Greenpeace: Fukushima zeigt erneut Gefährdungspotential von Atomenergie

Bundesregierung muss sich auf EU-Ebene strikt gegen Atom-Renaissance einsetzen

Presseaussendungen - 19 März, 2013
Fukushima/Krško/Wien – Wie die Betreiberfirma TEPCO heute mitteilte, sind im havarierten Atomkraftwerk in Fukushima die Kühlsysteme für die Abkühlbecken ausgefallen. Die Firma versucht zu beschwichtigen, indem sie angibt, dass noch genügend Zeit verbleibe, um das Kühlsystem wieder zum Laufen zu bringen.

„Der erneute Störfall im AKW verdeutlicht wieder einmal, dass die Krise von Fukushima nicht vorbei ist und es jederzeit zu unvorhersehbaren Ereignissen in AKW kommen kann. TEPCO muss jetzt alles daran setzen, die Kühlsysteme sofort wieder hochfahren zu können“, beurteilt Julia Kerschbaumsteiner, Atomsprecherin bei Greenpeace, die derzeitige Situation nach einem Gespräch mit den Greenpeace-ExpertInnen in Japan.

Die Kühlsysteme der Abkühlbecken für abgebrannte Brennstäbe der Reaktoren 1, 3 und 4 sind seit gestern Abend unterbrochen. Schätzungen zufolge hat die Betreiberfirma TEPCO rund vier Tage Zeit, um das Kühlsystem des Abklingbeckens von Reaktor 4 wieder zum Laufen zu bringen, bevor dieses die Sicherheitsgrenze von 65 Grad erreicht. Bei den Abkühlbecken der Reaktoren 1 und 3 verbleiben nach der Auskunft von TEPCO rund zwei Wochen, bis diese kritischen Temperaturen erreicht sind. „Auch wenn noch genügend Zeit für das Hochfahren der Kühlsysteme bleibt, zeigt dieser Ausfall doch, wie verwundbar der gesamte nukleare Kreislauf ist. Und vor allem zeigt es, dass TEPCO das AKW Fukushima, den Ort der Katastrophe, nach wie vor nicht unter Kontrolle hat“, kritisiert Kerschbaumsteiner.

Dass allerdings auch europäische – teils vor den Grenzen Österreichs liegende – AKW in keiner Weise sicher sind, zeigt sich derzeit im slowenischen Atomkraftwerk Krško. Wie das französische Institut für nukleare Sicherheit IRSN jüngst veröffentlichte, gefährden mögliche Erdbeben den Standort, der für den Neubau eines weiteren Reaktors vorgesehen ist, massiv. „Diese neuen Erkenntnisse betreffen nicht nur den bereits bestehenden Reaktorblock Krško 1, sondern müssen vor allem für den geplanten Neubau des Reaktors 2 berücksichtigt werden. Der Bau eines zweiten Reaktors in einem erdbebengefährdeten Gebiet muss mit aller Kraft verhindert werden“, so die Greenpeace-Sprecherin.

Trotz der Anfälligkeit von Atomkraftwerken und den Sicherheitsrisiken, die weltweit von ihnen ausgehen, stemmt sich eine Reihe von europäischen Ländern weiter gegen die notwendige Abkehr von Atomenergie. So hat sich eine Allianz von zwölf Ländern, darunter Großbritannien und Frankreich, in der vergangenen Woche dezidiert für eine Weiterverfolgung des nuklearen Weges innerhalb der EU ausgesprochen. „Wir sehen derzeit einen Trend in Richtung einer Renaissance der Atomkraft. Diese muss die österreichische Bundesregierung mit aller Kraft auf EU-Ebene bekämpfen, indem sie sich gegen den Vorstoß der pro-nuklearen Länder wehrt, so genannte CO2-arme Technologien unter Einbeziehung von Atomkraft als Zukunftstechnologie in die Energiepolitik der EU aufzunehmen. Dazu braucht es starke Partner, wie etwa Deutschland und Italien. Europa darf sich nicht für weitere Jahrzehnte in eine Abhängigkeit von schmutziger, hochriskanter Atomenergie begeben“, so Kerschbaumsteiner weiter. Österreich trägt – als Vorreiter im Kampf gegen Atomkraft – die Verantwortung, seinen Weg der Atomfreiheit auf europäischer Ebene fortzusetzen und diesen auch von anderen EU-Ländern einzufordern.

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