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Argumente gegen Atomkraft

Infoseite - 23 Februar, 2012

Allgemein

Atomkraftwerke sind hochkomplex und von Natur aus unsicher. Was bereits seit Tschernobyl 1986 bekannt ist, wurde auch bei der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 deutlich: Fundamentale Mängel in der nuklearen Sicherheit gepaart mit ernsthaftem institutionellen Versagen in der Kontrolle dieser Sicherheit führen dazu, dass sich Reaktorunfälle zu derartigen Katastrophen entwickeln können. Diese Probleme sind keine Einzelfälle sondern wiederholen sich in zahlreichen Atomkraftwerken weltweit und sind somit Teil des Systems Atomindustrie. Das Resultat: Millionen von Menschen, die in der Nähe von Reaktoren leben, sind ständig in Gefahr.Die japanische Regierung und allen voran der AKW Betreiber TEPCO waren sich der Risiken von Erdbeben und Tsunamis in den Jahren vor der Katastrophe sehr wohl bewusst, doch die Gefahren wurden ignoriert.

Nukleare Risiken

Sowohl bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl als auch in Fukushima kam es zu einer Freisetzung von massiven Mengen an radioaktiven Stoffen in die Atmosphäre. Hunderttausende Menschen waren und sind noch heute davon betroffen. Menschen, die aus der 30km-Sperrzone um Tschernobyl evakuiert wurden, können immer noch nicht zurück; das Gebiet bleibt eine No-Go-Zone. In Japan mussten mindestens 150.000 Menschen die verseuchten Gebiete verlassen. Experten erwarten, dass die 20km-Evakuierungszone rund um Fukushima für Jahrzehnte unbewohnbar sein wird.

Kernreaktoren sind immer anfällig für eine tödliche Kombination aus menschlichen Fehlern, Materialversagen, Terroranschlägen und Naturkatastrophen. Bei jeder Katastrophe wird erneut klar: Die Risikobewertung der Atomindustrie ist völlig mangelhaft und vernachlässigt bis heute den Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Fukushima und Tschernobyl sind keine Einzelfälle, sondern nur die schlimmsten Katastrophen im System Atomenergie. 200 „Beinahe – Unfälle“ meldete die US-Atomaufsichtsbehörde in den letzten 25 Jahren. Und dass Naturkatastrophen wie Erdbeben und Tsunamis, wodurch die Katastrophe in Fukushima ausgelöst wurde, Schwierigkeiten bei AKW auslösen war nicht neu. Die französische Atombehörde meldete 2003, dass eine Flutung ein AKW im Südwesten des Landes bedrohte. Im Jahr 2007 verursachte ein Erdbeben in Japan ein Feuer, das das Herunterfahren von sieben Reaktoren in einem Atomkraftwerk an der Westküste zur Folge hatte. Erst zwei Jahre später ging der erste Reaktor wieder online, nach wie vor sind nicht alle sieben Reaktoren wieder am Netz.

Die Atomindustrie macht Gewinne: Auf Kosten der Menschen

Wenn es zu einer Reaktorkatastrophe wie in Fukushima kommt, zahlt die Öffentlichkeit den Preis in mehrfacher Hinsicht. Erstens sind ihre Gesundheit und damit ihr Leben durch die massiven Freisetzungen radioaktiver Stoffe in Gefahr. Zweitens werden sie aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen. Sie müssen ihre Häuser verlassen, müssen sich in Notlagern oder Zwischenwohnungen einrichten  und leben ohne Job oder Entschädigung. Eltern leben mit der ständigen Sorge, dass die Gesundheit ihrer Kinder leiden könnte. Drittens, die Leute zahlen am Ende die Sanierungskosten, die Stilllegung von zerstörten Reaktoren, über ihre Steuern. Die Betreiber von Kernkraftwerken sind fast völlig vor möglichen Haftungsfragen abgesichert, die die Kosten einer Katastrophe durch ihre Anlagen verursachen. Sie sind nicht verpflichtet, über eine Versicherung die vollen Kosten einer Katastrophe abdecken zu müssen. Denn das würde die Kernenergie zu teuer machen! 
Die Kosten von ReaktorbautenKernreaktoren sind extrem teuer zu bauen. Von der Planung bis zur ersten Operation muss mindestens ein Jahrzehnt gerechnet werden. Deutliche Kostenüberschreitungen und Verzögerungen sind die Norm beim Reaktorbau. Aktuell zu beobachten beim Bau neuer Reaktoren in Finnland und in Frankreich durch den französischen Atomkonzern Areva: Die Kosten für beide Projekte wurden um über drei Milliarden Euro erhöht und liegen damit schon jetzt doppelt so hoch wie ursprünglichen angenommen - und der Reaktorbau ist bei weitem nicht abgeschlossen. Dieses Problem wiederholt sich bei  fast jedem Reaktor-Projekt der Welt.

Radioaktive Abfälle - das langfristige Problem

Zusätzlich zu den Risiken der Reaktoren in Betrieb, gibt es auch erhebliche Risiken verbunden mit den abgebrannten Brennelementen und sonstigen radioaktiven Abfällen. Selbst nach 60 Jahren der Kernenergie gibt es nirgendwo  auf der Welt eine Lösung für die sichere, langfristige Lagerung radioaktiver Abfälle. Derzeit werden radioaktive Abfälle in der ganzen Welt in temporär ohne langfristigen Planzwischengespeichert.

Der Großteil des gefährlichen Abfalls muss für mehr als hunderttausend Jahre gelagert werden, bevor er als sicher gilt. In der Geschichte der Menschheit gibt es keine Gebäude und keine Lagerung, die je einem so langen Zeitraum standgehalten hätten. Ein Beispiel: Der Bau der Pyramiden ist gerade mal 5000 Jahre her.

Kernreaktoren und der KlimawandelDie Atomindustrie behauptet oft, dass Kernenergie notwendig ist, um den Klimawandel zu bekämpfen. Atomenergie ist in Wahrheit eine teure und gefährliche Ablenkung von den wirklichen Lösungen für den Klimawandel. Der Betrieb von Kernkraftwerken verhindert die groß angelegte Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz. Die Treibhausgas-Reduktionsziele können nur durch Verwendung von Technologien für erneuerbare Energien und Energieeffizienz erfüllt werden. Jeder Dollar, jeder Euro für die Atomkraft fehlt bei den wirklichen Lösungen im Kampf gegen den  Klimawandel.

Selbst wenn man die weltweite Anzahl von Reaktoren vervierfacht, auf weit über tausend zusätzliche Atomkraftwerke, statt der derzeit etwas über 400 Reaktoren würde dies zu einer maximal sechsprozentigen Verringerung der globalen CO2-Emissionen führen. Und diese Verringerung würde wegen der langen Bauzeiten um Jahrzehnte zu spät kommen. Denn der Klimawandel muss in den kommenden Jahren bekämpft werden oder es ist dafür zu spät.

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