Chronologie

zu den Ereignisssen in Fukushima

Infoseite - 23 Februar, 2012

März 2011

11. März: Vor der Ostküste Japans kommt es zu einem Erdbeben der Stärke 9,0. Dem Erdbeben folgt eine große Flutwelle. Die externe Stromversorgung am AKW Fukushima Daiichi geht verloren. Back-up-Generatoren fallen ebenso aus. Ohne Stromversorgung scheitern die Kühlsysteme. Innerhalb weniger Tage kommt es in drei Reaktoren der Anlage zu einer Kernschmelze und Wasserstoff-Explosionen, die das Reaktorgebäude zerstören.

12. März:  Die japanische Regierung verhängt eine 20km-Evakuierungszone rund um die Anlage Fukushima Daiichi und siedelt zehntausende Einwohner ab. Die Regierung erweitert später die Zone um weitere hoch verstrahlte Gebiete. Schätzungen gehen von rund 150.000 evakuierten Menschen aus.

23. März: Eine Analyse, die ein Experte für nukleare Sicherheit für Greenpeace erstellt, zeigt, dass genug Radioaktivität in die Atmosphäre freigesetzt wurde, um den Vorfall auf die höchste Stufe 7 auf der International Nuclear Event Scale (INES) zu setzen. Damit steht Fukushima auf einer Stufe mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986. Trotz der vorliegenden Faktenlage und klarer INES-Kriterien hebt TEPCO, der Betreiber des AKW Fukushima, den Unfall zu diesem Zeitpunkt von der Stufe 4 lediglich auf Stufe 5 der INES-Skala und spielt damit die Auswirkungen des Unfalls herunter.

26 März: Greenpeace Spezialisten führen unabhängige Messungen der radioaktiven Strahlung in den kontaminierten Gebieten durch und finden sofort Strahlung, die hoch genug ist, die eine Evakuierung an mehreren Gebieten außerhalb der 20km-Zone erforderlich machen. Die Gebiete liegen im Nordwesten des AKW Fukushima Daiichi, darunter das Dorf Iitate, 40 km von der Anlage und 20 km jenseits der offiziellen Evakuierungszone entfernt. Obwohl die japanische Regierung diese Messergebnisse und die Forderung nach der Evakuierung ablehnt, bestätigen Experten der Internationalen Atombehörde  (IAEA) die Notwendigkeit der Evakuierung zwei Tage später.

April 2011

TEPCO räumt ein, dass durch einen Riss im Reaktorgebäude Nr. 2 des AKW Fukushima Daichii radioaktives Wasser in den Ozean gelangt ist. Darüber hinaus pumpt TEPCO zusätzlich mit Absicht 11.500 Tonnen radioaktives Wasser ins Meer und ignoriert damit die Proteste aus anderen Nationen und der japanischen Fischerei-Industrie. Messungen zeigen, dass die Werte für radioaktives Jod-131 im Meerwasser 7,5 Millionen Mal über der gesetzliche Grenze liegen.

4 April: Greenpeace erweitert sein Team zur unabhängigen Strahlungsmessung, das in derPräfektur Fukushima unterwegs ist. Basierend auf detailliertere Ergebnissen fordert Greenpeace eine erweiterte Evakuierungszone, und fordert die Verlegung von schwangeren Frauen und Kindern aus risikoreichen Gebieten.

6 April: Greenpeace Experten beginnen mit Strahlungstests an Lebensmitteln und finden über die Grenzwerte erhöhte Strahlung in Gemüse, das aus Gärten in der Nähe von Fukushima City, Koriyama und Minamisoma und aus einem Supermarkt in Fukushima City stammt. In der Zwischenzeit wird in Japan die zulässige Strahlenbelastung für Kinder bis 20 Mal höher angesetzt als der international anerkannte und verbindliche Grenzwert von einem Millisievert pro Jahr.

12 April: Japan bewertet die Katastrophe inzwischen auch offiziell als Stufe 7 auf der INES-Skala, für Greenpeace kommt diese eine Erkenntnis "erschreckend spät '.

