Greenpeace fordert Verbot von Mikroplastik in Kosmetika

Winzige Plastik-Teilchen gelangen in Gewässer und Nahrungskette

Presseaussendungen - 2 Juni, 2014
Wien – In einem heute veröffentlichten Einkaufsratgeber weist Greenpeace in Österreich 553 Kosmetik-Produkte aus, die Mikroplastik enthalten und fordert ein EU-weites Verbot. Die meist weniger als einen Millimeter großen Plastik-Kügelchen in Peeling, Zahncreme, Duschgel und Co. gelangen über die Haushaltsabwässer in die Umwelt. Weltweit tragen sie zur Verschmutzung von Flüssen, Seen und Meeren mit Plastikmüll bei. Wird das Mikroplastik von Tieren mit Nahrung verwechselt, gelangt es in die Nahrungskette.

„Mikroplastik versteckt sich in etlichen Körperpflegeprodukten und ist in den meisten Badezimmern zu finden. Ohne es zu ahnen, spülen Millionen von Menschen täglich Plastikmüll über den Ausguss in die Umwelt“, so Greenpeace-Expertin in Österreich Antje Helms. Winzige Plastik-Perlen aus Polyethylen (PE) werden von der Industrie beispielsweise in Peeling, Waschgel oder Zahncreme eingesetzt, um die reinigende Wirkung zu verstärken. Weitere Kunststoffe wie Polyamid (PA), Polypropylen (PP) oder Polyethylenterephtalat (PET) werden als Füll- und Bindemittel genutzt oder sollen, u.a. auch in Kinderprodukten, für Glitzer- oder Farbeffekte sorgen.

„Plastikmüll in unseren Gewässern ist ein ernstzunehmendes Umweltproblem mit globaler Dimension - in der Donau genauso wie im Gardasee oder im Nordpazifik in Form des bekannten ‚schwimmenden Plastikmüllteppichs‘. Plastik ist äußerst langlebig und jedes Jahr kommen Millionen Tonnen Plastikmüll hinzu“, so Helms. In Trinkwasser, Milch und Honig wurde Mikroplastik bereits nachgewiesen. Die möglichen negativen Auswirkungen von Mikroplastik – auch Microbead genannt –  auf die menschliche Gesundheit sind noch nicht ausreichend erforscht, manche dem Plastik zugesetzten Stoffe gelten jedoch als hormonell wirksam und krebserregend. Dabei gibt es genug Alternativen: Kunststoffe können in Kosmetika durch in der Natur vorkommende und biologisch abbaubare Stoffe wie beispielsweise gemahlene Nuss- und Kokosschalen, Mandelkleie, Pflanzenpulver oder Tonerde ersetzt werden.

Gemeinsam mit dem Radiosender Ö3, der sich im Rahmen der ORF-Schwerpunktwoche „Mutter Erde braucht dich“ des Themas annimmt, ruft Greenpeace KonsumentInnen in Österreich auf, Produkte genau unter die Lupe zu nehmen und Kosmetika mit Mikroplastik zu meiden. Auf der Webseite www.mikroplastik.at finden KonsumentInnen Informationen sowie den Einkaufsratgeber zu Mikroplastik in Kosmetika. Im Rahmen einer Mitmachaktion können weitere Produkte bei Greenpeace gemeldet werden. In Kooperation mit der internationalen „Beat the Microbead“-Kampagne der niederländischen Umweltschutzorganisationen Plastic Soup Foundation und Stichting de Noordzee stehen Produkte der Greenpeace-Recherche in Österreich auch als App zur Verfügung. Diese weist Mikroplastik-in Kosmetika anhand des Produkt-Strichcodes aus und zeigt auf, welche Firmen bereits zugesagt haben, Mikroplastik in Zukunft ersetzen zu wollen.

„Eine freiwillige Selbstverpflichtung einiger Hersteller reicht nicht aus. Die verantwortlichen Politiker in Österreich, Umweltminister Andrä Rupprechter und Gesundheitsminister Alois Stöger, müssen sich für ein EU-weites Verbot einsetzen, damit Mikroplastik durch natürliche Stoffe ersetzt und so die Gefahr für Umwelt und Gesundheit gebannt wird“, fordert Helms.

Nähere Informationen und der Ratgeber zum Download finden Sie hier

 

Rückfragehinweis:

Antje Helms, Meeresbiologin, Greenpeace CEE, Tel.: +43 (0)664 21 48 952
Melanie Aldrian, Pressesprecherin, Greenpeace CEE, Tel.: +43 (0)664 61 26 725

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