Shell verzichtet auf neue Ölbohrlizenzen in norwegischer Arktis

Greenpeace fordert OMV auf, diesem Beispiel zu folgen und Verantwortung zu übernehmen

Presseaussendungen - 4 April, 2016
Wien/Oslo – Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßt die heutige Entscheidung des internationalen Ölkonzerns Royal Dutch Shell, nicht an der nächsten Vergabe von Ölbohrlizenzen in der norwegischen Arktis teilzunehmen. Das Unternehmen begründet seinen Beschluss mit wirtschaftlichen Überlegungen. Der österreichische Mineralölkonzern OMV ist hingegen weiterhin an der Ausschreibung interessiert und könnte schon bald gemeinsam mit dem russischen Ölriesen Gazprom die neuen Ölfelder erschließen. Denn erst vergangenen Freitag hat die OMV im Rahmen eines Asset-Tausches der Gazprom eine Beteiligung an den norwegischen Ölfeldern zugesichert. Greenpeace fordert den österreichischen Konzern auf, auf weitere Ölbohrlizenzen in der Arktis zu verzichten und sich gänzlich aus sensiblen Ökosystemen zurückzuziehen.

„Während Shell ausnahmsweise den richtigen Weg einschlägt, handelt die OMV konsequent verantwortungslos“, sagt Adam Pawloff, Energiesprecher von Greenpeace in Österreich. „Anstatt sich aus dem risikoreichen Geschäft in der Arktis zurückzuziehen, holt sich die OMV nun einen in der Öffentlichkeit stark kritisierten Partner an Bord. Die OMV zeigt mit dieser Partnerschaft, dass Profitgier auf Kosten der Umwelt offenbar keine Grenzen kennt.“

Der russische Konzern Gazprom war das erste Unternehmen, dass mit der Bohrinsel Prirazlomnaya 2013 Ölbohrungen für kommerzielle Zwecke in der Arktis durchführte, trotz massiver internationaler Kritik. 28 Greenpeace-AktivistInnen wurden im September 2013 in Folge eines friedlichen Protests an der Plattform zwei Monate in russischer Haft festgehalten. Ihnen wurde zuerst Piraterie und später Rowdytum vorgeworfen – es drohten bis zu 15 Jahre Haft. In späterer Folge – nach intensiven diplomatischen Bemühungen und der stetig wachsenden Kritik – wurden die AktivistInnen freigelassen.

Sollte die OMV die neuen Lizenzen in der norwegischen Arktis erhalten, wäre dies nicht das erste derartige Projekt des österreichischen Konzerns. Bereits im Jänner 2016 hat die OMV in dieser Region, in unmittelbarer Nähe des Naturschutzgebietes Bäreninsel, mit Erkundungsbohrungen begonnen. Der Zeitpunkt der Bohrungen, mitten im arktischen Winter, macht dieses Projekt besonders gefährlich. Neben fast durchgehender Dunkelheit herrscht hier extreme Kälte und auch Stürme stehen auf der Tagesordnung. Zusätzlich besteht bis heute keine wirksame Methode um eisbedecktes Wasser von Öl zu befreien.

„Mit der Präsentation der neuen Konzernstrategie im Februar hat die OMV die Gelegenheit verpasst einen Richtungswechsel einzuschlagen. Der Rückzug von Shell zeigt, dass die arktische Ölförderung weder wirtschaftlich noch zukunftsfähig ist. Die OMV muss diesem Beispiel folgen, sich aus der Arktis zurückziehen und die Zusammenarbeit mit fragwürdigen Partnern beenden“, so Pawloff abschließend.