Chemie in unberührter Natur

Publikation - 8 September, 2015
Greenpeace hat entlegene Gebirgsseen und Berggipfel in zehn Ländern auf drei Kontinenten besucht und Schnee- und Wasserproben genommen. Die vorliegende Studie belegt das Vorkommen umwelt- und gesundheitsgefährdender per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) in diesen Naturparadiesen.

PFC sind gefährliche Substanzen. Seit 60 Jahren werden sie weitgehend bedenkenlos verwendet und finden sich in vielen Konsumgütern. In der Outdoor-Bekleidungsindustrie werden sie für schmutz- und wasserabweisende Ausrüstungen eingesetzt. Einmal in die Umwelt freigesetzt, werden PFC nur sehr langsam abgebaut und verteilen sich über den gesamten Globus. Die Schadstoffe reichern sich in einsamen Bergseen an, sammeln sich in der Leber von Eisbären in der Arktis und im menschlichen Blut. Einige PFC schaden der Fortpflanzung, fördern das Wachstum von Tumoren und beeinflussen das Hormonsystem. In früheren Untersuchungen hat Greenpeace PFC im Abwasser von chinesischen Textilfabriken und in Speisefischen in China gefunden. Auch im Trinkwasser wurden PFC nachgewiesen. In Reports von 20125 und 20136,  hatte Greenpeace aufgezeigt, dass per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) aus Outdoor-Bekleidung durch Auswaschen oder Ausgasen freigesetzt werden können.

Mit der vorliegenden Studie belegt Greenpeace die globale Verbreitung dieser gefährlichen Chemikaliengruppe. Die Konzentrationen sind gering, aber die Messungen zeigen, dass sich in den Proben aller untersuchten Gegenden Spuren von PFC finden. Untersucht wurde Schnee, der im vergangenen Winter gefallen ist. Die Funde spiegeln also eine aktuelle Kontamination wieder. Dabei zeigt sich, dass auch die von der Industrie als ungefährlicher beworbenen sogenannten kurzkettigen PFC in Proben aller Standorte zu finden sind. In entlegenen Gebirgsseen haben die Greenpeace-Teams ebenfalls PFC gefunden. Diese PFC akkumulieren über mehrere Jahre im Wasser der Seen.

Die Outdoor-Industrie setzt große Mengen an PFC für ihre Produkte ein und ist zwar nicht die einzige, aber eine bedeutende Quelle für Verunreinigungen der Umwelt mit diesen Stoffen. Die Substanzen können bei der Herstellung, dem Transport, der Lagerung und der Nutzung freigesetzt werden, gelangen mit Abwässern aus Fabriken, aber auch aus der heimischen Waschmaschine in die Kanalisation. Längst nicht alle PFC lassen sich in Klärwerken herausfiltern. In die Luft oder in Asche gelangen sie, wenn PFC-haltige Produkte in der Müllverbrennung entsorgt werden oder durch das Ausgasen bestimmter PFC aus den Produktionsstätten, zu einem kleineren Teil auch aus den fertigen Produkten. Ins Grundwasser und in Oberflächengewässer können PFC auch gelangen, wenn sie aus Produkten ausgewaschen werden, die in Mülldeponien entsorgt wurden.

Besonders gefährlich sind toxische PFC wie PFOA und PFOS, sogenannte langkettige PFC. Auch wenn ihr Einsatz inzwischen vermieden wird, sagen Wissenschaftler das höchste Umweltvorkommen dieser Substanzen für etwa das Jahr 2030 voraus. Aufgrund ihrer Langlebigkeit sind diese PFC immer noch in hohen Konzentrationen überall vorhanden. Außerdem können sie ungewollt als Abbauprodukte aus Telomeralkoholen gebildet werden, die heute als Ersatzstoffe eingesetzt werden.

Greenpeace fordert die Bekleidungsindustrie mit seiner Detox-Kampagne seit dem Jahr 2011 auf, alle gefährlichen Chemikalien, inklusive der PFC, aus der Lieferkette zu verbannen. Unternehmen müssen kurzfristig mit konkreten Aktionsplänen eine drastische Reduzierung des PFC-Einsatzes einleiten und die Stoffe bis spätestens 2020 komplett aus der Produktion verbannen.

 

Detox-Manifest unterzeichnen

Wir sind ModefreundInnen, AktivistInnen, DesignerInnen und BloggerInnen aus aller Welt. Uns vereint die Überzeugung, dass schöne Mode die Umwelt nicht mit gefährlichen Chemikalien verschmutzen sollte. Werden Sie mit uns aktiv: Unterzeichnen Sie das Mode-Manifest!

 

Zum Report

Umweltgifte_Chemie_in_unberuehrter_Natur_201508

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