Antwort auf Verbund Reaktion

Infoseite - 24 Jänner, 2012
In der Werbung zeigt sich der Verbund stets von seiner ökologischen Seite und rühmt sich Haushaltskunden mit Strom aus 100 Prozent Wasserkraft zu beliefern. Die ganze Wahrheit sieht etwas anders aus.

Der Verbund verkauft über eine andere Tochterfirma in großem Stil Atomstrom an Industrie und Großkunden. Der "saubere" Strom aus Wasserkraft geht an die Haushaltskunden. Den Eindruck zu erwecken, 100 Prozent Wasserkraft zu verkaufen, ist daher schlichtweg nicht richtig.

Online-Petition

Nach einer von mehr als 2.000 Menschen unterstützten Petition an den Vorstandsvorsitzenden der Verbund AG, DI Wolfgang Anzengruber, wurde vonseiten des Unternehmens mit einem Antwortschreiben reagiert.

Lesen Sie unsere Stellungnahme zu diesem Schreiben. 

Verbund:

"Als Konsument haben Sie ein Recht darauf, über die Herkunft der gekauften Produkte richtig und vollständig informiert zu werden. Dies gilt auch für das Produkt Strom. Aus diesem Grund haben wir alle unsere 123 Wasserkraftwerke zertifizieren lassen, TÜV-Süd führt diese strengen Prüfungen durch. Wir sind damit in Europa ein Vorreiter, weil erst 5 % aller europäischen Kraftwerke zertifiziert sind. Wir setzen uns dafür ein, dass es 100 % werden. Unser Wasserkraftstrom ist jedenfalls Strom mit Stammbaum."

Greenpeace:

Seit jeher wird von Greenpeace anerkannt, dass der Verbund aus den Wasserkraftwerken zertifizierten Wasserkraftstrom liefert. Die Zertifizierung ist nachvollziehbar und schlüssig, Doppelverkäufe sind nicht möglich. Zahlreiche Landesenergieversorger haben Bezugsverträge mit diesen Kraftwerken. Greenpeace setzt sich dafür ein, dass es eine europaweite Stromkennzeichnung gibt.

Verbund:

"VERBUND ist heute einer der größten Stromerzeuger aus Wasserkraft in Europa. Mit unseren heimischen Kraftwerken können wir den Strombedarf unserer Kunden in Österreich decken und sind daher nicht auf Importe angewiesen."

Greenpeace:

Es mag schon stimmen, dass der Verbund das könnte. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass er das auch tut. Ein Teil dieses Wasserkraftstroms wird ins Ausland verkauft. Für diesen exportierten Anteil wird dann anderer Strom – oft über Börsen zugekaufter "Graustrom" mit einem Anteil Atomenergie - importiert. Wie man auch – wenn man etwas genauer schaut – auch auf der Verbund-Homepage findet: http://www.verbund.com/at/de/geschaeftskunden/strom-aus-wasserkraft.

Die Verbund Sales AG bezieht und verkauft somit 78,9 % "Graustrom" – den so genannten ENTSO-Mix: "ENTSO-Mix (Strom aus unbekannter Herkunft) bezeichnet den europäischen Strommix aus Wasserkraft (15 % Wasserkraft), fossilen Brennstoffen (50,5 %), nuklearer Energie (27,2 %), sonstige erneuerbare Energieträger (7 %) und Sonstige (0,3 %)."

Verbund:

"Nur 1,7 % aller Stromimporte nach Österreich entfallen auf VERBUND, damit decken wir saisonbedingte Schwankungen. Das können wir anhand der Leitungs-Fahrpläne dokumentieren und Greenpeace ist das bekannt."

Greenpeace:

Das stimmt so nicht. Hier werden die physikalischen Stromflüsse und die wirtschaftlichen Beziehungen, also die Geldflüsse, bewusst vermischt.

Es stimmt schon, dass Österreich bilanziell gerechnet fast so viel Strom produziert, wie verbraucht wird, und dass der Verbund vom verbleibendem Importbedarf auch nur einen Teil übernimmt. Aber es geht nicht um die Elektrizität, sondern um das Geld. Wasserkraftstrom wird vom Verbund für gutes Geld exportiert, und dafür kommt Börsenstrom, inklusive Atomstrom, zurück.

Verbund:

"Wer die 98 % Graustrom mit Atomanteil importiert, ist derzeit aber nicht bekannt. Aus diesem Grund wollen wir, dass die nach Österreich geleiteten Strommengen aller Stromimporteure offen gelegt werden."

Greenpeace:

Auch Greenpeace fordert, dass die Stromimporte nach Österreich offen gelegt werden. Dass der größte Stromhändler Österreichs nicht wissen will, wer "98% Graustrom mit Atomanteil" importiert, ist nicht glaubwürdig.

Verbund:

"Sie sehen, wir setzen uns für einen transparenten Strommarkt ein und sind eindeutig gegen Nuklearenergie."

Greenpeace:

Leider agiert die Verbund AG nicht so transparent, wie sie gerne behauptet. Weder veröffentlicht sie, wie viel Strom sie ex- bzw. importiert, noch woher der Strom stammt und wie viel sie damit verdient. Wenn die Verbund AG, wie sie selbst argumentiert, tatsächlich gegen Nuklearenergie sein möchte, muss sie aufhören damit Geld zu verdienen.

Verbund:

"Gerade weil wir mit Greenpeace seit fast drei Jahren laufend gute Gespräche führen und z. B. beim Thema Elektromobilität klar einer Meinung sind, finden wir die Kampagne gegen uns nicht gerechtfertigt."

Greenpeace:

Wir haben mehrmals das Gespräch mit dem Verbund gesucht, um gemeinsam darüber nachzudenken, wie man die Importe von Atomstrom unterbinden kann. Es war aber nicht möglich, hier eine gemeinsame Linie zu finden – der Verbund hängt zu sehr am internationalen Stromhandel. Unabhängig davon sind sowohl Verbund als auch Greenpeace der Meinung, dass der Strom für Elektroautos erneuerbar sein muss, damit die Umwelt davon profitieren kann.

Verbund:

"Und wir würden uns freuen, wenn Sie danach zum Schluss kommen, dass VERBUND-Wasserkraftstrom made in Austria Ihr Vertrauen verdient. Ein wichtiges Vertrauen genießen wir bereits seit vielen Jahren: Das von Greenpeace energy Deutschland, das sauberen Strom von VERBUND an seine Ökostromkunden verkauft."

Greenpeace:

Viele Energieunternehmen in Österreich und im Ausland, darunter z.B. viele Stadtwerke in Deutschland, beziehen zertifizierten Wasserkraftstrom vom Verbund. Das Zertifizierungssystem wird gut kontrolliert und ist nachvollziehbar. Deshalb erkennt Greenpeace an, dass der so gekaufte Strom auf der Rechnung auch als Wasserkraftstrom oder erneuerbarer Strom ausgewiesen wird.

Auch die deutsche Energie-Genossenschaft Greenpeace Energy bezieht auf diese Weise einen Teil ihres Stroms. Greenpeace Energy begrüßt und unterstützt selbstverständlich ein Atomstrom-Importverbot, das Greenpeace Österreich für die Alpenrepublik fordert. Greenpeace Energy wird das Thema Atomstrom-Importverbot in Verhandlungen über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Verbund einbringen und eine zufriedenstellende Lösung der Problematik einfordern.

Wir gehen davon aus, dass Greenpeace Energy nicht der einzige Kunde bleiben wird, der einen Verbleib beim Verbund von einer Kursänderung weg von Atomstrom abhängig macht.

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