Greenpeace Fisch-Ratgeber: Meeresschutz durch bewussten Fischeinkauf

Umweltschutzorganisation bietet Orientierung beim Fischkauf und fordert vollständige Kennzeichnung

Presseaussendungen - 5 April, 2012
Vielen Fischarten steht das Wasser buchstäblich bis zum Hals: 85 Prozent aller Fischbestände sind laut Welternährungsorganisation (FAO) erschöpft, überfischt oder komplett ausgebeutet. In Europa gelten sogar drei von vier Fischbeständen als überfischt. Die Krise in den Meeren spiegelt auch die von Greenpeace heute veröffentlichte Neuauflage des Fisch-Ratgebers wieder: Von 380 untersuchten Fischereien und Fischzuchten stuft die Umweltschutzorganisation den Großteil als „nicht empfehlenswert“ ein.

Grundsätzlich meiden sollte man Tiefseefischarten wie Hoki und Rotbarsch, aber auch den beliebten Speisefisch Alaska-Seelachs, der in vielen Fischstäbchen und Schlemmerfilets steckt. Die gute Nachricht: Für die meisten Arten gibt es – je nach Fangregion oder Fangmethode – empfehlenswerte Alternativen. Greenpeace kritisiert jedoch die schlechte Konsumenteninformation und fordert von Handel und Fischindustrie, ihre Produkte endlich vollständig zu kennzeichnen.

„Verpackungen ohne lateinischen Artnamen oder ohne Angabe des genauen Fanggebietes sind eine Zumutung und lassen KonsumentInnen im Trüben fischen. KundInnen sollten beim Verkaufspersonal immer nachhaken. Der Fischindustrie ist die lückenhafte Kennzeichnungspflicht oft sehr recht, denn wer kauft schon Fischstäbchen, auf denen als Fangmethode  umweltschädliche Grundschleppnetzfischerei ausgewiesen ist“, so Greenpeace-Meeresexpertin Antje Helms und verweist als Orientierungshilfe auf den Greenpeace-Ratgeber, der in Österreich verkaufte Fischprodukte unter die Lupe nimmt.

„Leider gibt es immer noch Fischprodukte, die keinesfalls in den Einkaufswagen sollten. Verbraucher müssen jedoch nicht gänzlich auf Fisch verzichten, denn für die meisten Fischarten gibt es Alternativen aus nachhaltiger Fischerei oder Fischzucht“, so die Meeresbiologin. Bedenkenlos können beispielsweise heimische Karpfen, Forellen und Saiblinge gekauft werden, insbesondere wenn sie aus österreichischer Bio-Zucht kommen. Auch Hering und Makrele sind weitgehend empfehlenswert – einige überfischte Bestände sollte jedoch vermieden werden wie etwa Hering aus der Ostsee. Gute Nachrichten gibt es auch für Tunfisch-Begeisterte: „Das Angebot für nachhaltig gefangenen Dosentunfisch wächst stetig. Dieses Jahr kommen weitere Markenhersteller mit Skipjack-Tunfisch aus umweltfreundlicher Angelfischerei auf den Markt“, freut sich Helms über die erfolgreiche Greenpeace-Tunfischkampagne.

Durchschnittlich verzehrt jede/r ÖsterreicherIn etwa 14 Kilogramm Fisch im Jahr (Fanggewicht). Durch das Einkaufsverhalten hat dabei jede/r Einzelne die Möglichkeit aktiv zum Schutz der Meere beizutragen. „Es gelten drei einfache Regeln, mit denen KonsumentInnen viel für den Meeresschutz tun können: Seltener Fisch essen, mithilfe des Greenpeace-Ratgebers bewusst Fisch aus nachhaltiger Herkunft kaufen und bei Produkten mit mangelnder Kennzeichnung den Handel darauf hinweisen“, so Helms. Bis Ende 2012 soll das politische Instrument der Fischerei in Europa, die Gemeinsame Fischereipolitik der EU, reformiert werden. „Je größer die Nachfrage nach nachhaltig gefangenem Fisch, desto größer der Druck: Auf die Fischereiindustrie, die ihre Fangmethoden ändern muss, auf den Handel, der im Interesse seiner KundInnen für ein gute Kennzeichnung der Produkte sorgen muss und auf die Politiker, die sich für ein umweltschonendes Regelwerk einsetzen müssen,“ appelliert Antje Helms an die KonsumentInnen.

Nähere Informationen:
Den Fischratgeber finden Sie hier zum Download

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