22 April: Die japanische Regierung räumt ein, dass die radioaktive Strahlung zu hoch ist, um in Iitate und anderen kontaminierten Gebieten zu bleiben. Einen Monat nach der Greenpeace-Forderung, die Evakuierungszone zu erweitern, gesteht die japanische Regierung ihren Fehler ein.

Mai 2011

TEPCO gesteht letztlich ein, dass die Kernschmelze im Reaktor Nr. 1 bereits fünf Stunden nach dem Verlust der Stromversorgung aufgetreten ist – ebenso wird klargestellt, dass es in den Reaktoren # 2 und # 3 ebenso zu Kernschmelzen gekommen ist.

Das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior II fährt nach Japan. Greenpeace führt Strahlenmessungen auf hoher See durch. Da die ersten Untersuchungen von Greenpeace signifikant hohe Werte von Radioaktivität, die weit über den zulässigen Grenzwerten für Nahrungsmittel liegen, zeigen,  fordert Greenpeace die japanischen Behörden auf,  umfassende Strahlenmessungen an Meeresalgen zu veranlassen.

Juni 2011

Die japanische Atomaufsichtsbehörde NISA teilt mit, dass die Freisetzung radioaktiver Isotope wie Jod und Cäsium nach dem Unfall mehr als doppelt so hoch ist als ursprünglich angegeben: rund 770.000 Terabecquerel statt der ursprünglichen 370.000 Terabecquerel bei Jod 131. Greenpeace-Experten entdecken bei Messungen sehr stark erhöhte Strahlenwerte in Schulhöfen in Fukushima City oder auf den Zufahrtsstraßen, die auf Schulwegen und Wegen zu Kindergärten liegen. Die Messungen ergeben beispielsweise an einem von Familien und Kindern genutzten öffentlichen Spielplatz 9,5 Mikrosievert pro Stunde (80fach über den normalen Grenzwerten). An einem Messpunkt neben einer öffentlichen Schule werden 45 Mikrosievert pro Stunde gemessen trotz der vorhandenen Bemühungen zur Dekontamination.

Greenpeace fordert die Regierung erneut auf, für eine flächendeckende Strahlenmessung zu sorgen, um bessere Information und Schutzmaßnahmen für Kinder und Schwangere zu ermöglichen.

Juli 2011

Im Laufe dieses Monats werden mehrere Skandale aufgedeckt, wie die Energieunternehmen versuchen, direkten Einfluss auf das Ergebnis von Bürgerversammlungen zu nehmen. Dabei versuchen sie für ihren Pro-Atom-Kurs öffentliche Unterstützung zu bekommen. Regierungsvertreter und regionale Politiker sind in die Skandale verwickelt. Premierminister Kan fordert ein atomkraftfreies Japan, gerät aber unter Druck, und schwächt später ab, dass das seine persönliche Meinung ist und nicht die Regierungsposition. Schließlich tritt Kan zurück und wird durch den für Atomkraft eintretenden Yoshihiko Noda ersetzt.

Berichte tauchen auf, dass die Auswirkungen eines Stromverlustes in kerntechnischen Anlagen einschließlich Fukushima Daiichi bereits in den 90er Jahren durch die Kommission für Atomsicherheit bewertet wurden, das Risiko aber heruntergespielt wurde. 
Die japanische Rindfleisch-Industrie wird durch die Kontaminierung von Stroh als Folge des Reaktorunfalls stark in Mitleidenschaft gezogen und stark dezimiert.

Obwohl die Lage in Atomkraftwerke Fukushima nach wie vor nicht unter Kontrolle ist, will der für Atomenergie zuständige Minister Goshi Hosono einzelne Evakuierungszonen wieder aufheben.

August 2011

Japans Außenminister kündigt an, dass als Folge der Krise in der Rindfleisch-Industrie nicht mehr für die Sicherheit der Lebensmittel, die exportiert werden, garantiert werden kann. Gleichzeitig wird radioaktive Verstrahlung bei Reis gefunden - dem Grundnahrungsmittel in der japanischen Ernährungskultur.

Der scheidende Chef der japanischen Atomaufsichtsbehörde NISA erklärt, dass die nukleare Regulierung in Japan unzureichend ist und gibt zu, dass er wusste, dass eine Kernschmelze bereits am 11. März möglich war.

