahren rücklaufigen bzw. auf niedrigem Niveau stagnierenden Mehrweg-Anteile bei Getränkeverpackungen belegen.

Es müssen verbindliche gesetzliche Rahmenbedingungen für Mehrweggetränkeflaschen geschaffen werden. Das von der Arbeitsgruppe im Lebensministerium entwickelte „Öko-Bonus Modell“ aus dem Jahr 2010 wäre eine gute Möglichkeit, der Handel kostenneutral dazu motivieren, einen höheren Anteil an Mehrwegflaschen anzubieten.

Die LandesumweltreferentInnen fordern bereits seit mehreren Jahren „verbindliche und sanktionierbare Regelungen zum Erhalt und Ausbau von Mehrwegsystemen, insbesondere rechtliche Verankerung quantifizierbarer und messbarer Ziele für Mehrweg“. Das ist auch im Beschluss der LandesumweltreferentInnen-Konferenz 2014 festgehalten.

Beispiele aus anderen Ländern:
Seit dem 1. Januar 2003 gilt in Deutschland die Pfandpflicht für Einweg-Getränkeverpackungen. Seit dem 1. Mai 2006  umfasst sie Mineralwasser, Bier, Erfrischungsgetränke und alkoholhaltige Mischgetränke.
In Schweden wird bereits seit 1984 ein Pfand auf Dosen und seit 1994 auf Einweg-Kunststoffflaschen erhoben.
Dänemark hat im Oktober 2003 ebenfalls ein Einwegpfand eingeführt, nachdem die Europäische Kommission die bisherige Regelung kritisiert hat, nach der bestimmte Verpackungen (insbesondere Getränkedosen) vollständig verboten waren. 

Weiterlesen auf marktcheck.at:

Quelle: Greenpeace, die umweltberatung

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