Greenpeace: EU-Mercosur-Abkommen schadet Umwelt und bedroht heimische Landwirtschaft | Greenpeace Austria

Greenpeace: EU-Mercosur-Abkommen schadet Umwelt und bedroht heimische Landwirtschaft

Umweltschutzorganisation fordert Stopp der Verhandlungen

Presseaussendungen - 19 Februar, 2018
Wien/Asunción – Greenpeace äußert ernste Bedenken bezüglich des geplanten Handelsabkommens zwischen den südamerikanischen Mercosur-Staaten und der EU und fordert einen Stopp der Verhandlungen. Das geplante Abkommen würde sich nicht nur negativ auf die Umweltsituation in Südamerika auswirken, sondern auch den Bäuerinnen und Bauern, den KonsumentInnen und der Umwelt in Europa massiv schaden, so die Umweltschutzorganisation. Heute startet die nächste Verhandlungsrunde zum Abkommen im paraguayischen Asunción, schon demnächst könnte es zum Abschluss kommen.

„Die Handelsschranken zwischen der EU und Mercosur sollen ohne Rücksicht auf Umwelt- und Sozialstandards fallen. Wieder ist das europäische Vorsorgeprinzip nicht Teil des Vertrages. Dabei hat etwa der brasilianische Gammelfleisch-Skandal aus dem letzten Jahr erst eindrücklich gezeigt, wie wichtig dieses Prinzip sowie entsprechende Kontrollen sind“, betont Jens Karg, Handelsexperte bei Greenpeace in Österreich. Die hohen europäischen Umwelt- und Konsumentenschutzstandards kämen durch das Abkommen in Gefahr. „Die EU-Kommission hat in dieser Hinsicht nichts aus CETA und TTIP gelernt. Dabei liegt der Umfang des geplanten Mercosur-Abkommens sogar in etwa beim Achtfachen des CETA-Abkommens“, sagt Karg.

Großer Verlierer wäre außerdem die heimische Landwirtschaft, so Greenpeace. Schon heute importiert Europa 334.000 Tonnen Rindfleisch aus Dritt-Staaten. „Bei einer Ausweitung der Quote stünde die heimische Weidehaltung vor dem sicheren Aus. Mit einer spottbilligen Produktionsweise, die keine Rücksicht auf Mensch und Umwelt nimmt, können unsere Bäuerinnen und Bauern nicht mithalten“, so Karg.

Auch in den Mercosur-Staaten selbst würde das Abkommen massiven Schaden anrichten. In Brasilien etwa findet ein Großteil der Nutztierhaltung auf gerodeten Regenwaldflächen statt. Wenn Fleischproduzenten ihre Produktion deutlich steigern, hätte dies fatale ökologische Folgen. Die Abholzung des Regenwaldes und die Landnutzung für Rinderfarmen ziehen eine massive Steigerung von Treibhausgas-Emissionen nach sich. „Aber auch die Produktion und der Export von Zuckerrohr, Soja und Ethanol geht mit einer katastrophalen Abholzung des Amazonas, der Vergiftung von Mensch und Natur durch Pestizide, Landvertreibungen und neuen Formen der Sklaverei einher“, warnt Karg.

Es brauche Handelsabkommen, die höhere Umweltstandards, bessere Lebensmittelkennzeichnung, bessere Tierhaltungsbedingungen und umweltfreundlichere Landwirtschaft in den Mittelpunkt stellen, so der Greenpeace-Sprecher. „Leider sind wir davon beim Mercosur-Abkommen, wie auch bei CETA,  weit entfernt.  Im Interesse von Mensch und Umwelt muss dieses Abkommen daher umgehend gestoppt werden“, so Karg.