Greenpeace: Antibiotika-Einsatz jetzt reduzieren

Umweltschutzorganisation fordert starke Reduktionspläne, besonders in Tierhaltung

Presseaussendungen - 17 November, 2015
Wien – Der massive Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung und in der Humanmedizin muss deutlich reduziert werden, betont die Umweltschutzorganisation Greenpeace anlässlich des morgigen Europäischen Antibiotikatages und fordert klare Reduktionspläne von der Politik. Pro Jahr werden in Österreich etwa 45 Tonnen Antibiotika in der Humanmedizin und weitere 55 Tonnen in der Tierhaltung eingesetzt. Die Folgen sind gravierend: Mindesten 25.000 Menschen sterben EU-weit jährlich an Infektionen, gegen die aufgrund von Resistenzbildungen keine Medikamente mehr wirken.

„Vom Hausarzt oder der Hausärztin falsch verschriebene Antibiotika sind ein Teil des Problems. Mindestens genauso wichtig ist jedoch der flächendeckende Einsatz in der Intensivtierhaltung“, erklärt Nunu Kaller, KonsumentInnensprecherin von Greenpeace in Österreich. Eine Chance bietet hier das Tierarzneimittel-Verordnungspaket, das derzeit in der Europäischen Union diskutiert wird. „Österreich muss sich für eine effektive Tierarzneimittel-Verordnung stark machen“, so Kaller weiter. „Ein unreflektierter Antibiotikaeinsatz nach dem Gießkannenprinzip ist sicher kein akzeptabler Weg der Zukunft.“

Bereits knapp 20.000 Menschen haben eine Greenpeace-Petition für ein europäisches Tierarzneimittelpaket unterschrieben, das einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika sicherstellt. Dazu gehört unter anderem sogenannte Reserveantibiotika nicht in der Tierhaltung einzusetzen. Als Reserveantibiotika bezeichnet man Wirkstoffe, die nur in Notfällen eingesetzt werden, weil sie die letzte eiserne Reserve gegen bestimmte Infektionen bilden. „Leider werden manche Reserveantibiotika auch in großen Mengen in der Tierhaltung eingesetzt“, sagt Kaller „Das ist unverantwortlich und ein großes, unnötiges Risiko.“

Wichtig ist es auch, gezielt einzelne, kranke Tiere zu behandeln. Die Behandlung ganzer Herden darf nur in begründeten Einzelfällen angewendet werden und keinesfalls als günstige Alternative zu guten, tiergerechten Haltungsbedingungen dienen. Ein weiterer Knackpunkt ist der Internethandel mit Tierarzneimitteln, den die europäische Kommission EU-weit ermöglichen will. Aus Sicht von Greenpeace ist das inakzeptabel, weil es die Überwachung von Antibiotikaströmen erschwert und eine Tür für Medikamentenmissbrauch öffnet.

Im August 2015 fand Greenpeace auf drei von elf getesteten Schweinefleischprodukten resistente Keime. Das zeigt, dass eine drastische Reduktion des Einsatzes von Antibiotika unerlässlich ist. Nur so kann sichergestellt werden, dass diese wichtigen Medikamente auch in Zukunft noch wirken. „Lippenbekenntnisse gab es in den letzten Jahren zur Genüge. Es ist höchste Zeit, dass auch konkrete Maßnahmen folgen“, so Kaller abschließend.

Bildmaterial:
Bildmaterial finden Sie unter nachstehendem Link. Die Fotos stehen für eine einmalige Verwendung unter Angabe der Photo Credits (© Greenpeace / Georg Mayer) kostenlos zur Verfügung:
http://bit.ly/1l1A5X9

Link zu Petition: www.resistenz.at

Die Greenpeace-Studie “Gefährliche Keime – Antibiotikaresistente Bakterien im Schweinefleisch” finden Sie unter diesem Link:
http://bit.ly/1l9e4pM

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