Meeresraubbau geht weiter während EU-Fischereiminister an Reform basteln

Greenpeace Schiff konfrontiert europäische Fischfangflotten an westafrikanischer Küste

Presseaussendungen - 19 März, 2012
Brüssel / Wien - Anlässlich der heute in Brüssels stattfindenden Ratsversammlung der EU-Fischereiminister übt Greenpeace Kritik am schleppenden Fortschritt bei der Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP). Auf der Agenda des Ministerrates steht auch ein Beschluss darüber, wie die EU in Zukunft ihre Fischerei in den Gewässern von Drittstaaten gestaltet. Aus Sicht von Greenpeace wird dabei das brennendste Problem – die massive Überkapazität der EU-Flotte und die dadurch verursachte Überfischung – von den Ministern weitgehend ignoriert. Derzeit patrouilliert das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise vor der Küste Westafrikas, um genau diese zerstörerischen Auswirkungen der europäischen Fischerei aufzuzeigen.

"Weil die EU ihre eigenen Gewässer leergefischt hat, machen ein Dutzend bis zu 140 Meter langer EU-Fischfabriken nun vor Afrika Jagd auf den letzten Fisch. Nur eine Verkleinerung der EU-Fischereiflotte kann dafür sorgen, dass sowohl Fischbestände als auch Fischer in Westafrika und Europa überleben können", sagt Greenpeace-Meeresbiologin Antje Helms.

Nach offiziellen Angaben fängt die EU mit etwa 1,2 Millionen Tonnen Fisch pro Jahr fast ein Viertel ihrer gesamten Fischfangmenge in fremden Gewässern. Der EU-Fischereirat stimmt heute darüber ab, inwieweit die EU das Recht von handwerklichen Küstenfischern beispielsweise in Westafrika auf vorrangigen Zugang zu ihren lokalen Fischgründen anerkennt. Ebenfalls zur Diskussion stehen das Verbot von „Rückwürfen“, also der Entsorgung von ungenutzte „Beifängen“ – Fische und Meeressäuger, die ungewollt in die Netze geraten und tot oder sterbend wieder über Bord gehen,  neue Regelungen für Fischereisubventionen sowie die gemeinsame Marktorganisation für Fischereiprodukte. Allerdings werden die Minister vermutlich das Kernproblem vernachlässigen und nicht über eine Verpflichtung zur Reduzierung der EU-Flotte sprechen.

In der vergangenen Woche sichtete und konfrontierte das Greenpeace-Team an Bord der Arctic Sunrise in einem Zeitraum von nur zwölf Stunden nicht weniger als sieben EU-Riesentrawler mit über 100 Meter Länge direkt vor der Küste Mauretaniens. Die AktivistInnen markierten die schwimmenden Fischfabriken mit den Worten "Plunder" (zu deutsch "Plünderung").

„Wir sind Augenzeugen wie die EU in Westafrika Meeresraubbau betreibt und lokale Fischer mit leeren Tellern dastehen! Wäre das in Österreich allgemein bekannt, würde hier niemand diesen Fisch aus Westafrika kaufen wollen“, so Helms. „Im Interesse der österreichischen KonsumentInnen und der Meere fordern wir alle Entscheidungsträger in Österreich auf, bei den EU-Verhandlungen für eine umfassende Reform der EU-Fischerei zu drängen.“
 

Weitere Informationen:
http://www.greenpeace.at/westafrika-schiffstour

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