Greenpeace-Protest gegen Plünderung Westafrikas durch EU-Riesentrawler

Greenpeace-AktivistInnen protestieren an deutschem Fischtrawler gegen Ausbeutung der Meere

Presseaussendungen - 2 März, 2012
AktivistInnen an Bord des Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise, unter ihnen die Österreicherin Melanie Aldrian, protestierten heute früh vor der Küste Mauretaniens gegen die massive Überfischung westafrikanischer Gewässer durch Fabrikschiffe aus Europa. Die AktivistInnen befestigten symbolische Euroscheine und ein Banner mit der Aufschrift „Keine EU-Steuergelder für Meeresraubbau!“ an der Bordwand des deutschen Supertrawlers Maartje Theadora. Das Schiff zählt mit seinen 9.082 Tonnen Ladekapazität und 141 Metern Länge zu einem der größten europäischen Schiffe, die derzeit vor der Küste Mauretaniens fischen.

„Die Geldscheine symbolisieren die Millionen aus der Tasche der EU-Steurzahler, die Riesenschiffe wie die Maartje Theadora bekommen, um Motoren und Schleppnetze weiter aufzurüsten- ausgerechnet jene EU-Schiffe, die der Meeresumwelt und den Menschen am meisten schaden und weitaus mehr fischen als die Umwelt vertragen kann“, kritisiert Greenpeace-Meeresbiologin Antje Helms.

Die Maartje Theadora gehört zur Flotte der “Pelagic Freezer-Trawler Association” (PFA), einer Unternehmensgruppe mit 34 Schiffen unter niederländischer, deutscher, französischer, britischer und litauischer Flagge. Die PFA-Schiffe gehören zu den größten der Welt: ihre 600 Meter langen Schleppnetze können bis zu 250 Tonnen Fisch pro Tag fangen, der Fisch wird direkt an Bord verarbeitet.

Die Fangflotte der EU hat eine zwei bis dreimal höhere Fangkapazität als für eine nachhaltige Fischerei gut wäre. Die Folgen: Die Fischbestände in EU-Gewässern sind massiv überfischt und immer häufiger weichen die Fischtrawler auf andere Meeresregionen aus, wie vor die Küste Westafrikas. „Das ist eine perverse Politik, die den Raubbau der Meere und die Ausbeutung der Ressourcen ärmerer Länder mit unseren Steuergeldern finanziert”, so Antje Helms. Die Europäische Union unterhält mit Mauretanien ein Fischereiabkommen. Dieses ermöglicht EU-Fangschiffen den für sie beinahe kostenlosen Zugang zu Mauretanischen Fischereigründen.

Wie die europäischen Steuerzahler die Plünderung der Meere vor Westafrika finanzieren, belegt der diese  Woche von der Umweltschutzorganisation veröffentlichte Report "Plündern um jeden Preis: EU-Fischerei in Westafrika". Um Motoren und Fanggerät zu modernisieren erhielt die PFA 1994-2006 direkte Fördergelder von insgesamt 46,8 Millionen Euro. Rund 143 Millionen Euro  wurden 2006 bis 2012 zusätzlich von der EU gezahlt, um Firmen wie der PFA Fischereirechte in Mauretanien und Marokko zu sichern - 90 Prozent der Kosten dafür finanzieren EU-Steuerzahler. 

Die derzeit laufende Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik bietet der EU die Chance, die Überkapazitäten der europäischen Flotte massiv abzubauen – angefangen bei den größten und umweltschädlichsten Riesentrawlern. Öffentliche Gelder müssen vor allem handwerkliche, umweltschonende Küstenfischereien unterstützen. Greenpeace fordert die österreichische Bundesregierung auf, sich aktiv für einen Abbau der Überkapazitäten einzusetzen: „Binnenländer wie Österreich dürfen angesichts der dramatischen Krise in den Meeren nicht weiter stillschweigend zusehen, wie EU-Flotten weiterhin die Gewässer - nicht nur in Westafrika - plündern,“ fordert Helms einen aktiven Einsatz von Fischerei- und Umweltminister Niki Berlakovich.

Greenpeace-Report:

www.greenpeace.org/austria/de/multimedia/Publikationen/dokumente/Plundern-um-jeden-Preis/

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