Greenpeace zu Bohunice, Mochovce & Co: Atomkraft rechnet sich nicht

Atomindustrie laufen die Investoren davon

Presseaussendungen - 5 Dezember, 2012
Bratislava/Wien – „Atomkraft rechnet sich wirtschaftlich nicht“, stellt Atomsprecherin Julia Kerschbaumsteiner klar, nachdem bekannt geworden war, dass es nicht nur in Mochovce und in Flamanville finanzielle Probleme gibt, sondern dass sich auch beim Bauvorhaben des AKW Bohunice die tschechische Betreiberfirma ČEZ aus dem Projekt zurückziehen möchte. „In ganz Europa laufen der Atomindustrie die Investoren davon. Als Grund dafür wird nun offen die Unwirtschaftlichkeit dieser Giga-Projekte genannt. Damit muss die Atomindustrie eingestehen, dass Konstruktion und Bau von Atomreaktoren ein absolutes Negativgeschäft darstellen und aus ökonomischer Sicht nicht verantwortbar sind”, so Kerschbaumsteiner.

Wie eine Sprecherin von Slovenské elektrárne – ENEL angekündigt hat, kann das Unternehmen weder Zeitpläne noch Kostenkalkulation für die Fertigstellung der beiden Reaktoren Mochovce 3 und 4 einhalten. So verzögert sich die Inbetriebnahme um weitere 1,5 bis zwei Jahre, damit schnellen die Baukosten in die Höhe. Der Konzern hat bei der slowakischen Regierung um zusätzliche Mittel für die Fertigstellung des Atomkraftwerks Mochovce angesucht, wie Ministerpräsident Robert Fico bestätigte. Weiters erklärte er, dass sich die tschechische Betreiberfirma ČEZ aus den Bauvorhaben im AKW Bohunice in der Westslowakei zurückziehen will.

Dass Atomenergie ohne die massive finanzielle Unterstützung durch staatliche Mittel absolut nicht konkurrenzfähig ist, zeigt sich an den Förderungen, von denen Slovenské elektrárne - ENEL seit Jahren profitiert. So zahlt der Stromkonzern seit 2006 und voraussichtlich bis 2014 keine Dividenden an den Staat. Schätzungen zufolge hat die Slowakei bereits 490 Millionen Euro verloren. „Die Atomindustrie ist ohne die finanzielle Unterstützung mit öffentlichen Mitteln nicht überlebensfähig. Indirekte Beihilfe, wie etwa steuerliche Begünstigungen, oder die Übernahme der Haftung für Schäden und Unfälle werden auf die SteuerzahlerInnen abgewälzt. Diese sollen nicht nur die Unfallkosten tragen, sondern auch vermehrt den Bau von neuen Risikoanlagen finanzieren, nachdem ein Investor nach dem anderen lieber die Hände davon lässt“, so die Atomsprecherin.

„Seit mehr als 60 Jahren fließen Unsummen in die Atomindustrie, mit dem Versprechen sichere und günstige Energie liefern zu können. Das stimmt einfach nicht. Mochovce, Bohunice & Co sind ein weiterer Beweis dafür, dass Atomenergie keine Zukunftsenergie ist. Erneuerbare Energiequellen sind der einzig gangbare Weg, um unseren Verbrauch langfristig sicher und kostengünstig zu gestalten. Ein sicheres AKW gibt es schlicht und einfach nicht”, schließt Kerschbaumsteiner.

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