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Rote Karte für Adidas & Co

Greenpeace: Gefährliche Chemie in WM-Produkten

Publikation - 19 Mai, 2014
Greenpeace kritisiert den Einsatz von gefährlichen Chemikalien in Fußballartikeln und gibt Adidas, Nike und Puma dafür die Rote Karte. Bei dem Fußballschuh ‚Predator‘ von Adidas liegt die Belastung bei dem 14-fachen des von Adidas selbst festgesetzten Grenzwertes. Aber auch der offizielle WM-Ball ist belastet.

Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hat Greenpeace Deutschland Fußball-Schuhe, -Torwarthandschuhe, T-Shirts sowie den offiziellen WM-Ball „Brazuca“ untersuchen lassen. Wie die heute veröffentlichte Studie „Rote Karte für Sportmarken“ belegt, sind die Produkte von Adidas, Nike und Puma vielfach mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien belastet.

Gewinne im Schatten der WM in Brazilien

"Allein Adidas erwartet Rekordumsätze von zwei Milliarden Euro mit WM-Produkten. Was die Firma den Fans nicht sagt: Viele Schuhe und Handschuhe sind noch immer mit gesundheitsschädlichen Chemikalien belastet. Sie vergiften die Gewässer in den Produktionsländern. Es ist Zeit für eine rote Karte für Adidas – die Firma muss jetzt handeln", sagt Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace Deutschland.

Foules Spiel mit unserer Gesundheit

Die unabhängigen Laboratorien fanden in allen 33 Produkten von Adidas, Nike und Puma, gekauft auf drei Kontinenten, Schadstoffe wie perfluorierte Chemikalien (PFC), Nonylphenolethoxylate (NPE), Phthalate und Dimethylformamid (DMF). Diese Chemikalien können von den Produkten in die Umwelt oder die Nahrungskette gelangen. Einige dieser Stoffe stören das Hormonsystem, schädigen die Fruchtbarkeit oder können das Tumorwachstum fördern.

Adidas & Co im Abseits

17 von 21 Fußballschuhen enthielten ionische PFC, darunter auch PFOA. Diese Chemikalie ist noch nicht reguliert, ab Juni 2014 gilt in Norwegen der Grenzwert von 1 Mikrogramm pro Quadratmeter. Der Adidas Fußballschuh "Predator" enthielt 14,5 Mikrogramm dieser besonders gefährlichen PFC-Substanz; der Nike "Tiempo" Schuh kommt an zweiter Stelle mit 5,93 Mikrogramm PFOA pro Quadratmeter. PFOA kann das Immunsystem oder das Fortpflanzungssystem schädigen oder zu Erkrankungen der Schilddrüse führen.

Auch zwei von vier Torwarthandschuhen waren belastet:  Der "Predator" Handschuh von Adidas lag mit 2 Mikrogramm PFOA pro Quadratmeter ebenfalls über den Adidas-eigenen Grenzwerten. Während das Tragen dieser Kleidungsstücke nicht unmittelbar die Gesundheit schädigt, gelangen die Chemikalien von den Produkten und den Fabriken in Umwelt und Nahrungskette.

Schmutziges Spiel mit ‚Brazuca‘

Der offizielle WM-Ball "Brazuca" enthielt Nonylphenolethoxylat (NPE). Diese Chemikalie baut sich in der Umwelt zu Nonylphenol ab, das hormonell aktiv und giftig für Wasserorganismen ist. NPE wurde auch in 16 von 21 Fußballschuhen und zwei von vier Handschuhen gefunden, was eine weitverbreitete Nutzung der Chemikalie schließen lässt.

Dimethylformamid (DMF) kommt in allen 21 Fußballschuhen vor. Diese Substanz wird als Lösungsmittel in der Schuhproduktion eingesetzt, gilt aber als fortpflanzungsgefährdend und gesundheitsschädlich bei Hautkontakt. In dem Herstellungsland China sind zwei Drittel der Gewässer mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien verunreinigt.

Fußball-Produkte entgiften

Mit der Kampagne Detox (detox = englisch für "entgiften")hat Greenpeace bereits 20 Marken überzeugt, bis zum Jahr 2020 giftfrei zu produzieren, darunter auch Adidas, Nike und Puma. Doch Greenpeace-Untersuchungen zeigen immer wieder, dass Adidas und Nike sich hinter Papierversprechen des Branchenverbandes „Zero Discharge of Hazardous Chemicals Group“ (ZDHC) verstecken. Gleichzeitig haben Firmen wie H&M oder Mango bereits mit der Entgiftung begonnen.

Keep the game beautiful, Adidas!

Wer ins Team kommen und die Detox-Kampagne unterstützen möchte, kann dies auf www.detoxfootball.org tun und Adidas & Co die rote Karte zeigen.
"Im Namen der Fans und der betroffenen Menschen fordern wir Adidas und Nike auf, einen genauen PFC-Ausstiegsplan festzulegen sowie alle gefährlichen Chemikalien offenzulegen," sagt Santen.

umweltgifte_detox_fussball_2014