Greenpeace fordert den Ministerpräsidenten auf die Wiedereröffnung von Schulen in Fukushima City hinauszuzögern, da dort hohe Strahlenwerte gemessen wurden.

September 2011

Wissenschaftler der Japan Atomic Energy Agency (JAEA) berichten, dass die Katastrophe mehr als dreimal so viel Strahlung in freigesetzt haben - vor allem in Richtung des Ozeans - wie ursprünglich von TEPCO berichtet: bis zu 15.000 Terabecquerel von Jod-131 und Cäsium-137. TEPCO berichtete hingegen nur von 4720 Terabecquerel.

In Rohren bei Reaktor Nr. 1 des havarierten Kraftwerks wird Wasserstoff entdeckt. TEPCO besteht trotzdem darauf, dass kein Risiko für eine Explosion „in der unmittelbaren Zukunft“ besteht.

Oktober 2011

Die Japan Nuclear Energy Safety Organisation (JNES) zeigt auf, dass Beamte der japanischen Atomaufsichtsbehörde die  Möglichkeit einer vollständigen Kernschmelze bereits am 25. März einräumten. Zu diesem Zeitpunkt hielten sowohl NISA und TEPCO offiziell fest, dass die Reaktoren nur "leicht beschädigt" wurden.

Zum ersten Mal gesteht die japanische Regierung ein, dass die Stilllegung der Reaktoren Fukushima mehr als 30 Jahren dauern wird – später wird es von offizieller Seite 40 Jahre heißen. Im Mai sagte TEPCO das AKW würde in sechs bis neun Monaten geschlossen werden.
TEPCO meldet die Entdeckung von Xenon-133 und -135 in Reaktor Nr. 2. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Zustand im Reaktor nach wie vor sehr kritisch ist. Die Meldung wird darauf hin wieder zurückgezogen und die Ursache dieser Funde nicht weiter geklärt.

November 2011

Greenpeace kann Japans größten Lebensmittelhändle AEON überzeugen, bei Lebensmitteln auf eine „Null Toleranz“ bei Strahlenbelastung zu setzen. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf Meeresfrüchten.

Dezember 2011

TEPCO legt einen Zwischenbericht vor und erklärt, dass seine Mitarbeiter im Umgang mit der Reaktorkatastrophe keine Fehler gemacht haben. Gleichzeitig veröffentlich die Regierung einen sehr kritischen Bericht, der erklärt, dass sowohl TEPCO als auch NISA direkt zu der nuklearen Krise beigetragen haben.

Ministerpräsident Noda gibt bekannt, dass der "kalte Shutdown 'der Fukushima-Reaktoren erreicht wurde – ein symbolischer und politischer Meilenstein, der mit einem im September vom für Atomfragen zuständigen Minister Goshi Hosono angekündigten Zeitplan in Zusammenhang. Selbst die Mitglieder der eigenen Partei von Noda nennen die Erklärung „eine Fiktion“.
Neun Monate nach der Dreifach-Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, findet Greenpeace an verschiedenen Stellen deutlich erhöhte radioaktive Strahlenwerte, die klare Anzeichen dafür sind, dass das offizielle Dekontaminations-Programm unkoordiniert und unzureichend ist.

Januar 2012

Japan erwägt Verstaatlichung von TEPCO. Trotz des erhöhten Risikos von Erdbeben lobbyiert Japans Atomindustrie heftig für den weiteren Einsatz von Atomkraft. Inzwischen haben Wissenschaftler der University of Tokyo einen Bericht veröffentlich, der zeigt, dass es eine 70-prozentige Chance gibt, dass ein Erdbeben der Stärke 7,0 in den nächsten vier Jahren die Region Tokyo trifft. Die Chance auf ein ähnliches Beben innerhalb der nächsten 30 Jahre beträgt bereits 98 Prozent.

Über 90 Prozent der japanischen Reaktoren sind offline. Nur drei von 54 Reaktoren sind derzeit in Betrieb und dennoch gibt es keine nennenswerten Probleme mit der Stromversorgung.

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